Kloten

Die Flyers benötigen Erfolg und Linie

Es steht wieder einmal ein Neuanfang bei den Kloten Flyers an. Die Saison, die heute mit dem Heimspiel gegen Biel beginnt, wird wegweisend für die Zukunft sein.

Sean Simpson, Cheftrainer der Kloten Flyers, gibt seinen Spielern im Eistraining am Tag vor dem Saisonstart Anweisungen.

Sean Simpson, Cheftrainer der Kloten Flyers, gibt seinen Spielern im Eistraining am Tag vor dem Saisonstart Anweisungen. Bild: David Küenzi

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Vorweihnachtszeit konnte nicht verhindern, dass einigen regelrecht der Kragen platzte: Als die Flyers am 19. Dezember mit Trainer Felix Hollenstein den «letzten Klotener» entliessen, war das für den einen oder andern Anhänger, Donator, Red Liner oder Sponsor zu viel. Sie schmissen den Bettel – in diesem Fall die Unterstützung – hin. Sean Simpson, Hollensteins Nachfolger, hatte beileibe kein einfaches Leben. Die Flyers rutschten in die Playouts.

Sportlich machten sie nicht mehr von sich reden, aber zwei Tage vor WM-Beginn wurde der nächste Coup bekannt. Kanadische Investoren um die ASE übernahmen von Philippe Gaydoul den Klub. Kaum jemand kannte sie damals, kaum jemand kennt sie heute. Aber die Anhänger sind dennoch nicht gut auf sie zu sprechen. Die neue Preispolitik (die Saisonkarte ist zwar günstiger, beinhaltet aber nur die Qualifikation) stiess nochmals manchem sauer auf.

Absoluter Minusrekord

Und so gehen die Kloten Flyers heute mit der Gewissheit in die Saison, dass sie mit gut über 2100 abgesetzten Saisonkarten einen Minusrekord aufstellten. In der gesamten Liga. Aufsteiger Langnau zum Beispiel setzte mehr als doppelt so viele ab, der SC Bern hatte trotz Preiserhöhung um 10 Prozent keine Mühe, seine 13 000 Abonnemente abzusetzen.

Die Schuld am fehlenden Interesse auf die vergangene Saison mit Rang 10 zu schieben, ist weniger als die halbe Wahrheit. Es ist das ewige Hin und Her, das Auf und Ab, die unverständlichen Entscheide der letzten Jahre, die sich summierten. Zuerst ritt Jürg Bircher den Klub in den Konkurs, dann engagierte sich die ganze Anhängerschaft für eine einmalige Rettung. Statt den Schwung auszunützen, wurde unter Gaydoul gleich einmal Hollenstein ein erstes Mal entlassen, ein unfähiger Geschäftsführer eingestellt. Es folgten: die Rückkehr Hollensteins, der Abgang des Herrn Geschäftsführers Schickli, die Ankunft von Matthias Berner (CEO), ein neuer Kommunikationschef, eine Finalteilnahme, eine höchst geschniegelte Marketingabteilung, die mehr ausgab, als sie einnahm, ein Besitzer, der nicht mehr Geld ausgeben wollte, die erneute Entlassung Hollensteins – und wieder ein Besitzerwechsel. Wenn am 26. September bei der GV der AG der neue Verwaltungsratsvorsitzende Ken Stickney die Geschäfte erläutert, wird er das als Vertreter des dritten Besitzers der Flyers innert dreieinhalb Jahren tun. Das alles zeigt auf: Die Organisation, die 2014 noch ihr 80-jähriges Bestehen feierte, hat ein immenses Stück Arbeit vor sich. Um den angerichteten Schaden zu beheben, muss sie sich Schritt für Schritt Verständnis, Sympathie und Anhängerschaft zurückerobern, aktiv sein.

Wieder eine gute Rolle spielen

Den Anfang hat die Mannschaft auf dem Eis zu leisten. Wenn sie in dieser Saison, die heute mit dem Heimspiel gegen den EHC Biel beginnt, wieder eine gute Rolle in der Liga spielen kann, dann kommen auch die Zuschauer, dann kann auch das Interesse neu geweckt werden. Die Bedeutung des sportlichen Erfolgs ist den Besitzern klar. In diesem Bereich hat Sean Simpson, der nicht nur Trainer, sondern auch Sportchef und Ansprechpartner der kanadischen Investoren ist, eine enorm wichtige Position inne. Und er trägt eine grosse Verantwortung.

