Die nächsten ProjekteSo will der Flughafen zwei Milliarden verbauen
Pistenverlängerungen, eine Foodhall und ein neuer Tower: Das sind nur einige der Projekte des Flughafens Zürich. Eine Übersicht zum Stand der Bauvorhaben.

Der Flughafen Zürich ist nicht nur für Flugzeuge, Pisten und Fluglärm bekannt. Das Areal ist auch Shoppingcenter, Drehkreuz für öffentliche Verkehrsmittel und Naherholungsgebiet. Und das soll auch in Zukunft so bleiben, oder besser gesagt noch ausgebaut werden. Während der Corona-Pandemie musste die Flughafen Zürich AG die Kosten möglichst niedrig halten, inzwischen kann das Unternehmen aber wieder kräftig investieren. Mehrere Hunderttausend Franken pro Tag, wie die folgenden Projekte zeigen.
Foodhall und Shoppingcenter
Neues Dock A mit Tower
Pistenverlängerungen
Neue Gepäcksortieranlage
Zone West
Aufwertung der Glatt
Sanierung der Piste 28
Umrollung der Piste 28
Sicherheitsscanner
Foodhall und Shoppingcenter

Der Flughafen Zürich richtet bei diesem Projekt gleich mit der grossen Kelle an: Die öffentlich zugängliche Einkaufsmeile und die Gastrobereiche werden grundlegend erneuert und um rund ein Drittel erweitert. Dabei ist auch ein Ausbau der Zugänge zu den Terminals 1 und 2, dem Busbahnhof und zum Circle geplant. Um den Betrieb nicht zu sehr zu stören, geschieht der Umbau in mehreren Etappen. Das Herzstück des Projekts ist aber die Foodhall, ein zweistöckiger Glasbau in der Lücke zwischen den Parkhäusern 1 und 2. Wie es der Name sagt, geht es hier vor allem um das leibliche Wohl. In der unteren Etage soll ein breites kulinarisches Angebot einziehen. Oben befindet sich eine Galerie mit Aussicht, Foodtrucks und einer Bar.
Geplante Bauzeit: 2020 bis voraussichtlich 2026
Kosten: ca. 250 Millionen Franken
Zwischenstand: Der Umbau des Shoppingcenters hat 2020 begonnen. Die Bauzeit wurde kurz darauf wegen der Corona-Pandemie gestreckt. Kürzlich hat das Grossprojekt einen weiteren Rückschlag erlitten: Im Ausschreibungsprozess um den Bau der Foodhall hat der Zweitplatzierte – eine Bietergemeinschaft aus den Baufirmen Eberhard und Marti – den Entscheid über den Zuschlag vor dem Bundesverwaltungsgericht angefochten, weil die Gewinnerfirma Feldmann nicht alle Kriterien erfüllt haben soll. In diesem Punkt gibt das Gericht den beiden Firmen recht, doch sie erhalten nicht wie gefordert direkt den Auftrag. Dieser soll die FZAG neu vergeben. An eine Mitbewerberin, die alle Punkte erfüllt, hält das Gericht fest.
Die FZAG habe den Entscheid des BVG zur Kenntnis genommen und prüfe aktuell den Entscheid sowie weitere Schritte, antwortet die Medienstelle auf Anfrage. Die weiteren Bauarbeiten würden sich aufgrund des Entscheids verzögern. Es kann also sein, dass die umgebaute Einkaufsmeile und die Foodhall nicht 2026 fertig sind.
Neues Dock A mit Tower

