Der Planet Laver-Cup erstrahlt in Genf

So gross wie sieben Fussballfelder: Die Palexpo-Hallen werden für das bisher grösste Schweizer Tennisfest gerüstet.

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«Das ist der Tunnel zum Planeten Laver-Cup», sagt Adrian Sonderegger, als wir den Eingangsbereich der Veranstaltung betreten. Dunkel ist es hier, aber edel, und an den Wänden begrüssen einen Grössen wie Rod Laver, Björn Borg, John McEnroe, Roger Federer oder Rafael Nadal. Sie werden kommende Woche alle auch hier zu den Hauptdarstellern gehören, in den Genfer Palexpo-Hallen.

Schwarz ist die prägende Farbe des Turniers – selbst die Tenniscourts sind schwarz. Oder besser: «Laver-Cup-schwarz». Die Farbe wurde entwickelt, um am Fernsehen ideale Effekte zu erzielen.

Sonderegger und sein Geschäftspartner Mike Hoffmann von der Zürcher Agentur Big Plus sind neben CEO Steve Zacks die wichtigsten Macher des von Roger Federer und Tony Godsick ins Leben gerufenen Dreitageturniers, dessen dritte Ausgabe am Freitag beginnt. In einer massgeschneiderten, gigantischen Anlage, für die der Begriff Planet nicht einmal übertrieben ist.

Auf 57 000 Quadratmetern – was sieben Fussballfeldern entspricht – entsteht hier der grösste Schauplatz, den es im Schweizer Tennis je gegeben hat, alles überdacht. Fast nochmals so viel Platz steht für die nicht öffentlichen Bereiche («Back of House») zur Verfügung. Seit Ende August wird gebaut, herrscht in den Palexpo-Hallen 1 bis 6 die Betriebsamkeit eines Ameisenhaufens.

In der fremden Welt angekommen, rückt dem Besucher bald der Glaskasten mit dem Trainingsplatz ins Auge. Dieser hat es in sich: Jeder kann hier ab Donnerstag die Stars beim Aufwärmen oder Trainieren beobachten, zu diesem Zweck entsteht auch extra eine Tribüne. Wer will, kann hineingehen und ist dann von den Spielern hinter der Grundlinie nur durch ein Netz getrennt.

In der Nacht auf den Freitag ist nun auch das Herzstück verlegt worden, der Centre-Court-Belag. Dabei handelt es sich um einen «gefederten Schwingboden aus Holzplatten» (so Sonderegger), der auf einer Schaumstoffschicht liegt und dadurch die Schläge auf die Körper der Spieler optimal absorbieren soll. Er gilt als mittelschnell.

Ein Jahr Planung für das temporäre Stadion

Der heimliche Star der Veranstaltung aber ist die Tribünenkonstruktion. Sie fasst 17 056 Zuschauer und ist ein dreidimensionales Unikat, für dessen Planung die Organisatoren zusammen mit dem Thurgauer Tribünen-Spezialisten Nüssli beinahe ein Jahr benötigten. «Im Gegensatz zu Prag und Chicago mieten wir in Genf eben keine fertige Arena, sondern kreieren selber eine», sagt der New Yorker Steve Zacks, der CEO des Laver-Cups. «Für die Fans wird es am Ende zwar fast gleich aussehen, aber der Entstehungsprozess ist völlig anders.»

Der Grossteil der Tribünen befindet sich in der Palexpo-Halle 4. «Wir bauten sie ziemlich steil, damit auch die obersten Plätze eine gute Sicht aufs Feld haben», erklärt Sonderegger. Auf der Ostseite kommen die oberen Ränge bereits in Halle 2 zu liegen. Hier entstehen auch einige der exklusivsten Zuschauerplätze: die an Balkone erinnernden zehn Skyboxes. Jede fasst zwölf Personen und ist durch einen separaten Gang verbunden mit einer privaten Lounge, in der sich die Gäste kulinarisch verwöhnen lassen können.

Wie viel diese Extravaganz kostet, wird nicht publiziert; Interessenten müssen anfragen (am Freitag sind noch nicht alle verkauft). Ein Schnäppchen sind sie sicher nicht, wo schon die teuersten Einzeltickets inklusive Hospitality für alle fünf Sessionen im fünfstelligen Bereich liegen. Noch exklusiver sind nur die beiden Lounges mit den Sofas direkt hinter dem Schiedsrichter. Diese sind den beiden Teams vorbehalten, Björn Borgs «Europa» und John McEnroes «Rest der Welt».

Das Tunnelsystem unter den Tribünen erinnert an einen Mäusebau. Es wurde so konzipiert, dass die Spieler ihren eigenen Zugang haben, kleinere Fahrzeuge noch ins Stadion hineinkommen und dass Serviceleute und Zuschauer mit unterschiedlichen Kategorien und Privilegien getrennt bleiben. Auch technisch ist der temporäre Centre Court auf dem neusten Stand, mit LED-Beleuchtung und -Banden sowie einer ausgeklügelten Lichtshow.

