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Eine doppelte Portion Wimbledon-Grashalme

Zwei Jahre befindet er sich in einer Krise, dann feiert Novak Djokovic ausgerechnet in Wimbledon seinen 13. Grand-Slam-Triumph.

Kuss für den Pokal: Novak Djokovic hält erstmals seit zwei Jahren wieder eine Grand-Slam-Trophäe in den Händen.
Kuss für den Pokal: Novak Djokovic hält erstmals seit zwei Jahren wieder eine Grand-Slam-Trophäe in den Händen.
AP Photo/Kirsty Wigglesworth
Erlösender Schrei: Nach einem umkämpften dritten Satz holt sich Djokovic den Sieg.
Erlösender Schrei: Nach einem umkämpften dritten Satz holt sich Djokovic den Sieg.
AP Photo/Tim Ireland
Streckt sich vergebens: Djokovic findet immer wieder einen Weg am Südafrikaner vorbei.
Streckt sich vergebens: Djokovic findet immer wieder einen Weg am Südafrikaner vorbei.
AP Photo/Ben Curtis
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Es war 16:29 Uhr an diesem strahlend schönen Sonntag in London, als Novak Djokovic erlöst in die Knie sank und sich sein Lieblingsmenü genehmigte: einige Wimbledon-Grashalme. «Ich gönnte mir eine doppelte Portion», scherzte er.

Gras essen mit Novak Djokovic. Bild: Getty Images
Gras essen mit Novak Djokovic. Bild: Getty Images

Der 31-jährige Serbe gewann den ­Final gegen den Südafrikaner ­Kevin Anderson in 2:19 Stunden 6:2, 6:2, 7:6 (7:3), nachdem er am Freitag und Samstag in fünfeinviertel Stunden Rafael Nadal niedergerungen hatte.

Den Moment für immer im Herzen

«Die letzten zwei Jahre waren nicht leicht. Ich wusste nicht, ob ich noch einmal fähig sein würde, um so grosse Titel zu kämpfen», sagte er an der Siegerehrung. Diese wurde auch von seinem bald vierjährigen Sohn Stefan verfolgt, was den Tag für den zweifachen Vater besonders speziell machte.

«Das war für mich vielleicht die grösste Motivation für dieses Turnier: Ich hatte mir vorgestellt, wie ich mit ihm und meiner Frau den Sieg erleben würde. Dieser Moment wird mir für immer im Herzen bleiben.» Weil sein Sohn noch nicht fünf ist, durfte er nur die Siegerehrung live verfolgen – wie vor einem Jahr Federers Söhne.

Prämien für den Chirurgen?

Djokovic glückte mit dem vierten Wimbledonsieg nach 2011, 2014 und 2015 ein spektakuläres Comeback in den Zirkel der Champions, dank dem er vom 21. auf den 10. Rang vorstösst. Er hatte 2017 wegen einer Ellbogenverletzung sechs Monate pausiert, doch sein Arm schmerzte Anfang Jahr in Australien immer noch, weshalb er sich im Februar in ­Basel operieren liess. Ein Journalist schlug ihm vor, seinem Chirurgen, der den Final vor Ort verfolgte, die Hälfte des Preisgelds zu geben, was Djokovic doch etwas übertrieben fand.

«Der Sieg gegen Nadal gibt meinem Selbstvertrauen einen Schub, auch langfristig.»

Novak Djokovic

Sein Tief begann auf dem ­Höhepunkt, nachdem er 2016 in Paris seinen vierten Grand-Slam-Titel in Folge und den ersten am French Open gewonnen hatte. Er wirkte danach orientierungslos, ziellos, unglücklich, verloren. Seine Krise akzentuierte sich 2018 nach der Operation gar. In Indian Wells und Miami blieb er sieglos, und nach einer Viertel­finalniederlage gegen Marco Cecchinato in ­Paris erwog er, auf die Rasensaison zu verzichten.

«Ich war zu ungeduldig. Es war eine harte Lektion», gibt er zu. Er habe Zeiten der Frustration, der Zweifel, der Angst hinter sich, «aber da musste ich durch. Und diese Phase half mir, mich besser kennen zu lernen.»

Das Ende der Experimente

Dass er seinen ersten Turniersieg seit über einem Jahr ausgerechnet in Wimbledon feiern würde, kam doch nicht völlig über­raschend. Die Rückkehr in sein altes Umfeld mit Coach Marian Vajda nach dem gescheiterten Experiment mit Andre Agassi und Radek Stepanek brachte ihn sofort vorwärts. Schon beim Vorbereitungsturnier im Queen’s Club, wo er den Final erreichte, zeigte sich Djokovic in starker Form. Seit gestern steht fest, dass er die Zusammenarbeit mit Vajda fortsetzen wird.

«Der Halbfinal gegen Nadal war für mich der grosse Test, um zu sehen, ob ich mich noch durchsetzen kann», erklärte der nun 13-fache Grand-Slam-Sieger. «Dieser Sieg gibt meinem Selbstvertrauen einen riesigen Schub, kurz- und langfristig. Gegen Anderson spielte ich in den ersten zwei Sätzen so gut wie lange nicht mehr.»

Nachdem er für die Fünfsatzsiege gegen Federer und Isner über zehn Stunden benötigt ­hatte, fehlte Anderson, der mit Rang 5 eine Bestmarke erreicht, die Frische. «Mein Körper fühlte sich nicht gut an, und anfangs war ich nervös», sagte der 32-Jährige. «Erst im dritten Satz spielte ich so, wie ich es mir gewünscht hatte.» Er vergab aber fünf Satzbälle, die der Partie eine Wende hätten geben können.

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