Eine riesige Konstruktion aus Holz, Glas und Solarpanels: In einigen Jahren soll der Flughafen Zürich ein neues Dock A erhalten. Der Ersatzneubau entsteht ein paar Meter nördlich des aktuellen Dock A, das fast vierzig Jahre alt ist. Somit kann das bisherige Dock während der Bauzeit betrieben werden, was bei gut hundert Abfertigungen pro Tag wichtig ist für den Flughafen. Ebenfalls zur Planung gehört ein neuer Tower für die Flugsicherung Skyguide. Dieser wächst direkt aus einem Dreieck empor, welches das Dock mit dem Airside-Center verbinden wird.
Bauzeit: voraussichtlich 2030 bis 2033
Kosten: rund 700 Millionen Franken (Schätzung)
Zwischenstand: Dieses Jahr wird mit der Projektierung begonnen. Vor gut einem Jahr hat die FZAG das Siegerprojekt aus einem Architekturwettbewerb mit vielen Einzelheiten zu den Plänen vorgestellt. Beispielsweise, dass die Transportfahrzeuge und Passagierbusse unter dem Dock A verkehren werden. Dadurch können Abläufe in der Logistik flexibler gestaltet werden, weil sich der Bodenverkehr und die Flugzeuge auf dem Rollfeld vor dem Dock nicht mehr in die Quere kommen.
Pistenverlängerungen

Die Piste 28 soll weiter nach Rümlang wachsen und die Piste 32 nach Norden. Gemäss der FZAG soll dies einen stabileren Flugbetrieb bei allen Wetterlagen sowie mehr Sicherheitsmarge ermöglichen. Durch die Verlängerung nach Westen muss die Glatt verlegt werden. Als Ausgleich sieht das Projekt vor, den Fluss gleichzeitig zu renaturieren. Der Ausbauplan ist umstritten, da ein gleichzeitiger Kapazitätsausbau und damit mehr Lärm für die Gemeinden um den Flughafen befürchtet wird.
Bauzeit: voraussichtlich 2028 bis 2034
Kosten: ca. 250 Millionen Franken
Zwischenstand: Die Pistenverlängerungen benötigen die Zustimmung aus der kantonalen Politik. Aktuell liegt das Anliegen beim Kantonsrat, der kürzlich mit der Debatte begonnen hat. Da sich diese jedoch bis zum Mittag jenes Sitzungstags hingezogen hat, findet die Abstimmung erst nach der Sommerpause statt. Gegen den Entscheid kann das Referendum ergriffen werden. Kommt dieses zustande, hat das Volk das letzte Wort.
Erst wenn das politische Verfahren abgeschlossen ist und ein – für den Flughafen – positives Resultat herauskommt, kann die Planung weitergehen.
Neue Gepäcksortieranlage

Neben dem Parkhaus P6 entsteht gerade eine erweiterte und erneuerte Gepäcksortieranlage (GSA). Die alte, 2001 fertiggestellte Anlage soll nicht mehr genügend Kapazität aufweisen, um die in der Zukunft erwarteten Koffermengen der steigenden Passagierzahlen zu bewältigen, begründete das Unternehmen das Projekt bei Baubeginn. Die Sortiermaschinen selbst werden teilweise erneuert, andere Teile sind komplett neu. Dazu gehören unter anderem neue Sicherheitskontrollgeräte, die aufgrund neuer Vorschriften der EU eingebaut werden. Ebenfalls erneuert werden die Transportsysteme unter der Rollbahn zu Dock E sowie die Anlagen in jenem Gebäude.
Bauzeit: 2017 bis voraussichtlich 2027
Kosten: ca. 400 Millionen Franken
Zwischenstand: Das Projekt ist bereits weit fortgeschritten. Der Gepäckverbundtunnel unter dem Flughafenkopf und das neue Hochhaus sind bereits in Betrieb. Ende 2024 soll dann die erneuerte und erweiterte GSA ihre Arbeit aufnehmen. Danach folgt die Ablösung der Verbindung zum Dock E und der Anlagen darin in mehreren Etappen. Die letzten Ausbauschritte würden in Abhängigkeit von der voraussichtlichen Passagierentwicklung bis circa 2027 erfolgen, schreibt der Flughafen auf seiner Website.
Zone West

