«Wenn etwas wehtut, tut es länger weh»

Roger Federer sprach nach über zweimonatiger Pause übers Älterwerden, über seine Rolle, seine Zukunft und unfaire Kritik.

«Die Fans sollen möglichst den besten Roger Federer sehen», die Weltnummer 2 äussert sich zu seiner French-Open-Absage.

«Die Fans sollen möglichst den besten Roger Federer sehen», die Weltnummer 2 äussert sich zu seiner French-Open-Absage. Bild: Sebastian Gollnow/Keystone

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Als Vorbereitung auf den heutigen Match gegen Mischa Zverev (ab ca. 15 Uhr bei uns im Liveticker) trainierte Roger Federer in Stuttgart mit dem Bel­gier Ruben Bemelmans. Anschliessend empfing er Schweizer Medienvertreter und erklärte, was ihn derzeit bewegt.

Sein operiertes Knie: «Es wäre übertrieben, zu sagen, ich hätte Angst, auf Sand zu spielen. Ich kann nicht einmal ­sagen, ob das Knie schlecht reagieren würde. Seit meiner Rückkehr auf die Tour Anfang 2017 habe ich nie mehr Knieprobleme gehabt. Daher bin ich überzeugt, dass das Knie auch auf Sand halten würde.»

Die Folgen des Älterwerdens: «Drei Wochen am Stück zu spielen, ist heute wahrscheinlich zu viel für mich. Ich musste früher lachen, wenn Andre Agassi nie mehr als zwei Turniere hintereinander spielte. Der grösste Unterschied zu früher ist: Wenn du mal ein Problem hast, dann behindert es dich länger. Wenn etwas wehtut, tut es länger weh. Hatte ich früher Rückenprobleme, fühlte ich mich schon am nächsten Tag 50 Prozent besser. Innerhalb zweier Tage war ich schon fast wieder bei 100 Prozent. Heute kann es sein, dass sich die Beschwerden über eine Woche lang bemerkbar machen.»

Seine Turnierplanung: «Im Normalfall werde ich immer vorausplanen. Was ich nicht will: sagen, ich spiele ein Turnier, und dann später absagen. So verarscht man die Zuschauer. Ich bin bekannt dafür, dass ich komme und mein Bestes gebe, wenn ich mich für ein Turnier ­eingeschrieben habe. Ich möchte, dass dies mein Image ist. Das Turnier und die Fans sollen Sicherheit haben. Die Veranstalter geben viel Geld für die Promotion, die Zuschauer für die Anreise und die Hotelzimmer aus, zum Teil weit im Voraus.»

Kritik für den French-Open-Verzicht: «Wir haben Meinungsfreiheit. Ich bin aber nicht einverstanden, wenn gesagt wird, ich könne kommen und einfach ein wenig spielen. Ich habe höhere Ansprüche. Die Fans sollen möglichst den besten Roger Federer sehen. Sonst denken sie: ‹Schön ist er da›, und dann werde ich nieder­gemetzelt. Das kann nicht das Ziel sein. Ich bin gut, aber auch ich brauche Vorbereitung, damit ich mithalten kann. Und die Leute vergessen manchmal, dass ich vier Kinder habe, dass bei mir viel los ist. Ich habe 17 Jahre lang von ­Januar bis November die volle Tour ­bestritten. Mit der Knieverletzung ist bei mir der Groschen gefallen, ich merkte: Auch ich muss besser aufpassen, wenn ich noch länger spielen will. Ich verstehe den Frust gewisser Leute. Gleichzeitig finde ich, die Tourverantwortlichen müssten mich manchmal schützen und kommunizieren: ‹Sorry, Roger darf ­etwas freier entscheiden. Wenn er noch länger dabei ist, ist es besser fürs ­Tennis.› Ich habe viel für den Tennissport getan, zum Teil auch für Turniere, deren Vertreter mich nun angegriffen haben. Einige Turnierdirektoren sind etwas weit gegangen, aber letztlich ist es mir egal. Am Schluss weiss ich, dass ich es richtig mache. Ich denke, die Leute verstehen mich.»

Die Zeit nach der Karriere: «Ich habe immer probiert, mir so wenig wie möglich zu verbauen. Am wichtigsten ist für mich, dass ich für meine Kinder Zeit habe, dass ich flexibel sein werde. Jetzt etwas aufzubauen und dann nach der Karriere direkt einzusteigen, das will ich nicht unbedingt. Ich möchte inspiriert spielen und nicht riskieren, dass mich die Zukunftspläne vom Tennis wegsaugen. Aber es ist klar: Wenn du Verträge über fünf oder zehn Jahre unterschreibst, weisst du: Es wird auch für später sein. Ich sehe mich auch nach dem Karriereende als Botschafter für verschiedene Unternehmen. Den Rest probiere ich sehr offen zu gestalten. Das ist ein Schutz für mich und meine Familie.» (zuonline.ch)

Erstellt: 13.06.2018, 11:02 Uhr

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