Zürich

Was ist nur mit den Torschützen los?

Der Stanley-Cup-Champion hat es, der Schweizer Meister ZSC Lions hat es – und auch der SC Bern: das Problem mit dem Toreschies­sen. Ein Blick durch die Ligen von Los Angeles bis Basel.

Der geherzte Genfer Torschütze in der Verlängerung: Alexandre Picard und ein Teil der gesunden Genfer Spieler.

Der geherzte Genfer Torschütze in der Verlängerung: Alexandre Picard und ein Teil der gesunden Genfer Spieler. Bild: Keystone

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Es scheint, als ob die den ZSC Lions nahestehenden Beobachter die Geduld und das Vertrauen in die Stärken ihres Teams so langsam verlieren. Dass von bisher zehn Playoff-Partien fünf verloren gingen, ist tatsächlich keine gute Bilanz. Aber das ist nur eine Momentaufnahme, die war letztes Jahr zu diesem Zeitpunkt der Playoffs kaum besser. Sonst hätten die Zürcher gegen Lau­sanne und Genf nicht je sieben Partien benötigt, um die Finalserie gegen die Kloten Flyers zu erreichen.

Was aber definitiv stimmt: Die Zürcher bringen die Pucks weniger oft im gegnerischen Tor unter als auch schon. Und wenn der gegnerische Goalie nicht mithilft, dann bleibts bei einem wie zuletzt in Spiel 3 gegen Genf. Ryan Keller, der vor einem Jahr in der Serie gegen seinen früheren Klub sieben Tore erzielte, war bisher einmal erfolgreich. Er kann noch ­immer auf sieben Einschüsse kommen, seine bisherigen Vorstellungen lassen das aber nicht als wahrscheinlich erscheinen.

«Hätte Tor auch mit geschlossenen Augen erzielt»

Spiel 3 des Zürcher Halbfinals gegen die Genfer verlief gar nicht nach Programm, deshalb sind die Zürcher vor dem wichtigen vierten Spiel heute in Genf mehr als sonst in Rücklage. Denn sie waren als Team besser als Ser­vette, verloren aber 1:2. Die Niederlage in der zweiten Partie war mit den Goalie-Aussetzern erklärbar gewesen.

Alexandre Picard, der Torschütze des Siegtreffers am späten Samstagabend, hat vielleicht eine Erklärung für die Zürcher Pro­bleme in der Zone des Gegners. «Mein Tor zum 2:1 hätte ich auch mit geschlossenen Augen erzielt», sagte er. Aber sie nähmen es als Lohn für das, was man als «Ener­gie­­­­­ der Verzweiflung» bezeichne. Diese unbedingte Entschlossenheit kann einem ­Team abgehen, das eine krasse Feld­über­legenheit ausspielt und denkt, dass dann irgendwann der Puck schon ins Tor gehe.

Der Mann, der das Gegenteil vorlebt, spielt beim Gegner: Matt D’Agostini erzielte in bisher neun Playoff-Partien sieben Tore.

Beim SC Bern, für den heute Abend die Saison zu Ende gehen könnte, kultivierten sie in den Viertelfinals gegen Lausanne die Spiele mit den knappen Ausgängen und den wenigen Toren. Aber gegen Davos zeigte sich plötzlich, dass wenige Tore halt doch zu ­wenig sein können.

Retter Richards

Stanley-Cup-Sieger Los Angeles spielt noch nicht in den Playoffs, aber dem Titelverteidiger fehlen die Tore so sehr, dass ihm das Verpassen der Spiele um den Titel droht. Nach drei Niederlagen in den letzten vier Partien mit nur gerade fünf erzielten Treffern rutschten die Kings aus den Plätzen an der Sonne. Hilfe leisten soll der Mann, den sie vor zwei Monaten in die AHL degradierten. Mike Richards, mit einem Kontrakt bis 2020 ausgestattet, der ihm jährlich 5,75 Millionen Dollar einbringt, wurde zurückgeholt. Der Zweiwegcenter wurde bei den zwei Titeln als eine der Schlüsselfiguren gefeiert. In dieser Saison kam er in 47 Partien ­ auf nur fünf Tore – das brachte ihm die Reise in die AHL ein. Doch alle, die den 30-Jährigen ersetzen sollten, scheiterten. Nick ­Shore blieb in 25 Partien torlos, Rookie Andy Andreoff kam in ­ 17 Spielen auf ein Tor. Jarret ­ Stoll, lange verletzt, hat seit Mitte Februar nicht mehr getroffen.