Beim Heli-Grill, im Westen des Flughafengeländes, entstehen neue Standplätze. Zwei solche Flugzeugparkplätze und die Rollbahn dazu sind bereits gebaut, nun werden diese erweitert. Je nachdem, wie gross die Flieger sind, haben dann mehr oder weniger von ihnen dort Platz. Insgesamt könnten vierzehn Kurzstreckenflugzeuge (Code C) oder fünf Langstreckenflugzeuge (Code E) zusammen mit acht Code-C-Fliegern für eine Weile abgestellt werden. Die Erweiterung soll aufgrund des aktuellen und zunehmenden Bedarfs an Standplätzen realisiert werden, erklärt die FZAG auf ihrer Website.
In Zukunft kommt die Business Aviation hinzu. Diese wird vom bisherigen Standort verdrängt, wenn die Umrollung der Piste 28 entsteht (siehe Punkt 8). Da es sich um einen wachsenden Geschäftszweig handelt, braucht es zudem bald mehr Platz, den der alte Standort auf der anderen Seite des Flughafens nicht mehr bieten kann. Die neuen Bauten im Westen verdrängen allerdings ihrerseits den Spotterhügel und den Heli-Grill. Sie werden 300 Meter nach Norden verschoben, möglicherweise zur Freude der Flugzeugfans näher an das Pistenkreuz.
Bauzeit zweite Etappe Standplätze: März 2020 bis voraussichtlich Herbst 2024
Bauzeit Erweiterung und Ersatz Business Aviation: unbekannt
Kosten: unbekannt
Zwischenstand: Die erste Etappe ist bereits seit 2017 in Betrieb, aktuell wird am Ausbau gearbeitet. Dieser hätte eigentlich früher fertig werden sollen, doch die Corona-Pandemie hat eine zweijährige Pause notwendig gemacht. Das Plangenehmigungsverfahren für die Bauten der Business Aviation ist aktuell beim Bund sistiert, weil das Projekt noch Anpassungen aufgrund von veränderten Nutzungsbedürfnissen erfordert.
Aufwertung der Glatt

Der Flughafen ist von Gesetzes wegen verpflichtet, Bauprojekte in schützenswerten Lebensräumen an anderer Stelle zu kompensieren. Dem möchte das Unternehmen mit der Renaturierung der Glatt nachkommen. So sollen beispielsweise etwas über drei Kilometer zwischen Tolwäng und Fromatt bei Rümlang einen natürlicheren Verlauf erhalten. Ein weiterer Teil gehört zum Pistenverlängerungsprojekt (siehe Punkt 3). Wegen der 400 Meter längeren Piste zu Rümlang hin müsste die Glatt verschoben werden. Deshalb wurde die Renaturierung gleich mit eingeplant. Das Fernziel ist die Renaturierung des gesamten Flussverlaufs von Opfikon bis Oberglatt.
Bauzeit Tolwäng bis Fromatt: ca. drei Jahre (Baustart unbekannt)
Kosten Tolwäng bis Fromatt: ca. 38,5 Millionen Franken
Bauzeit weitere Abschnitte: unbekannt
Kosten weitere Abschnitte: unbekannt
Zwischenstand: Zurzeit ist noch kein Abschnitt der Glatt zwischen Opfikon und Oberglatt renaturiert worden. Für das südliche Teilstück zwischen Tolwäng und Fromatt liegt allerdings seit 2022 eine Bewilligung vom Bund vor. Der Abschnitt bei der Piste 28 ist aktuell vom politischen Prozess rund um die Pistenverlängerungen abhängig.
Sanierung Piste 28

Die Beleuchtung der Piste 28 wird die erste sein, die nicht mehr mit Halogentechnik, sondern mit umweltfreundlicheren LED ausgestattet ist. Dies gehört zur Sanierung der Piste. Sie erhält einen neuen Belag und ebenjene neue Elektrotechnik mit Trafostationen, Pisten- und Anflugbeleuchtung. Damit der Flugbetrieb nicht gestört wird, wird die Piste in rund siebzig bis achtzig nächtlichen Etappen saniert.
Bauzeit: 2019 bis voraussichtlich Ende 2023
Kosten: 87,8 Millionen Franken
Zwischenstand: Das Projekt ist bereits weit fortgeschritten. Der Belag ist bis im Oktober 2022 komplett saniert worden, die neuen Trafostationen wurden bereits 2019 gebaut. Bis Ende dieses Jahres laufen noch die Restarbeiten, dann wird das Projekt abgeschlossen.
Umrollung Piste 28

