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Wegen Coronavirus-MutationSchweizer Taskforce fordert dringliche Massnahmen

Die Fachexperten des Bundes verlangen einen sofortigen strengen Lockdown wie im März. Eine Genfer Virologin geht sogar noch einen Schritt weiter.

Strengere Regeln notwendig: Taskforce-Präsident Martin Ackermann (l.) hört an der legendären Medienkonferenz Mitte Dezember Patrick Mathys vom BAG zu.
Strengere Regeln notwendig: Taskforce-Präsident Martin Ackermann (l.) hört an der legendären Medienkonferenz Mitte Dezember Patrick Mathys vom BAG zu.
Foto: Peter Klaunzer (Keystone/15. Dezember 2020)

Für die Taskforce des Bundes im Kampf gegen das Coronavirus erhöht sich angesichts der neuen ansteckenderen Virusvariante die Dringlichkeit von strengen Massnahmen. Auch sei ein umgehender Ausbau der kantonalen Test- und Tracing-Kapazitäten notwendig.

Gemäss dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) ist die neue Virusvariante mit der Bezeichnung VOC-202012/01 bereits in zwei Proben aus der Schweiz nachgewiesen worden. Nun würden grosse Anstrengungen unternommen, um zu analysieren, ob das Virus allenfalls schon in der Schweiz weiter verbreitet sei, schreibt die Taskforce in einer Stellungnahme vom Freitag.

Informationen verschiedener Gesundheitsbehörden wiesen darauf hin, dass sich VOC-202012/01 schnell ausbreite und wahrscheinlich ansteckender sei als andere Varianten von Sars-Cov-2. Es gebe aktuell aber keine Hinweise darauf, dass die neue Virusvariante schwerere Erkrankungen hervorrufe als andere Varianten. Auch bestünden keine Hinweise, dass die Virusvariante nicht abgedeckt sei von der Immunantwort, die von Impfstoffen hervorgerufen werde. (Lesen Sie dazu unseren Artikel: Was über das mutierte Coronavirus bekannt ist).

Neue Virusvariante – neues Risiko

Die neue Virusvariante stelle für die Schweiz daher ein weiteres Risiko dar. Seine Ausbreitung würde es schwieriger machen, die Epidemie in der Schweiz zu kontrollieren. In Grossbritannien hat die Mutation bereits zu einem steilen Anstieg der Fallzahlen geführt.

Die Taskforce hatte bereits am 15. Dezember kommuniziert, dass aus ihrer Sicht strenge, flächendeckende Massnahmen angezeigt sind. Das Auftauchen der wahrscheinlich noch ansteckenderen Virusvariante erhöhe diese Dringlichkeit zusätzlich, schreibt die Task-Force nun.

Um eine Ausbreitung der neuen Virus-Variante in der Schweiz zu verhindern oder zu verlangsamen, sind aus der Sicht der Taskforce neben den Massnahmen zur Kontaktreduktion ein umgehender Ausbau der kantonalen Test- und Tracing-Kapazitäten sowie eine konsequente Umsetzung von Isolations- und Quarantäne Regelungen notwendig. Anstrengungen zur Identifizierung von Clustern und Infektionsquellen seien in der aktuellen Situation besonders wichtig. (Vgl.: Taskforce fordert drastische Massnahmen).

Bisherige Massnahmen wirken weiterhin

All die bekannten Massnahmen würden auch gegen die neue Virusvariante wirken, schreibt die Taskforce weiter. Für Übertragungen brauche es Kontakte und damit könne gemeinsam aktiv auch etwas dagegen getan werden, nämlich indem die Kontakte so weit wie möglich reduziert würden.

Die Schweiz befinde sich seit Wochen in einer epidemiologischen Risikosituation mit sehr hohen Zahlen an Infektionen und Todesfällen, einer steten Zunahme in mehreren Regionen und einem Gesundheitssystem, das unter ausserordentlich grosser Belastung steht. Die kommenden Tage und Wochen würden zusätzliche Risikofaktoren bergen: die Festtage und Wintertourismus mit einer Zunahme an Kontakten und Mobilität und die Möglichkeit von weiteren Temperaturrückgängen.

Genfer Virologin fordert Europa-Lockdown

Noch einen Schritt weiter als die Taskforce geht die Genfer Virologin Isabella Eckerle. Sie schreibt in einem dringlichen Appell auf Twitter, dass mehr zur Kontaktbeschränkung unternommen werden müsse. Das Coronavirus sei uns immer einen Schritt voraus und es sei deshalb ein Fehler, wenn die Regierungen nun darauf warten, bis die Mutation im eigenen Land nachgewiesen werde. Dann sei es bereits zu spät. Vielerorts sind die Spitäler bereits am Anschlag und das mutierte Coronavirus verbreite sich wohl auch ausserhalb Grossbritanniens bereits. Werde nichts gemacht, führe das im Januar und Februar zu einer Tragödie. Die Impfung könne nicht schnell genug verteilt werden, um das Ausbleiben weiterer Massnahmen zu kompensieren.

Eckerle ist sich bewusst, dass dies nun wohl niemand hören wolle, aber in Anbetracht der Daten über die Virusmutation hält sie einen kompletten Lockdown für ganz Europa für unumgänglich. Sie schreibt explizit, dass dies nicht nur in der EU, sondern auf dem gesamten Kontinent erfolgen sollte.

Die neuen Daten, auf welche sich Eckerle bezieht, zeigen in einer Pre-Print-Studie, dass die Variante VOC 202012/01 um 56 Prozent ansteckender ist, als die derzeit kursierende. Die Schweiz verzeichnete zuletzt 28’000 Neuinfektionen innert 7 Tagen, diese Zahl würde demnach auf über 43’000 steigen – mit Konsequenzen für die bereits am Limit funktionierenden Spitäler. Derzeit stagnieren die Fallzahlen auf einem hohen Niveau, das Ziel der vor Weihnachten eingeführten Verschärfungen wäre eigentlich, dass sich Anzahl der Neuinfektionen nun alle zwei Wochen halbieren.

SDA/fal

523 Kommentare
    Walter S

    Wenn wir (viel!) Geld in grosse Mengen Schnelltests stecken würden, welche uns am Morgen anzeigen, ob wir an diesem Tag ansteckend sind, könnten wir die Epidemie vielleicht schnell bremsen. Stattdessen isolieren wir Leute, welche PCR-positiv, aber schon lange nicht mehr ansteckend sind, und finden Kontakte, welche schon viele Menschen angesteckt haben...