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Isoliert im Altersheim«Sie haben mich behandelt wie eine Schwerverbrecherin»

Wer hat die Betagten eigentlich gefragt, ob sie vor Corona derart beschützt werden wollen? Viele sagen: Lieber möchten sie sterben, als in einer Zelle zu leben.

Elise Hess im Alters- und Pflegezentrum in Biel: Sie will nie mehr eingesperrt werden.
Elise Hess im Alters- und Pflegezentrum in Biel: Sie will nie mehr eingesperrt werden.
Foto: Boris Müller

Es war für die Bielerin Elise Hess die grösste Demütigung ihres Lebens. «Ich durfte nicht einmal ins Bad gleich im Gang gegenüber von meinem Zimmer. Sie haben mir einen Nachtstuhl reingeschoben», erzählt die 89-Jährige. «Ich habe mich so geschämt.» Sie musste im Frühling vor einem Jahr, als der Lockdown verhängt wurde, in ihrem Pflegezentrum der Stiftung Desaules in Biel in Quarantäne. «Sie haben mich behandelt wie eine Schwerverbrecherin.»

Der 16. März 2020 erwischt die Schweiz kalt. Der damals vom Bundesrat verhängte Lockdown versetzt das Land innert Stunden in eine Schockstarre. Was die wenigsten bemerken: Der Lockdown teilt die ältere Bevölkerung in zwei Gruppen. Diejenigen, die das Glück haben, zu Hause zu leben, entscheiden selbst, welches Risiko sie eingehen, wenn sie etwa zum Einkaufen gehen. Doch all jene, die in den rund 1500 Alters- und Pflegeheimen wohnen, werden schlicht weggesperrt.

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