Wenn ein Flugzeug auf der Piste 16/34 startet oder landet und zum Dock E fährt oder von der Piste 14/32 zu den Docks A und B, muss es immer die Piste 10/28 überqueren. Dadurch unterbrechen die rollenden Flugzeuge die Starts und Landungen auf dieser Piste. Ansonsten könnte es zu gefährlichen Situationen oder gar Zusammenstössen kommen. Mit der Umrollung der Piste 28 käme das nicht mehr vor. Wie es der Name bereits sagt, würden die Flugzeuge die Piste dahinter umrollen. Diese Massnahme würde laut FZAG rund 100’000 Kreuzungen über die Piste 28 vermeiden. Das Projekt würde allerdings Teile der Business Aviation, der Fracht, der Panzerpiste und des Waffenplatzes Bülach-Kloten verdrängen. Die FZAG erarbeite zusammen mit den Betroffenen Lösungen, heisst es auf der Website. Ein Ersatz für die Business Aviation ist im Westen vorgesehen (siehe Punkt 5). Gleichzeitig sollen der Ruebisbach und der Himmelbach verlegt und renaturiert sowie das angrenzende Flachmoor aufgewertet werden.
Bauzeit: voraussichtlich bis 2028
Kosten: 315 Millionen Franken (Schätzung)
Zwischenstand: Das Projekt liegt seit 2019 zur Genehmigung beim Bund. Das Ende der Bauzeit ist in der Beschreibung mit 2028 angegeben. Ob dieses Datum eingehalten werden kann, ist nicht bekannt.
Sicherheitsscanner

Es handelt sich zwar nicht um ein Bauprojekt per se, aber doch um eine bauliche Massnahme. Die FZAG plant aktuell einen längst fälligen Test von Sicherheitsscannern mit Computertomografie. Diese erleichtern die Kontrolle des Handgepäcks deutlich, da Flüssigkeiten und elektronische Geräte nicht mehr in separate Plastiktabletts gelegt werden müssen. Die modernen Scanner können im Gegensatz zu den alten Röntgengeräten auch eine Cola von flüssigem Sprengstoff unterscheiden. In einigen Flughäfen Europas wurde deshalb sogar die 100-Milliliter-Regel abgeschafft.
In Genf sind solche Scanner bereits seit 2018 im Einsatz – aber mit 100-Milliliter-Regel. Deshalb stellt sich die Frage, weshalb es in Zürich noch keine gibt. In einer früheren Anfrage dieser Zeitung lautete die Antwort der Medienstelle: Wegen Corona und des grössten Unternehmensverlusts der Firmengeschichte seien alle «nicht zwingenden» Projekte zwischenzeitlich auf Eis gelegt worden.
Testphase: voraussichtlich ab Frühling 2024 (Dauer noch nicht bekannt)
Kosten: unbekannt
Zwischenstand: Die Planung des Projekts wurde dieses Jahr nach einem Unterbruch wegen der Pandemie und damit einhergehenden finanziellen Risiken wieder aufgenommen. Die ersten Geräte dürften testweise 2024 eingerichtet werden, aber nicht vor dem zweiten Quartal des Jahres. Wann die Scanner tatsächlich eingeführt werden, ist vom Test abhängig und deshalb noch nicht bekannt.
Mehrere Hunderttausend Franken pro Tag
Insgesamt sind am Flughafen Zürich Bauprojekte für rund zwei Milliarden Franken entweder geplant oder werden gerade gebaut. Und das sind nur jene Projekte, zu denen die Kosten bereits bekannt sind. Während der siebzehn Jahre vom Beginn des ersten oben beschriebenen Projekts bis zum voraussichtlichen Ende des letzten sind das rund 120 Millionen Franken pro Jahr oder über 320’000 Franken pro Tag.
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