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Einkaufstouristen willkommenSchweizer fehlen – deutsche Händler fürchten um Existenz

Die Umsätze vieler Detailhändler in Süddeutschland sind bis zu 60 Prozent eingebrochen. Die Abwesenheit der Einkaufstouristen aus der Schweiz drückt stark auf den Umsatz.

Bald wieder mehr zu tun: Bundespolizisten am Zollamt Konstanz kontrollieren Grenzgänger im März.
Bald wieder mehr zu tun: Bundespolizisten am Zollamt Konstanz kontrollieren Grenzgänger im März.
(KEYSTONE/Ennio Leanza/16. März 2020)

Schweizer Gäste, die ihre Einkaufstaschen im nahen Grenzgebiet füllen wollen, bringen normalerweise Schwung in den Detailhandel im Süden der Bundesrepublik. Doch seit Mitte März ist wegen der Coronavirus-Krise Schluss damit.

Menschen aus Nicht-EU-Ländern können wegen den Grenzschliessungen nicht mehr einfach so im Bundesland Baden-Württemberg einkaufen gehen. Um den Zoll zu passieren, braucht es einen triftigen Grund. Die Umsätze vieler Händler in Süddeutschland sanken dadurch dramatisch. Im Lebensmitteleinzelhandel seien Umsatzrückgänge zwischen 30 und 60 Prozent festgestellt worden, sagte der Hauptgeschäftsführer der IHK Hochrhein-Bodensee, Claudius Marx. Viele Händler würden um ihre Existenz fürchten, sollten die Grenzen zur Schweiz nicht bald wieder vollständig geöffnet werden. Das Gleiche gelte für Gastronomie, Hotellerie und zahlreiche Dienstleistungen, deren Geschäftsmodell den unmittelbaren Kontakt zum Kunden voraussetze.

Zollbeamte mit anderen Tätigkeiten

Im vergangenen Jahr hätten Kunden aus der Schweiz in den Landkreisen Lörrach, Waldshut und Konstanz für rund 1,5 Milliarden Euro eingekauft, erklärte Marx. Wie hoch sich der Schaden am Ende der Coronavirus-Pandemie aufsummieren, und ob und wie viele Insolvenzen es auf dem Weg dahin geben werde, sei im Moment schwer absehbar. Eine Umfrage des Handelsverbands Baden-Württemberg ergab kürzlich, dass knapp ein Viertel (23 Prozent) aller Händler im Land einen Rückgang bis zu 80 Prozent verzeichnet, wie der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Utz Geiselhart sagte. Die deutschen Detailhändler setzten nun auf eine hohe Nachfrage, wenn die Grenze vom 15. Juni an wieder geöffnet ist.

Für die Mitarbeiter des Zolls waren die vergangenen Wochen dagegen eine Entlastung, denn viele Service-Schalter waren geschlossen. Dort werden die Formulare bearbeitet, mit denen sich Einkaufstouristen aus Nicht-EU-Ländern die Mehrwertsteuer zurückerstatten lassen können. Die Zoll-Mitarbeiter hätten in der Zeit den gewerblichen Warenverkehr unterstützt, sagte ein Sprecher der Generalzolldirektion in Bonn.

SDA

123 Kommentare
    Markus Ackermann

    Man kann einfach feststellen, dass viele Leute die Funktionsweise der Wirtschaft nicht verstehen. Ob private oder geschäftliche Personen sich für Einkauf im Ausland entscheiden, ist egal. Es ist nicht verboten. Evtl sollte China die Einfuhr von Schweizer Uhren verbieten, weil man ja auch eigene Uhren im Land herstellt, um den protektionistischen Schweizern eine Lektion zu erteilen.