Einblick in das Budget geben die Veranstalter nicht. Tony Godsick sagte im Februar nur, dass dieses höher sei als die bis zu 20 Millionen Franken, mit denen die Basler Swiss Indoors operieren. Das Leben auf dem Planeten Laver-Cup ist nobel, hat aber auch seinen Preis. Die vereinzelten Plätze, die über Ticketcorner gestern noch erhältlich waren, lagen alle im vierstelligen Franken-Bereich.

«Der Laver-Cup ist kein billiges Unternehmen», sagt Steve Zacks. «Unser Ziel ist, dass er lange existieren wird. Im Fokus liegt deshalb das Bestreben, den Zuschauern ein einmaliges Erlebnis zu bieten, nicht schlechthin der Gewinn.» Zwar gäbe es tatsächlich einige teure Tickets, «aber es hat für alle etwas. Die billigsten Einzeltickets gingen für 25 Franken weg, und die Hälfte der Plätze kosten 125 Franken oder weniger pro Session.»

Dass die günstigeren Tickets im Vorverkauf praktisch innert Sekunden weg waren, habe auch mit den Besonderheiten des Turniers zu tun: Im Gegensatz zu anderen Tennisanlässen würden sich sehr viele Zuschauer für Dauerkarten entscheiden, weil sie die Veranstaltung als eine grosse Geschichte anschauten, sagt Zacks. «Das limitiert die Zahl jener, die kommen können.»

Auch ohne teure Tickets gibt es einiges zu sehen

Im Bestreben, mehr Zuschauer am Ereignis teilnehmen zu lassen, wurde der «Practice Day» geschaffen. Am Donnerstagnachmittag kann Federer und anderen Cracks für 20 Franken beim Training zugeschaut werden, wobei der Erlös dem Genfer Unispital zugute kommt. Und für die Matchtage werden zusätzlich Tickets zu 15 Franken verkauft, die Zugang in die mit 25 000 Quadratmetern bisher grösste Fanzone dieses Turniers gewähren. Hier kann man Laver-Cup-Atmosphäre schnuppern und Trainings verfolgen; die zwölf Matches werden auf einer Grossleinwand (mit Minitribüne) übertragen; den Jubel hört man live aus dem Stadion. «Wir laden die Leute ein, zu kommen, auch jene, die kein Ticket für das Stadion haben», sagt Sonderegger, «auch ihnen wird einiges geboten.»

Wer sich Tickets der «Lower Bowl» leistet, dem stehen zusätzliche Hospitality-Räume zur Verfügung, die teilweise an Fünfstern-Etablissements erinnern. Da gibt es den Legends Club, den Laver Club, den Rocket Club und den 200er-Club, von wo aus man direkte Sicht auf den Trainingscourt hat. Rocket ist Rod Lavers Spitzname, und 200 ist die Zahl all seiner Turniersiege.

Gemäss Mike Hoffmann laufen die Vorbereitungen gut, «wir sind voll im Zeitplan». Er und Sonderegger gehörten schon bei den zwei ersten Austragungen, in Prag und Chicago, zur Geschäftsleitung und sind inzwischen nicht mehr rasch zu beeindrucken. Eine noch grössere Kiste organisieren sie am 7. Februar in Kapstadt, wo die 48 000 Tickets für den Match for Africa zwischen Federer und Nadal ausverkauft sind.

«Unser Ziel war es, die Infrastruktur der Palexpo-Hallen optimal zu integrieren und nur dort durch temporäre Bauten zu ergänzen, wo wir sie brauchen», sagt Sonderegger. Insgesamt 18 Monate betrug die Vorlaufzeit für die Planung und Umsetzung. 18 Monate für drei Tage – dann zieht der Planet schon wieder weiter. Wohin, wird nächsten Sonntag bekannt. 2020 hat wieder das Team von McEnroe Heimvorteil.



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Erstellt: 15.09.2019, 15:02 Uhr

3. Laver-Cup: Europa erneut favorisiert

In Prag 2017 und Chicago 2018 gewann Europa die ersten Austragungen des Laver-Cups, und auch in Genf ist Björn Borgs Team nächste Woche favorisiert. Nadal, Federer, Thiem, Zverev, Tsitsipas und Fognini sind alle zwischen den Rängen 2 und 11 klassiert und damit besser als John Isner, der als Nummer 20 den Rest der Welt anführt. Zu McEnroes Team gehören zudem die Kanadier Raonic und Shapovalov, die Amerikaner Fritz (ersetzt den verletzten Anderson) und Sock sowie der Australier Kyrgios. Gespielt werden fünf Sessionen mit total neun Einzeln und drei Doppeln. Am Freitag geben Siege einen Punkt, am Samstag zwei und am Sonntag drei, wodurch die Spannung erhalten bleiben soll. Der Anlass wird inzwischen von der ATP sanktioniert, wobei keine Weltranglistenpunkte vergeben werden. In der Schweiz überträgt der Sender TV24 live. (rst)

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