Phil Kessels «Loch»

Die Toronto Maple ­Leafs bewegen sich diese Saison ganz weit hinten in der Tabelle. Damit einher geht das «Loch», in dem sich Phil Kessel befindet. Der Amerikaner war während Jahren einer der zuver­läs­sigsten Angreifer in Sachen Tor­produktion. Doch in diesem Win­ter läuft (fast) gar nichts mehr. Am 16. Dezember ­erzielte er in einem Match noch zwei Tore. Doch inklusive jenes Spiels schoss er bis gestern Abend sieben Törchen in drei Monaten oder 42 Partien. Dass er mit 13 Punkten im Jahr 2015 noch immer der zweitbeste Skorer des Teams ist, zeigt auf, in welch schlechter Verfassung sich die ­Leafs befinden. Zum ersten Mal seit der Saison 2007/08 dürfte Kessel die 30-Tore-Marke verpassen.

Bald 3:3 in der NHL?

In Schweden wird das Format seit Weihnachten angewandt, es könnte auch bald in der NHL Realität sein: In der Verlängerung stehen sich nur noch drei Feldspieler und ein Goalie gegenüber. Die General Manager der Klubs auf jeden Fall befürworteten diese Änderung, die im Juni wohl definitiv beschlossen wird. Diskussionspunkt ist noch die Art und Weise: Ob von Beginn weg nur 3:3, oder ob zuerst 4:4 und erst nach drei Minuten 3:3, ist noch offen. In der AHL wird in dieser Saison die Verlängerung zuerst drei Minuten 4:4 und danach, ist noch keine Entscheidung gefallen, maximal vier Minuten 3:3 gespielt.

Ohne Stephan an die WM

Am 30. März startet die Schweizer Nationalmannschaft unter dem neuen Coach Glen Han­lon mit einem Trainingscamp in Basel in die Vorbereitung für die WM vom 1. bis 17. Mai in Prag. Nach Roman Wicks Absage ans Nationalteam und Julien Vauclairs Rücktritt steht jetzt schon fest, dass wei­tere «Stammspieler» fehlen. Goalie Tobias Stephan steht nicht im Aufgebot, er hat sich wegen der Hirnerschütterung, erlitten im Play­off gegen Davos, abgemeldet. Es fehlt aber auch Goalie Martin Gerber, der 2013 die Nummer 1 an der WM war und seither offiziell nie verabschiedet wurde. Benjamin Conz und Daniel Man­zato heissen die ersten Torhüter im Kader, «überboten» werden können sie aus der NLA wohl nur noch durch Lukas Flüeler, Robert Mayer oder Leonardo Ge­noni (wenn der Davoser denn Lust verspürt). In Nordamerika steht ­Jonas Hiller auf einem Playoff-Platz, Reto Berra sitzt bei Colo­rado vornehmlich auf der Ersatzbank.

Von den «bestandenen» Feldspielern fehlen die Verteidiger Patrick von Gunten und Tim Ramholt. Von Gunten war zuletzt in Klo­ten angeschlagen und nur dank Spritzen einsatzfähig, Ramholt aber war fit. Immerhin sieht es so aus, als ob die Schweizer kein Problem bei der Torproduktion haben sollten. Mit Damien Brunner, Reto Suri, Lino Martschini, Mat­thias Bie­ber oder Denis Hollenstein sind «Skorer» dabei. ­Fabrice Herzog (Zug) und Mat­thias Rossi (Biel) sind zwei Neulinge dabei. Und unter Han­lon stehen in diesem Jahr bereits ­ 61 Spieler im Einsatz.

(Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 24.03.2015, 18:31 Uhr

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