Zum Hauptinhalt springen

Sechseläuten: Der Böögg trägt einen «Zwingli-Hut»

Am Zürcher Frühlingsfest sind zwei Dinge nicht wie sonst: Der Gast kommt aus dem Ausland und die Kappe des Böögg hat es in sich.

500-Jahr-Jubiläum: Heute trägt der Böögg einen Hut wie Zwingli. Bild: Urs Jaudas
500-Jahr-Jubiläum: Heute trägt der Böögg einen Hut wie Zwingli. Bild: Urs Jaudas

Aus Anlass des Jubiläums «500 Jahre Zwingli» überrascht der Böögg am Zürcher Sechseläuten mit einem schwarzen Hut, um auf eine Jubiläumsaktion des ökumenisch aufgegleisten Projekts «Em Zwingli lupft's de Huet» – vom kommenden August bis November in allen Stadtkreisen – aufmerksam zu machen.

Die Zunftmeisterversammlung hat auf Antrag des Reformationsbotschafters und Grossmünsterpfarrers Pfr. Christoph Sigrist, zur Unterstützung und öffentlichen Lancierung der im Jubiläumsjahr «500 Jahre Zwingli» anstehenden Zwingli-Jubiläumsaktion «Em Zwingli lupft's de Huet» entschieden, dass der Böögg ausnahmsweise mit einem zusätzlichen Utensil bestückt wird und einen «Zwingli-Hut» tragen soll.

Die Verbindung zwischen Zwingli und den Zünften war sehr eng. Es war vor 500 Jahren der Rat, also grösstenteils die Zünfte, auf die sich Zwingli in erster Linie verlassen konnte und ohne deren entschlossenes Mitgehen die Reformation in Zürich kaum so rasch Erfolg gehabt hätte – kein Zufall, dass Zwingli, wie Zeitgenossen bezeugen, besonders gern auf Zunftstuben Geselligkeit gepflegt hat.

Porträt Ulrich Zwinglis von Hans Asper, etwa 1531
Porträt Ulrich Zwinglis von Hans Asper, etwa 1531

Doch nicht nur zwischen den Zünften und Zwingli herrschte eine enge Verbindung, auch mit dem diesjährigen offiziellen Sechseläuten-Gast, der Stadt Strassburg, pflegte Zwingli Beziehungen. Diese lagen zunächst auf dem Gebiet des Humanistischen. Dann aber hatten sie im Zusammenhang mit dem Burgrechtsprojekt vor allem auch mit hoher Politik zu tun. Kunde von Strassburg taucht im Briefwechsel Zwinglis zuerst 1519 auf, in einem Brief des Beatus Rhenanus vom 19. März 1519. Dieser berichtet von einem «Römling», der am Abend zuvor von Basel zu Schiff nach Strassburg fuhr, um am Morgen dort zu sein.

Zehn Jahre später wird Zwingli selbst diese Fahrt unternehmen; auf seiner Reise nach Marburg zum Gespräch mit Martin Luther machte er vom 6. bis 18. September 1529 in Strassburg Station. Man sagt, dass ihm anlässlich dieser gefährlichen Reise von der Stadt Strassburg das Schwert geschenkt wurde, welches er dann auch bei seinem Tode auf sich trug (auch wenn die Geschichte Lücken aufweist), trägt es doch das Wappen der Stadt Strassburg.

Zwingli mit Schwert vor der Wasserkirche. Bild: Urs Jaudas
Zwingli mit Schwert vor der Wasserkirche. Bild: Urs Jaudas

Zwingli steigt vom Sockel und entdeckt «seine» Stadt nach 500 Jahren neu. Im ökumenisch aufgegleisten Projekt, das von allen drei Landes- sowie Stadtkirchen mitgetragen wird, soll sich der Reformator, zwischen August und November in Form von zwölf überlebensgrossen Statuen über die ganze Stadt ausbreiten.

Die bekannte Zwingli-Statue bei der Wasserkirche steigt also symbolisch vom Sockel und Zwingli entdeckt «seine» Stadt nach 500 Jahren neu. Im Fokus steht dabei nicht in erster Linie die religiöse, sondern die gesellschaftliche Betrachtung unter dem Motto «Em Zwingli lupft's de Huet». An gut frequentierten Orten über die Stadt verteilt werden die Figuren ein auf den jeweiligen Stadtkreis abgestimmtes Thema aufnehmen, zu welchem es dann auch begleitend sogenannte «Zwingli-Gsprööch» geben wird.

SDA/oli

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch