Die zwei ungewöhnlichen Helden von Liverpool

Divock Origi und Georginio Wijnaldum waren in dieser Saison keine Hauptdarsteller bei den Reds. Gegen Barcelona trumpften sie auf.

Die Highlights des Spiels: Liverpool schafft das Wunder. Video: Teleclub

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Nach dem Abpfiff in Liverpool spazierte Mohamed Salah lächelnd über den Rasen des Anfield Stadiums. 50’000 sangen «You’ll never walk alone», die Clubhymne. Salah trug ein T-Shirt, auf dem stand: «Never give up». Nie aufgeben, eine Botschaft an seine Kollegen. Denn Salah selbst konnte nicht mitwirken beim Wunder, er fehlte verletzt. Genauso wie Sturmpartner Roberto Firmino.

Der FC Liverpool hat in dieser Saison 41 Wettbewerbsspiele absolviert, 112 Tore hat er dabei erzielt. 26 davon gehen auf das Konto von Salah, 16 auf jenes von Firmino und 20 hat der Dritte im Bunde, Sadio Mané, erzielt. Und im Champions-League-Halbfinal? Da konnte Trainer Jürgen Klopp nur auf einen des berüchtigten Dreizacks zählen, auf den Senegalesen Mané.

Doch diese Nacht von Liverpool war auch die Nacht von neuen Helden in rot. Divock Origi schoss zwei Tore, Georginio Wijnaldum nach seiner Einwechslung ebenfalls. «Sehr sauer» sei er gewesen, darüber, dass er nicht von Anfang an gespielt hat, erklärte der Holländer Wijnaldum nach dem Spiel. Vielleicht war es diese Wut, die ihn zu einer seiner besten Leistungen im Liverpool-Trikot antrieb.

Georginio WijnaldumDer Arbeiter trifft doppelt

Wijnaldum ist ein Mittelfeldspieler aus Holland mit Wurzeln in Suriname. Er ist 28, nicht gerade im Herbst seiner Karriere, aber auch kein talentierter Jungspund mehr. Es ist auch nicht so, dass Wijnaldum erst am Dienstagabend die grosse Bühne betrat, schliesslich absolvierte er in seiner Karriere über 500 Spiele, 137 davon für Liverpool, und auch 55 für das holländische Nationalteam.

Im System von Klopp spielt der Mann aus Rotterdam eine leicht defensivere Rolle als bei seinen vorherigen Arbeitgebern Feyenoord, Eindhoven und Newcastle. Verhälntnismässig hat er bei Liverpool auch die wenigsten Tore erzielt. Denn in der Offensive machen andere die Musik, Wijnaldum schaltet sich zwar oft in den Angriff ein. Er ist aber auch ein kräftiger und zuverlässiger Arbeiter in der Zentrale mit Jordan Henderson und James Milner.

Am Dienstag wird Wijnaldum dann aber erst von Trent Alexander-Arnold und später von Xherdan Shaqiri so glänzend angespielt, dass er seinen ersten Doppelpack für die Reds erzielt, es sind seine Tore 12 und 13 für den Club, für den er nun seit bald drei Jahren spielt.

Divock OrigiDer Matchwinner von der Bank

Seine Tore 26 und 27 für die Reds erzielt Divock Origi. Für ihn gilt wohl Ähnliches wie für Wijnaldum. Hätte man ihm vor der Saison gesagt, dass er bei einem 4:0 gegen Barcelona im Champions-League-Halbfinal eine derart wichtige Rolle spielt, hätte er es selbst kaum geglaubt. Denn Origi ist ein klassischer Back-Up, ein Mann, den Klopp gerne in die Schlacht wirft, wenn es am Schluss eng wird. Das unterscheidet ihn von Wijnaldum, der in Liverpool zum Stamm gehört.

Am Dienstag darf Origi, der in dieser Saison erst zweimal über die gesamten 90 Minuten spielte, von Beginn weg ran. Zum ersten Mal seit Anfang März. Klopp muss diese Änderung vornehmen, weil Sturmspitze Firmino fehlt. Die Entscheidung für Origi zahlt sich bereits früh aus, als Mané nach einem Fehler der Barça-Abwehr am schnellsten schaltet. Über Umwege kommt der Ball zu Origi, es ist sein allererstes Champions-League-Tor.

Origi ist ein Belgier kenianischer Abstammung. Erste Wahl war er selten, nicht bei Lille und nicht bei Wolfsburg, wohin er vergangene Saison ausgeliehen wurde. In Belgien stehen ihm Spieler wie Romelu Lukaku und Dries Mertens vor der Sonne, in Liverpool eines der besten Offensiv-Trios Europas. Sein Marktwert wird auf zehn Millionen Euro geschätzt, 19 Liverpooler haben einen höheren.

Nun hat der 24-Jährige die Geschichte dieser Champions-League-Saison mitgeschrieben. In der zweiten Halbzeit profitiert er von einem Aussetzer der Spanier, Alexander-Arnold führt einen Eckball blitzschnell aus und findet den Belgier, der für die Entscheidung sorgt.

Helden sind sie alle

Origi und Wijnaldum, die neuen Helden Liverpools? Es sind zumindest diese zwei Namen, die auf dem Scoresheet zu lesen sind. Sie stehen da aber nur stellvertretend. Man könnte gleichen Artikel über Jürgen Klopp verfassen, der sein Team perfekt einstellte. Über Trent Alexander-Arnold, den 20-jährigen Aussenverteidiger mit dem Geniestreich beim 4:0. Über Sadio Mané, der mit seinem Ballgewinn vor dem 1:0 alles einleitete. Über Alisson, den Goalie, alles hielt, was es zu halten gab. Über Joel Matip, der gegen Lionel Messi in der ersten Halbzeit den sicheren Ausgleich verhinderte. Über Jordan Henderson, der dieses Team anführte. Über James Milner, der sich für keinen Meter zu schade war. Und so weiter. Liverpool, eine Mannschaft voller Helden. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 08.05.2019, 10:01 Uhr

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