Ringier kehrt in den Verlegerverband zurück

Ringier-CEO Marc Walder zeigte sich beeindruckt ob der konsequenten Umsetzung der Login-Pflicht bei den Schweizer Medienhäusern.

Will wieder mit anderen Verlegern zusammenspannen: Ringier-CEO Marc Walder an der Dreikönigstagung des Verbands Schweizer Medien (VSM) am 8. Januar 2020 in Zürich. Bild: Gaetan Bally, Keystone

Will wieder mit anderen Verlegern zusammenspannen: Ringier-CEO Marc Walder an der Dreikönigstagung des Verbands Schweizer Medien (VSM) am 8. Januar 2020 in Zürich. Bild: Gaetan Bally, Keystone

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Der Medienkonzern Ringier ist wieder Mitglied im Verband Schweizer Medien. Vor gut vier Jahren hatte Ringier den Verband im Streit verlassen.

Es gelte, die Kräfte zu bündeln, um die gewaltigen Herausforderungen in der Medienbranche zu meistern, begründete Ringier-Konzernchef Marc Walder am Mittwoch in Zürich anlässlich der Dreikönigstagung des Verbandes Schweizer Medien (VSM) diesen Schritt. In den letzten Monaten habe er mit den Verlegern freundschaftliche und faire Gespräche geführt.

Ärger überwunden

Den entscheidenden Anstoss für die Rückkehr Ringiers in den Verlegerverband dürfte die digitale Allianz geliefert haben, mit der die Branche im Werbemarkt gemeinsam gegen die internationalen Schwergewichte Google, Facebook und Amazon antreten will. Er sei beeindruckt gewesen, wie geschlossen sich die Schweizer Verleger hinter diese Initiative gestellt hätten.

Das Ziel dieser Initiative ist es, Nutzerdaten unter voller Wahrung des Datenschutzes zu erhalten. Zu diesem Zweck haben die grossen Schweizer Verlage in den letzten Monaten den Zugang zu ihren Nachrichtenportalen mit einem freiwilligen Login versehen. Die Resonanz bei den Nutzerinnen und Nutzern sei entgegen Befürchtungen in der Verlagsbranche sehr positiv gewesen, sagte Walser.

Massiver Verlust von Werbevolumen

Die Schweizer Verleger hätten im Zeitraum 2012 bis 2018 pro Jahr ein Werbe- und Verkaufsvolumen von einer Milliarde Franken verloren. Im Gegenzug hätten die digitalen Angebote lediglich Einnahmen von 85 Millionen Franken pro Jahr hinzugewonnen. Das zeige klar und deutlich, dass das bisherige Geschäftsmodell der Verlage nicht mehr funktioniere.

Das laufende Jahr werde für die digitale Allianz von entscheidender Bedeutung sein. Nach den ersten positiven Erfahrungen mit dem Login zeigte sich Walder optimistisch. Während das Login bei grossen Playern wie Facebook oder Netflix selbstverständlich sei, betrage der Anteil jener Personen, die sich auf Schweizer Nachrichtenportalen einloggten, bisher nur 0 bis 10 Prozent. Das Potenzial sei gross.

Das Ziel müsse ein Single Sign On sei. Wer Medienprodukte konsumieren wolle, müsse sich nur einmal einloggen. Der Kunde wolle sich einfach, schnell und sicher auf den Portalen bewegen. Das Vertrauen sei dabei die wichtigste Währung, wie das Beispiel von Facebook bei Cambridge Analytica gezeigt habe. Die Verleger seien in sehr engem Kontakt mit dem Eidgenössischen Datenschützer Adrian Lobsiger.

Supino begrüsst Rückkehr

Verlegerpräsident Pietro Supino zeigte sich sehr erfreut über die Rückkehr von Ringier in den Verband. Alexander Theobald, der am 1. April 2020 das Amt des CEO Ringier Axel Springer Schweiz übernehmen wird, werde in die Gremien des Verlegerverbandes einziehen.

Ringier war Mitte August 2015 verärgert aus dem Verband Schweizer Medien ausgetreten. Anlass für den Streit war die Werbeallianz Admeira, die Ringier mit der SRG und der Swisscom eingegangen war. Der VSM hatte damals faktisch ein Werbeverbot für die SRG gefordert.

