Kloten

Adrian Wetli tankt sich durch

Der 20-jährige Flügel spielt dank seiner Physis beim EHC Kloten eine unerwartet grosse und wichtige Rolle.

Unbändiger Einsatz und Wille kennzeichnen das Spiel des gross gewachsenen Kloteners Adrian Wetli an der Bande. Hier beschäftigt der 20-Jährige  die Winterthurer Mike Küng (links) und Samuel Keller.

Unbändiger Einsatz und Wille kennzeichnen das Spiel des gross gewachsenen Kloteners Adrian Wetli an der Bande. Hier beschäftigt der 20-Jährige die Winterthurer Mike Küng (links) und Samuel Keller. Bild: Christian Merz

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Er ist nicht zu übersehen mit ­seiner Grösse von 1,88 m. Und die Gegner spüren ihn regelmässig. Wenn Adrian Wetli sich in den Kopf gesetzt hat, an der Bande entlang die Scheibe nach vorne zu bringen, dann tankt er sich unaufhaltsam durch. «Ich mache das einfach gerne.» Wenn er im gegnerischen Drittel an der Bande eine Scheibe verteidigen oder holen will, dann ist der Sieger meistens die Nummer 18 Klotens mit seiner grossen Reichweite. Daniel Sigg oder Chris Tancill hiessen zwei seiner Vorgänger mit dieser Rückennummer; der eine war Verteidiger neben Anders Eldebrink, der andere Torschütze und Kämpfer aus Amerika.Wetli ist nicht nur an der Bande Klotens Vorkämpfer, er war es auch im struben Frühling. Nur gerade zwei Tage nach dem Abstieg des EHC in die Swiss League unterschrieb er bei Sportchef ­Felix Hollenstein einen Vertrag für zwei Jahre, er war der erste Spieler des neuen Teams. Über die Anstellungsbedingungen gesprochen haben nur der Sportchef und der Flügel, denn Wetli ist einer der ganz wenigen Spieler, die nicht durch einen Agenten vertreten werden. «Bis jetzt hat noch keiner angefragt» ist seine Begründung. Wetli liefert eine mögliche Begründung gleich selber: «Ich spiele nicht so spektakulär, ich bin einer, der die einfachen Sachen richtig machen will, ein Teamspieler.»

In der Jokinen-Linie

Wetlis Eishockeyweg war kein gerader. Der Rickenbacher, dessen Schwester Stefanie als Verteidigerin zum Nationalteam gehört und bei Olympia in Pyeongchang dabei war, begann in Winterthur. Dann lockten die ZSC Lions mit der Sportschule. Später kam indes der Bescheid, dass Wetli nicht gut genug sei für die Novizen-Elite, er müsse zu den Novizen-Top nach Küsnacht wechseln. Eine Stunde für einen Weg war ihm zu viel, zumal er gleichzeitig noch die Lehre als Landschaftsgärtner absolvierte. Er ging zurück nach Winterthur und erhielt vom damaligen Klotener Nachwuchstrainer André Rötheli die Einladung für ein Probetraining. Er blieb. Und bereits im zweiten Jahr hatte er sein erstes Aha-Erlebnis: Er wurde in der National League in der Ligaqualifikation gegen die SCRJ Lakers eingesetzt.

Das nächste spezielle Erlebnis im Eishockey hatte er im November 2018, als plötzlich Jussi Jokinen in der Garderobe stand. «Ich habe mich über seine Ankunft ­gefreut, aber natürlich nie daran gedacht, dass ich mit ihm in einer Linie spielen würde.» Doch als er dann aus dem Kraftraum zurückgekommen sei, habe er an der Tafel gesehen, dass er zusammen mit dem Finnen, der über 1000 NHL-Partien absolviert hat, eine Flügelzange bilden wird. «Da wurde ich schon ein bisschen nervös.»

Die Nervosität wich dann schnell einem Staunen. «Im ersten Match hat er mich nach dem ersten Einsatz mit meinem Namen angesprochen.» Das habe ihn enorm gefreut. Jokinen habe auch neben dem Eishockey viel mit den Spielern unternommen. «Das hätte ich nie erwartet.»

Möglichst in den «Kranz»

hinauf muss die Scheibe

Wetli gehört zur Powerplay-Formation, meistens vor dem Tor, um dem Goalie die Sicht zu ver­decken, wenn Ryan MacMurchy schiesst. Aber auch ohne MacMurchy hat er sich in den Überzahlformationen gehalten, gegen Winterthur am Mittwoch spielte er auch in Unterzahl. Und seit MacMurchy wegen einer Hirnerschütterung fehlt, powert Wetli in der ersten Linie neben Fabian Sutter und Jeffrey Füglister. «Drei Künstler in einer Linie, das geht nicht», sagt der Mann mit den roten Haaren.

Wetli ist mit seinem Entscheid, in Kloten zu bleiben, sehr zufrieden. Aber eines passt ihm gar nicht. Er hat diese Saison erst drei Treffer in der Meisterschaft erzielt. «Früher hatte ich keine Probleme im Abschluss.» 25 Goals zum Beispiel schoss er vor einem Jahr in 34 Partien mit der Elite A. Auch am Mittwoch gegen Winterthur hat er wieder einige sehr gute Möglichkeiten vergeben. «Aber das kommt schon noch, solange ich Chancen habe, ist alles gut.»

Die freien Minuten nach dem Training nützt er, um besser zu werden: Möglichst in den «Kranz» hinauf muss die Scheibe. Der «Kranz», das ist das Netzdach. Denn unten, da machen die Torhüter meistens zu. Das «Hinauf» gilt nicht nur für den Puck, sondern auch für den kommenden Frühling. «Wenn wir gut spielen, dann haben wir mit dieser Mannschaft eine gute Chance in den Playoffs und in einer mög­lichen Ligaqualifikation», sagt Wetli. «Aber wenn wir so auftreten wie zuletzt gegen Winterthur, dann reichts bei weitem nicht.»

Erstellt: 17.01.2019, 22:05 Uhr

Heute Zu Hause gegen GC

Und Kimi drehte nebenan
Auch weil es draussen regnete, bemerkte gestern während des Klotener Trainings kaum jemand den Eishockeyspieler, der da auf dem Aussenfeld alleine seine Kreise zog und den Puck immer wieder in die Maschen drosch. Er hatte sein Gesicht mit einer Kapuze zumindest teilweise verdeckt und wurde von einer Kamera verfolgt. Es stieg auch noch eine Drohne auf, um den Mann in Schwarz von oben zu filmen. Es war Kimi Räikkönen. Der ehemalige Formel-1-Weltmeister, der die nächsten zwei Jahre für das Sauber-Team fährt, war für Werbeaufnahmen auf Klotener Eis unterwegs.
Heute Freitag um 19.45 Uhr geht es für Klotens Eishockeyteam zu Hause weniger glamourös zu und her. Es gilt, gegen das Zürcher Farmteam GCK Lions die weisse Weste zu behalten und sich in der Tabelle weiter vorne zu behaupten. Gegen GCK gewann Kloten auswärts 4:2 und 3:1, das erste Heimspiel 5:2. Die Mannschaft Leo Schumachers kämpft gegen die EVZ Academy um den letzten Playoff-Platz und liegt zurzeit zwei Punkte hinter den Zugern auf Rang 9.
Die Unterländer müssen weiterhin auf MacMurchy, Obrist und Adrian Brunner verzichten, Simon Kindschi könnte wieder in Langnau gebraucht werden. jch

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