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Model und InfluencerinSie kann auch sympathisch

Pamela Reif ist Deutschlands bekannteste Fitness-Influencerin. Und seit neuestem wirkt sie sogar charmant.

Gymnasium mit Bestnote abgeschlossen: Youtuberin Pamela Reif.
Gymnasium mit Bestnote abgeschlossen: Youtuberin Pamela Reif.
Foto: PD

Pamela steigt aus dem Meer. Pamela schaut in die untergehende Sonne. Pamela hält eine Ananas in der Hand. Bei allem, was sie macht, tut Pamela vor allem eines: Sie sieht gut aus. Fast täglich veröffentlicht Deutschlands erfolgreichste Fitness-Influencerin auf Instagram Bilder von sich: ein makelloser Körper, den sie in jahrelangem Training in einen Idealzustand modelliert hat, kombiniert mit perfektem Po-Posing (sie hat auch einen Tipp, wie man das am besten hinkriegt: stets ein Bein anwinkeln). Das gefällt. So vielen, dass sie jeden Tag mehrere Tausend neue Follower gewinnt; erst letzten Monat hat sie die 5-Millionen-Grenze überschritten.

Pamela Reifs «Schaut alle meinen Körper an»-Bilder sind auch ein Versprechen. Wer aussehen will wie sie, macht auf Youtube bei ihren Fitnessvideos mit. Die Workouts sind meist kurz und intensiv, oft geht es um Booty (Hintern) oder Abs (Bauchmuskeln), also um jene Körperstellen, die bildmässig etwas hergeben, wenn sie in Form sind. Während der vergangenen Wochen, als die Menschen zu Hause trainieren mussten, traf Reif damit ein riesiges Bedürfnis, ihre Videos wurden geklickt wie noch nie. Ihr zehnminütiges Sixpack-Workout ist mehr als 32 Millionen Mal angeschaut worden. Das Corona-Jahr dürfte den Marktwert der knapp 24-Jährigen, die in Deutschland auf der Strasse von jungen Mädchen um Selfies gebeten wird, nochmals deutlich steigern.

Dünn zu sein, reicht heute nicht mehr

Als Pamela Reif nach dem Gymnasium (abgeschlossen mit Bestnote) begann, sich intensiver ihrem Instagram-Kanal zu widmen, musste man den Menschen noch erklären, was eine Influencerin tut und erst recht, dass man damit Geld verdienen kann. Mittlerweile hat das Model Ganzjahresverträge mit Marken wie Puma, Calzedonia oder Warner Music, die sie dafür bezahlen, dass sie in den Videos ihre Songs als Hintergrundmusik abspielt, ihre Leggings trägt oder ganzen Kollektionen ihren Namen leiht. Zwei Bücher hat sie publiziert, das zweite – es geht darin um Rezepte für gesunde Bowls und Smoothies – steht in der Schweiz gerade wieder auf der Bestsellerliste, und selbstverständlich hat sie seit neustem auch einen Podcast.

Das klingt alles sehr erfolgreich, laut «Forbes» kassiert die Influencerin pro Beitrag eine Gage im fünfstelligen Bereich. Das klingt aber auch auf anstrengende Weise makellos. Denn eine Sympathiefigur, nein, das ist Frau Reif trotz ihrer Millionen-Anhängerschaft nicht. Zu maskenhaft perfekt ihre Selbstporträts, zu kontrolliert ihr öffentliches Auftreten.

Aufreger-Liebschaften? Wilde Partyfotos? Existieren in der Welt von Pamela Reif nicht. Vor einem Jahr verlor sie einen Gerichtsprozess wegen Schleichwerbung, das ist auch schon alles. Ansonsten präsentiert sie sich stets tadellos frisiert und wohlgelaunt; mit derselben Disziplin, mit der sie ihren Körper bearbeitet, geht sie offenbar auch durchs Leben. Dünn zu sein reicht heute nicht mehr, angestrebt wird eine definierte, muskulöse Physis. Und Pamela Reif hat verinnerlicht, was mit diesem neuen Körperideal einhergeht: Seinen Leib zu stählen, bedeutet, seinen Geist zu kontrollieren.

Seit Reif in der Corona-Zeit begonnen hat, Live-Fitnessvideos zu produzieren, zeigt sie allerdings eine unbekannte Seite von sich. Bisher waren die Youtube-Workouts wenig lustvoll. Stumm und roboterhaft zeigte die Influencerin da die Übungen vor, Ausfallschritt, Kniebeugen, Liegestütze. Kein motivierendes Wort, kein Lächeln.

Doch in den neuen Echtzeit-Videos ist etwas anders: Pamela spricht. Sie kommentiert und erklärt jetzt die Sequenzen. Und wirkt auf einmal menschlicher, gar sympathisch. Weil ihr Englisch zwar gut ist, aber doch nicht ganz so makellos wie ihr Körper. Weil ihr Bruder Dennis hinter der Kamera steht und manchmal dazwischenruft oder Anweisungen gibt, was den schönen Eindruck erzeugt, dass da eine Familie zusammenhält (Mama macht die Fotos, Papa die Buchhaltung). Weil sie auch mal verlegen kichert und dann endlich wirkt wie die junge Frau, die sie eigentlich ist, und nicht wie die beinharte Unternehmerin (die sie natürlich auch ist).

Pamela sieht jetzt nicht mehr nur gut aus – sie lebt!

1 Kommentar
    Philipp M. Rittermann

    jaja. vielleich in deutschland. wunderbar. gönne ich ihr. aber warum muss der tagi hierüber berichten. wir sind in der schweiz. und nicht in deutschland. auch wenn das leider manchmal den anschein erweckt. bitte-danke.