Supino: Qualität der Medien überlebenswichtig

In Zeiten eines Überangebots an Medien wird die Qualität nach den Worten von Pietro Supino überlebenswichtig. Die Medien müssten besser und professioneller werden, als sie es in der Vergangenheit gewesen seien.

Es gelte, noch konsequenter zwischen Berichterstattung und Meinung zu trennen, sagte Supino am Mittwoch an der Dreikönigstagung. Die Medien müssten den Nutzwert für die Leserschaft erhöhen, indem sie darstellten, was institutionelle Nachrichten konkret für sie bedeuteten.

Pietro Supino, Präsident Verband Schweizer Medien sowie Verleger und Präsident der TX Group AG, spricht an der Dreikönigstagung in Zürich am 8. Januar 2020. Bild: Gaetan Bally, Keystone

«Wir müssen eigenständiger auswählen, tiefer bohren und unterschiedlichen Gesichtspunkten mehr Raum geben», sagte Supino weiter. Die Konzentration auf echte Mehrwerte, die Nutzung neuer Technologien und die Fähigkeit zu Kooperationen seien Voraussetzung dafür, dass die Bezahlmedien überleben könnten.

Dabei stelle die digitale Transformation des Abo-Modells die grösste geschäftliche Herausforderung des neuen Jahrzehnts dar. Die Preise für digitale Abonnements lägen um die Hälfte bis zwei Drittel tiefer als die bestehenden Print- und kombinierten Online-/Print-Abos. Der Werbemarkt werde unter Druck bleiben.

Dramatischer Preiszerfall

Unter der optimistischen Annahme, dass die digitale Transformation gelinge, dürften die Einnahmen der traditionellen Medienmarken im nächsten Jahrzehnt im gleichen Umfang wie die Preise zurückgehen. Das sei dramatisch. Der Balance-Akt zwischen inhaltlicher Arbeit und Kostenmanagement werde im neuen Jahrzehnt noch anspruchsvoller.

Steigende Erträge im digitalen Geschäft vermöchten die Rückgänge im Print bei weitem nicht zu kompensieren. Bemerkenswert sei, dass das Medienangebot in der Schweiz trotz dieser dramatischen Entwicklung hervorragend bleibe, sagte der Verlegerpräsident.

Digitale Revolution

Bei der Technologisierung stehe der Durchbruch wohl erst noch bevor. Die Stichworte seien hier Automatisierung im Journalismus, Interaktion Computer - Mensch sowie das weite Feld der Datenanalyse. Über den Datenjournalismus hinaus würden Nutzerdaten helfen, die Angebote besser auf deren Interessen und Bedürfnisse auszurichten.

Der Aufbau der digitalen Kompetenz erfordere hohe Investitionen. Zugleich blieben die grossen Kostenblöcke insbesondere im Vertrieb gedruckter Zeitungen bestehen. Vor diesem Hintergrund hält Supino es für dringend notwendig, die indirekte Presseförderung unter Einschluss der Frühzustellung auszubauen.

Aufstockung der Förderung dringend

«Ohne Ausbau der indirekten Förderung in den nächsten drei Jahren könnten ein Drittel der heutigen Zeitungstitel nicht überleben», sagte Supino. Daher habe der Verband in den letzten Monaten in Zusammenarbeit mit der Post und dem Bakom die technischen Grundlagen für den Einbezug der Frühzustellung in die Förderung erarbeitet.

Vom Uvek spüre der Verband Unterstützung. Der VSM werde sich in den nächsten Monaten dafür einsetzen, dass das Parlament die notwendigen gesetzlichen Grundlagen schaffe. Kurz- und mittelfristig geniesse dieses Dossier absolute Priorität im Verlegerverband.

Aufbau von Medienkompetenz

Langfristig bleibe die Förderung der Medienkompetenz das wichtigste Anliegen. Das Verständnis der nächsten Generation für Medienqualität werde das künftige Medienangebot bestimmen. Darum könne der Stellenwert der Medienkompetenz nicht hoch genug eingeschätzt werden. (sda)

Erstellt: 08.01.2020, 11:00 Uhr

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