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Die Nummern 8 und 18 vor Augen

In beeindruckendem Stil ist Roger Federer in seinen zehnten Wimbledon-Final eingezogen. Der siebenfache Turniersieger liess im Halbfinal Andy Murray kaum eine Chance.

Wie stark Roger Federer gegen Andy Murray spielte, merkte er selbst nach dem Match, als ihm auf dem Weg in die Kabine alle applaudiert hätten.
Wie stark Roger Federer gegen Andy Murray spielte, merkte er selbst nach dem Match, als ihm auf dem Weg in die Kabine alle applaudiert hätten.
Keystone

Der BBC-Experte Andy Roddick hatte bereits vor dem Halbfinal gegen Murray den Schweizer als «König von Wimbledon» betitelt. Auf dem Platz rechtfertigte der bald 34-jährige Baselbieter danach die Einschätzung des Amerikaners, der Federer dreimal in einem Wimbledon-Final unterlegen war. Der 17-fache Majorsieger zeigte auf dem ausverkauften Centre Court des All England Lawn Tennis and Croquet Club eine beeindruckende Leistung, die ihm wohl trotz der guten Auftritte in den letzten zehn Tagen nicht viele zugetraut hatten. Er siegte 7:5, 7:5, 6:4. Wie stark er spielte, merkte er nach der Partie, als ihm auf dem Weg in die Kabine die Menschen alle applaudiert hätten. Dies sei nicht oft der Fall gewesen.

Brillant im Service

Die Basis zum Erfolg legte Federer einmal mehr mit seinem Service. Nachdem er gleich im ersten Game der Partie einen Breakball gegen sich hatte, den er mit einem Aufschlagwinner abwehrte, kam er in der Folge bei eigenem Service nie mehr in Bedrängnis. Und dies notabene gegen Murray, den neben Novak Djokovic besten Returnspieler der Welt. 76 Prozent der ersten Aufschläge Federers, nach denen der Schweizer 84 Prozent der Punkte verbuchte, landeten im Feld, insgesamt schlug er 20 Asse.

«Es war frustrierend, er hat fantastisch aufgeschlagen», sagte Murray, der jeden dritten Aufschlag nicht retournieren konnte. Dank seinem Service kon­trol­lier­te Federer das dritte Duell in Wim­bledon gegen Murray, nachdem sich die beiden 2012 innerhalb von vier Wochen im Wimbledon- und Olympiafinal auf diesem Rasen ge­gen­übergestanden waren. Das Majorturnier hatte Federer damals gewonnen, Olympiagold dagegen ging an den Briten.

Auch wenn er bis Mitte des zweiten Satzes von der Grundlinie der schwächere Spieler war, setzte Federer dank seinen souveränen Servicegames Murray je länger, desto mehr unter Druck. Beim Stand von 6:5 kam der Schweizer zu seinen ersten Chancen beim Aufschlag des Schotten, die zweite Gelegenheit nutzte er resolut zur Satzführung.

Das fast endlose Game

Wesentlich dramatischer verlief das Ende des zweiten Durchgangs. Nachdem Federer früh eine Breakchance nicht genutzt hatte, avancierte das zehnte Game beim Stand von 4:5 aus Sicht Murrays zum grossen Spektakel. Eine knappe Viertelstunde lang wogte das Game hin und her, wobei Murray immer wieder versuchte, die Stimmung im Publikum, das frenetisch mitging, aufzuheizen. Der Schotte wehrte fünf Satzbälle des Schweizers ab, drei davon in Serie, und verwertete seinerseits den fünften Spielball zum 5:5. Trotz der verpassten Chancen blieb Federer cool.

Er brachte sein nächstes Aufschlagspiel zu null durch und nutzte wenig später seinen sechsten Satzball bei Aufschlag Murray zur 2:0-Satzführung. Ein ähnliches Bild präsentierte sich auch im dritten Durchgang, als Federer bei 5:4 aufs Tempo drückte und unter anderen dank einem brillant aus dem Handgelenk geschlagenen Passierball zu seinem ersten Matchball kam, den er nach einem Fehler Murrays gleich verwertete. Obwohl er in drei Sätzen gewonnen habe, sei die Partie aber eng gewesen, sagte Federer.

Neuauflage von 2014

Im Final kommt es nun zur Neuauflage des letztjährigen Finals, als Federer Novak Djokovic in fünf Sätzen unterlegen war. Der Weltranglistenerste aus Serbien setzte sich gegen Stan Wawrinkas Bezwinger Richard Gasquet 7:6 (7:2), 6:4, 6:4 durch. Bei strahlendem Sonnenschein schaffte es der in Neuenburg wohnhafte Franzose nur im ersten Satz, Djokovic zu fordern.

Der Serbe zog mit seinem 51. Einzelsieg in Wimbledon mit Björn Borg, der in der Royal Box Platz genommen hatte, gleich und erreichte in seinem 27. Grand-Slam-Halbfinal seinen 17. Final.

«Er ist der beste Spieler der letzten Jahre», sagte Federer, der 20 von 39 Duellen gewann. Klar ist, dass Federer in seiner derzeitigen Verfassung nicht als Aussenseiter in den Final steigen wird. Er peilt seinen 18. Triumph an einem Majorturnier an. Und mit einem achten Titel in Wimbledon könnte er William Renshaw und Pete Sampras überflügeln und damit zum alleinigen Rekordsieger avancieren. «Es spielt keine Rolle, ob es mein erster oder achter Titel wäre. Wichtig ist, dass ich die Möglichkeit habe, den Wim­bledon-Titel zu gewinnen.»

SI

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