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Geldblog: Anlagestrategie für JungeSollte man stark auf Aktien setzen?

Ein langer Anlagehorizont relativiert Kursschwankungen. Dennoch sind Diversifikation und Staffelung angezeigt.

Und was ist mit Rohstoffen oder Immobilien? Unterschiedliche Anlageklassen bereichern das Depot.
Und was ist mit Rohstoffen oder Immobilien? Unterschiedliche Anlageklassen bereichern das Depot.
Illustration: Christina Baeriswyl

Ich bin 33 Jahre alt und habe 250'000 Franken anspart. Ich habe 20'000 Franken in den Swisscanto Portfolio Fund I Focus (AA) und knapp 28'000 Franken auf der Säule 3a-App Frankly in die Strategie Extreme 95 Index investiert. Nun plane ich innerhalb der nächsten vier Monate pro Monat 20'000 Franken in einen MSCI World ETF und MSCI Emerging Markets-ETF zu investieren. Somit hätte ich dann rund die Hälfte meines Ersparten angelegt. Die übrigen 120'000 Franken lasse ich als Rückhalt auf meinem Sparkonto liegen. Was halten Sie von meiner Vorgehensweise? Leserfrage von C.S.

Aus meiner Sicht machen Sie vieles gut. Zunächst finde ich es sinnvoll, dass Sie als junger Mensch Ihr Geld nicht einfach auf dem Konto lassen, sondern es investieren und dabei stark auf Aktien setzen. Damit gehen Sie allerdings erhöhte Risiken ein und werden mit starken Kursschwankungen konfrontiert sein, da es an den Börsen nicht nur immer schön aufwärts geht, sondern auch erneut heftige Korrekturen folgen können. Da Sie einen langen Anlagehorizont von mehr als zehn Jahren haben, relativieren sich die starken Kursschwankungen, die man bei Aktien immer in Kauf nehmen muss. Aktien bieten auf lange Sicht die besten Renditechancen. Darum finde ich es gut, dass Sie bei Ihren Wertschriften die Aktien so stark gewichten.

Indem Sie rund die Hälfte des Ersparten auf dem Konto lassen, sind Sie nach unten gut abgesichert. Ihre Gesamtrisiken halten Sie meines Erachtens einigermassen in Grenzen. Gut finde ich auch, dass Sie die Säule 3a für das freiwillige Sparen fürs Alter nutzen und auch dieses Geld in Aktienfonds anlegen. Ich empfehle Ihnen, möglichst jedes Jahr den Maximalbetrag in die steuerbegünstigte Säule 3a einzuzahlen und das Geld immer gleich anzulegen. Allein schon die Steuerersparnis verhilft Ihnen zu einer ansehnlichen Rendite auf dem Geld. Zusätzlich stärken Sie Ihre Altersvorsorge.

Dank einer breiten Staffelung erreicht man in der Regel attraktive Durchschnittskurse.

Bei den Anlagen in die Exchange Traded Funds würde ich noch breiter diversifizieren. Der MSCI World gewichtet sehr stark die USA. Sie könnten beispielsweise zusätzlich einen ETF auf den europäischen EuroStoxx 50-Index und den SMI nutzen. Auch würde ich mir überlegen, ob Sie nicht auch noch einen ETF mit vollem Fokus auf den chinesischen Aktienmarkt wählen möchten. Mit dem ETF auf die Emerging Markets ist dieser wichtige Zukunftsmarkt nur teilweise abgedeckt.

Es ist gut, dass Sie nicht gleich den ganzen Anlagebetrag sofort anlegen, sondern die Anlagen staffeln. Ich würde sogar noch mehr staffeln. Dank einer breiten Staffelung der Anlagebeträge senken Sie Ihr Risiko, dass Sie zu einem schlechtest möglichen Zeitpunkt zu grosse Beträge an der Börse anlegen. Das richtige Timing für den Einstieg zu finden, ist extrem schwierig. Dank einer breiten Staffelung erreicht man in der Regel attraktive Durchschnittskurse.

Überprüfen würde ich auch den Umstand, dass Sie nur die Hälfte des Kapitals investieren. Damit sichern Sie sich zwar gegen zu hohe mögliche Buchverluste ab. Da Sie mir schreiben, dass Sie dank eines schönen Einkommens in der Lage sind, weiter kräftig zu sparen, würde ich wohl weitere Beträge in Fonds oder ETFs anlegen. Hier könnten Sie im Sinne der Diversifikation allenfalls auch andere Anlageklassen wie Obligationen, Rohstoffe oder Immobilien mitberücksichtigen. Diese bringen in der Regel zwar weniger Rendite als Aktien, sind aber meist auch weniger schwankungsanfällig. Dennoch erreichen Sie auch mit solchen Anlagen mehr Rendite, als wenn das Geld nur auf dem Konto liegt.

18 Kommentare
    Greg Casalis

    Und wie so oft, empfiehlt Herr Spieler wieder, ein Portfolio mit Anleihen zu diversifizieren. Mir scheint dies eher eine "Divorsification", denn bei steigenden Renditen generieren Obligationen Kursverluste. Und ob Investitionen in Rohstoffe statistisch betrachtet, sinnvoll sind, da verweise ich gerne auf Gerd Kommer...