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Pro & KontraSoll die Zuschauerzahl für Grossveranstaltungen drastisch beschränkt werden?

Der Zürcher Regierungsrat ist gegen weitere Beschränkungen der Besucherzahlen an Grossanlässen. Schweizweit gibt es einen Flickenteppich: Im Kanton Bern sind maximal 1000 Besucherinnen und Besucher zugelassen, ebenso in Basel, im Wallis gar keine mehr. Ist der Zürcher Weg der richtige?

Hockey vor leeren Rängen, vor 1000 Zuschauerinnen und Zuschauern – oder vor mehr? Das ist die Frage.
Hockey vor leeren Rängen, vor 1000 Zuschauerinnen und Zuschauern – oder vor mehr? Das ist die Frage.
Foto: Leo Wyden

Die Zahlen der Infizierten schiessen in die Höhe, die bestehenden Massnahmen reichen offenbar nicht aus, doch der Kanton Zürich führt keine Zuschauerbeschränkung für Grossveranstaltungen ein. Zugegeben: Aus mir spricht – oder vielmehr: schreibt – der Sportfan. Aber weshalb sollten Grossveranstaltungen verboten werden, wenn die eigens für diesen Fall erstellten Schutzkonzepte minutiös eingehalten werden?

Wir haben diese Woche über einen Match in Kloten berichtet und wie es dort zu- und hergeht. Die Disziplin ist hoch, die Masken werden getragen, und wenn nicht, wird eingegriffen. Zu einem Superspreading-Event kam es bisher in einem Hockeystadion nicht. Weshalb also sollten diese Matches vor leeren Rängen stattfinden?

Problematischer scheint mir die Situation vor und nach den Spielen – und in den Pausen. Die Fans strömen ins Stadion, rauchen in den Drittelspausen draussen, natürlich ohne Maske, und nach der Schlusssirene verlassen sie das Stadion zusammen. Gerade in Kloten wälzen sich die Menschenmassen durch die relativ engen Zugangsstrassen rund um den Schluefweg. Masken trägt da kaum jemand, obwohl sie ja vorhanden wären. Die Selbstverantwortung funktioniert einmal mehr nicht.

Genau hier wäre anzusetzen: Weshalb kein Maskenobligatorium rund ums Stadion? Oder generell in der Öffentlichkeit, wenn die Distanz zwischen den Einzelnen nicht mehr eingehalten werden kann? So hat man das ja auch in den Lebensmittelläden gelöst.

Die Pandemie kann kaum unterschätzt werden, das Virus ist in seiner Verbreitung extrem schnell, und es ist gefährlich. Es geht in der zweiten Welle aber auch darum, einen erneuten Lockdown zu vermeiden, Arbeitsplätze, ja ganze Branchen zu retten. Der Matchbesuch ist nur ein Bereich, doch letztlich geht es überall um dasselbe. Es bedarf gewisser Einschränkungen und vor allem grösster Vorsicht. Mittlerweile wissen wir das alle, und alle wissen, was zu tun ist. Die Zeit ist überreif, dass wir es auch machen, Notfalls auf Befehl von oben.

Ich bin sicher, dass das funktionieren kann. Nur pressiert es. Heisst: Wenn die Selbstverantwortung nicht schnell verbessert wird, fürchte ich, dass am Mittwoch der Bundesrat kommt und jene Begrenzungen vornimmt, gegen die sich der Kanton Zürich nun entschieden hat. Das wäre bedauerlich, denn wir wären selber schuld. Und treffen würde es wie immer auch die Falschen.

Seit einer Woche arbeitet unsere Redaktion wieder grösstenteils im Homeoffice und folgt damit den Empfehlungen des BAG. Gerechnet hatten viele in meinem Umfeld spätestens im August damit, hatte sich doch die besagte zweite Welle bereits vor Wochen deutlich abgezeichnet. Isoliert auf den Arbeitsplatz betrachtet, könnte man argumentieren, dass diese Massnahme über das Ziel hinausschiesst. In vielen Räumen könnten wir die Distanzen mit halber Belegschaft gut einhalten. Und wo das nicht geht, könnte man eine Maske tragen, wie es bei unserem Sitzungszimmer der Fall ist. Kritisch wird es eher ausserhalb des Büros: beim Rauchen, beim Essen, im öffentlichen Verkehr zur und von der Arbeit.

Zurück ins Homeoffice, wo es möglich ist, macht also durchaus Sinn: So können grössere Menschenansammlungen vermieden und das Risiko von Covid-19-Erkrankungen reduziert werden. Unsere menschlichen Kontakte, sowohl auf privater als auch beruflicher Ebene, sollen also auf ein Minimum beschränkt werden. Das schmerzt, ist aber ein wichtiger Beitrag, um die steigenden Fallzahlen wieder in den Griff zu bekommen. Und die haben in den letzten Tagen Höchstwerte erreicht.

Zugegeben, im Vergleich zu den anderen Kantonen ist die Situation in Zürich zwar noch nicht prekär. Aber: Das Contact-Tracing und die Testkapazität geraten an ihre Grenzen, und es fehlt an Personal für die Intensivstationen. Einen zweiten Lockdown will der Regierungsrat vermeiden. Deshalb werden auch neue Testzentren eingerichtet, Pflegepersonal ausgebildet, und Grossveranstaltungen sollen weiterhin stattfinden. Wie bitte?

Das Risikopotenzial eines Sportanlasses geht weit über das Geschehen im Stadion hinaus, und es hat sich gezeigt, dass die Maskenpflicht auch hier nicht immer sauber eingehalten wird. Die moderaten Anpassungen des Regierungsrats machen also nur wenig Sinn. Man spricht von einer «kontinuierlichen Politik» und die «konsequente Umsetzung der Massnahmen», plädiert auf Selbstverantwortung. Die Entwicklung der letzten Tage hat aber gezeigt, dass das nicht reicht. Nun will der Kanton erst mal abwarten, bis der Bund entscheidet. Aber können wir uns das wirklich leisten?

1 Kommentar
    Robert Riesen

    Soll es wirklich so sein das alle Veranstaltungen über 15 für die nächsten Jahre verboten Werden und das selbst ganz alleine im Wald eine Maskenpflicht gilt wen nützt das was?