«Wieso sind alle so besessen von meinem Gewicht?»

Nico Hischier spricht vor seiner dritten NHL-Saison mit New Jersey über Heimatgefühle und die turbulenteste Sekunde seiner jungen Karriere.

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Sie sind nun für Ihre dritte Saison nach New Jersey zurückgekehrt. Fühlt es sich schon fast an wie eine Heimkehr?
Nein, so kann man das nicht ­sagen. Zu Hause bin ich schon in der Schweiz. Aber ich fühle mich inzwischen sehr wohl in New ­Jersey, kenne schon alles. Das ­erleichtert den Wiedereinstieg.

Haben Sie schon eine neue Wohnung gefunden?
Ja. Ich bin nun wieder im gleichen Gebäude wie letzte Saison. Mirco Müller wohnt auch hier. Etwa 20 Minuten vom Stadion entfernt.

Haben Sie ein Ritual, wenn Sie zurückkehren nach New York? Gehen Sie zum Times Square? Oder in den Central Park?
Nein, ich war noch gar nicht in Manhattan. Ich kam gar nicht dazu. Ich musste zuerst alles ­organisieren. Und dann hat auch schon das Trainingscamp begonnen.

An Ihrer ersten WM kassierte die Schweiz im Viertelfinal gegen Kanada 0,4 Sekunden vor Schluss noch den Ausgleich. Wie lange haben Sie gebraucht, um das zu verdauen?
Ja, das war schon sehr bitter. Aber ich habe es recht schnell verdaut.

Wie war Ihre erste WM-Erfahrung?
Sehr gut. Es war meine erste ­A-Weltmeisterschaft, ein cooles Erlebnis! Es hat Spass gemacht, wieder einmal nur mit Schweizern in der Garderobe zu sein. Das ist eine schöne Abwechslung. Ich freue mich auf mehr Weltmeisterschaften.

Wie haben Sie den Sommer verbracht?
Die ersten zwei Wochen nach der WM blieb ich in der Schweiz und machte gar nichts. Im Juli verreiste ich in die Ferien nach Kroatien. Auf dem Eis habe ich wieder beim SCB trainiert. Und daneben mit Athletiktrainer Samuel Boehringer, den ich durch Swiss Ice ­Hockey kennen gelernt habe. Zusammen mit Yannick Rathgeb.

Und, haben Sie Gewicht zugelegt?
Das werde ich stets gefragt, wenn ich nach Amerika komme. Wieso sind alle so besessen von meinem Gewicht? Ich habe zwei bis drei Kilo zugelegt, würde ich sagen. Aber für mich ist das nicht wichtig. Zu schwer will ich auch nicht werden. Entscheidend ist, dass ich mich auf dem Eis wohlfühle.

«Logisch ist die Heim-WM im Hinterkopf. Da würde ­jeder Schweizer gerne mitspielen.»

Woran haben Sie auf dem Eis gearbeitet?
Am Schuss und an den Bullys. Wobei das Bullyspiel schwer zu trainieren ist. Ich habe viele ­Bullys gespielt, aber auch Videos studiert. Die Kunst liegt darin zu erkennen, was der andere macht. Und richtig zu reagieren. Aber es gibt verschiedene Taktiken.

Sie waren am Eidgenössischen Schwingfest und sahen Ihren Favoriten Christian Stucki gewinnen. Sind Sie Schwingfan?
Ich verstehe ehrlich gesagt nicht so viel vom Schwingen. Aber ­Stucki war mir ein Begriff, und ich habe ein paar Kollegen aus Lyss, die ihn mir ans Herz gelegt haben. Ich kenne ihn nicht persönlich, aber ich habe das Gefühl, er ist ein cooler Typ.

Mit welchen Erwartungen steigen Sie in Ihre dritte ­NHL-Saison?
Mit den gleichen wie in die ersten zwei: Ich will gut spielen, dem Team helfen zu gewinnen und das Playoff erreichen.

General Manager Ray Sheroschlug im Sommer zu: Jack Hughes kommt als Nummer-1-Draft, zudem verpflichteten die Devils von Nashville P.K. Subban und Wayne Simmonds sowie KHL-Topskorer Nikita Gusew. Verstehen Sie das auch als Zeichen ans Team, dass nun angegriffen wird?
Ja, durchaus. Auf dem Matchblatt haben wir nun sicher ein stärkeres Team. Aber das hat nichts zu heissen. Es gibt viele gut besetzte Teams, die Jahr für Jahr das Playoff verpassen. Entscheidend ist, dass wir wieder einen Geist entwickeln wie vorletzte Saison.

Kennen Sie die Neuen?
Persönlich habe ich sie alle erst jetzt im Camp kennen gelernt. Aber als Spieler natürlich schon. Subban und Simmonds aus der NHL, gegen Gusew spielte ich an der WM, und Hughes kannte ich von den ganzen Videos vor dem Draft ein bisschen.

Subban verlobte sich jüngst mit Lindsey Vonn, bringt Glamour ins Team. Haben Sie schon mit Roman Josi über ihn geredet?
(lacht) Nein. Man weiss ja, was von Subban zu erwarten ist. Er bringt sicher viel Energie ins Team. Und er ist ein exzellenter Verteidiger, der uns vor allem im Powerplay viel helfen kann.

Gaëtan Haas, mit dem Sie im Nationalteam spielten, will sich in Edmonton etablieren. Kann er es schaffen?
Ja, ganz klar. Ich habe ihm gesagt, er solle sich nicht zurückhalten, sondern mutig spielen, etwas wagen. Ich finde, er ist ein sehr guter Spieler, er hat absolut die Fähigkeiten für die NHL.

Nächstes Jahr findet die WM in der Schweiz statt. Ist das ein Ziel für Sie?
Logisch ist die Heim-WM im Hinterkopf. Da würde jeder Schweizer gerne mitspielen. Aber jetzt sind meine Gedanken ganz bei New Jersey.

Sie würden an die WM kommen, wenn Sie dann mit den Devils nicht mehr im Playoff engagiert sind?
Wenn ich gesund bin, sicher.

Erstellt: 19.09.2019, 12:11 Uhr

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