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Handel mit Corona-SchutzmaterialSchweizer Masken-Millionäre machten in Deutschland Kasse

Die Schweizer Firma Emix Trading verkaufte in der ersten Corona-Welle Schutzmasken zu horrenden Preisen. In Bayern hatte sie eine illustre Türöffnerin.

Das Geschäft mit Corona machte einige zu Millionären: Masken des Personals des City-Notfalls in Bern.
Das Geschäft mit Corona machte einige zu Millionären: Masken des Personals des City-Notfalls in Bern.
Foto: Adrian Moser

Nach dem grossen Reibach kommen die Probleme. Die Firma Emix Trading verdiente in der Corona-Krise zig Millionen mit dem Handel von Schutzmasken. Der Eidgenossenschaft verkaufte sie Masken für über 22 Millionen Franken – und zwar zu den klar höchsten Preisen, die der Bund zu zahlen bereit war: Bis zu 9.90 Franken pro Stück. Das brockte der Emix, die zwei Zürcher Jung-SVPlern und einem Wirtschaftsanwalt gehört, eine Anzeige wegen Wucher ein. Die Abteilung für Wirtschaftskriminalität der Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich prüft diese derzeit.

Nun entbrennt auch in Deutschland eine Debatte über die Aktivitäten der Emix. Denn die Emix war in der ersten Corona-Welle auch im nördlichen Nachbarland gross im Geschäft. Das Nachrichtenmagazin «Spiegel» hat nun herausgefunden, in welchem Umfang die Emix Schutzmaterial liefern konnte – und dank wessen Unterstützung die lukrativen Deals zustande kamen.

Gemäss «Spiegel»-Informationen soll die Emix allein der Bundesrepublik Deutschland Schutzmaterial für rund 350 Millionen Euro verkauft haben. Hinzu kamen Millionen-Lieferungen in mindestens zwei Bundesländer, die sich auf dem Online-Portal für öffentliche Beschaffungen der EU nachvollziehen lassen.

Spielte eine alte Partei-Bande eine Rolle?

Türöffnerin für die Emix war eine Frau namens Andrea Tandler. Sie ist die Tochter von Gerold Tandler, ein Urgestein der bayrischen CSU. Vater Gerold Tandler war im Freistaat Innenminister, Wirtschaftsminister, Finanzminister, CSU-Fraktionschef und CSU-Generalsekretär.

Ihren ersten bekannten Deal in Deutschland machte die Emix just mit dem von einer CSU-Politikerin geführten bayrischen Gesundheitsministerium. Am 3. März 2020 bestellte dieses bei der Emix eine Million FFP2-Masken zum Preis von 8.90 Euro pro Stück – mehr als das Zehnfache des Preises solcher Masken vor der Corona-Krise. Und auch deutlich mehr, als Behörden in verschiedenen europäischen Ländern zu dieser Zeit bei anderen Anbietern von Schutzmasken bezahlt haben.

Auf eine «Spiegel»-Anfrage bestätigte eine Sprecherin des bayrischen Gesundheitsministeriums, dass Politiker-Tochter Andrea Tandler das Geschäft eingefädelt hat. Tandler habe sich Ende Februar gemeldet. Mit einem Emix-Vertreter habe man dann erst kurz vor der Auslieferung Ende März direkt Kontakt gehabt.

Einen Tag nach Bayern, am 4. März, bestellte auch Nordrhein-Westfalen bei Emix FFP2-Masken, diesmal sogar zum Stückpreis von 9.90 Euro. Strippenzieherin war auch hier Andrea Tandler, die eine Werbeagentur und ein Unternehmen für Strategieberatung führt.

Das deutsche Gesundheitsministerium schweigt

Doch das ist noch nicht alles: Auch zum Gesundheitsminister Deutschlands, Jens Spahn, Mitglied der CSU-Schwesterpartei CDU, soll Tandler gemäss «Spiegel» einen direkten Draht haben. Dank diesem «Vitamin B» soll Tandler der Emix auch den Weg für die richtig grossen Aufträge in Deutschland geebnet haben. Zu diesen Aufträgen schweigt sich das deutsche Gesundheitsministerium allerdings eisern aus. Auch auf dem Online-Portal für öffentliche Beschaffungen der EU finden sich keine Spuren davon.

Emix-Verwaltungsratspräsident Peter Ackermann.
Emix-Verwaltungsratspräsident Peter Ackermann.
Foto: PD

Tandler beantwortete keine Fragen zu ihren Diensten für die Emix. Wirtschaftsanwalt und Emix-Verwaltungsratspräsident Peter Ackermann äusserte sich mit Verweis auf eine vertragliche Schweigeklausel mit dem deutschen Bundesgesundheitsministerium nicht zu Umfang oder Marge der Lieferungen an die Bundesrepublik Deutschland. Auch zur Rolle von Andrea Tandler nimmt er unter Hinweis auf Vorgaben des Ministeriums nicht Stellung.

Den Vorwurf des Wuchers in der Schweiz kontert Ackermann mit dem Argument, dass die Eidgenossenschaft selber in einem Bericht aufgezeigt habe, dass die Emix zu damaligen Marktpreisen geliefert habe. Die Frage des Wuchers sei damit «zugunsten von Emix Trading abschliessend geklärt.»

109 Kommentare
    Ueli Wattenwyl

    Bayern könnte unbestritten ein weiterer Kanton der Schweiz sein. Dort wie hier gilt die bäuerlich geprägte Vetterleswirtschaft. Mit einem kleinen Unterschied: in Bayern endet es in der Staatskanzlei, hier in der Schweiz in Bundesbern.

    Eine Hoffnung auf Änderung ist derzeit nicht in Sicht. Lediglich, wie hier auch Störfeuer durch investigativen Journalismus.

    Und dass die beiden der SVP angehören zeigt lediglich, dass es dort die besseren Vorbilder zum Nachfragen gibt.

    Als Unternehmer, CEO, VR, VRP sollte sich jede/r aktuell allerdings auch fragen, ob die SVP in ihrem derzeitigen Zustand (EMIX, Rechtsaussen Köppel, Blocherimitator Aeschi, usw.) noch gut ist für die persönliche Reputation.