Er kann mit seiner Arbeit und seinem Team die Basis dafür legen, dass nicht nur der grosse Puck im Kreisel, sondern auch die Flyers als Organisation wieder wahrgenommen werden. Doch damit – und den Cheerleaders im Stadion – ist es nicht getan, die Flyers benötigen nicht nur dringend Erfolg auf dem Eis. Sie brauchen auch gleichzeitig eine Linie, einen klaren Weg und Plan in der AG, ausserhalb des sportlichen Bereichs. Denn das unternehmerische Hin und Her hat ebenso geschadet wie die sportlichen Ausrutscher und Fehlleistungen. Immerhin sind auf diesen Winter hin die groben Mängel im Marketing korrigiert worden.

Junioren stärken

Die Idee und die gegen aussen geäusserten Vorstellungen der neuen Besitzer haben durchaus Hand und Fuss (Verankerung in der Region, Nachwuchsförderung). Sie müssen allerdings auch ausgeführt werden. Die Anfänge sind gemacht. Die Zusammenarbeit mit dem EHC Winterthur bringt etwas, die Ankunft des schwedischen Ausbildners Niklas Gällsted soll dazu beitragen, die Sünden der Vergangenheit im Nachwuchs zu beheben.

Wer die Aufgebote der Junioren-Nationalmannschaften im Sommer ein bisschen genauer betrachtet hat, dem fiel vor allem auf, dass bei der U20 und der U18 gerade ein Spieler der Flyers aufgeführt war (Edson Harlacher). Das ist für eine Eishockeybewegung, die sich auch durch den Nachwuchs definierte, gar kein gutes Zeichen.

Die Juniorenbewegung muss auf neue und starke Beine gestellt werden. Ein Haus aufzubauen, dauert bekanntlich ein bisschen länger, als es abzubrechen. Übrigens: Auch wenn die Geldgeber aus Kanada fern scheinen, sie sind trotzdem in Kloten dabei: Ein Stiefsohn von Besitzer William Gallacher und ein Mann der Portland Winterhawks, des zweiten Teams, das der ASE gehört, sind abgestellt worden. Nicht zur Kontrolle, sondern als zusätzliche Hilfe. Die beiden werden (auch) als Scouts und Beobachter der gegnerischen Teams eingesetzt.

Erstellt: 10.09.2015, 16:56 Uhr

Umfrage

Die neue Eishockeysaison ist gestartet. Welche Chancen räumen Sie den Kloten Flyers ein?

Wir werden Meister. Was denn sonst?!

 
11.5%

Bis in die Playoffs schaffen es die Flyers bestimmt.

 
31.0%

Ich sehe schwarz für diese Saison. Die Flyers werden gegen den Abstieg spielen müssen.

 
57.5%

113 Stimmen


Das neue Trio aus der KHL

Um ihr Kader zu verstärken, blieb den Flyers auf diese Saison hin aufgrund der vertraglichen Situationen (fast) nur der Wechsel bei den Ausländern. «Die vier besten Ausländer» – das war das Credo, das Bob Strumm am 29. April am Flughafen Kloten verkündete. Strumm ist in der ASE (Avenir Sports Entertainment) verantwortlich für den sportlichen Bereich. Vom damaligen Flyers-Quartett besassen Tommi Santala, Micki DuPont und Jim Vandermeer noch einen Kontrakt für die kommende Saison. Bei zweien wurde gehandelt: DuPont und Vandermeer, die beide einen enttäuschenden Winter hinter sich hatten, wurden verabschiedet. DuPont ist in Berlin untergekommen, Vandermeer noch nirgends. Doch finanziell ist die Angelegenheit erledigt.

«Die vier besten Ausländer» heissen nun in Kloten Tommi Santala, Chad Kolarik (USA), Mark Olver (Ka) und Erik Gustafsson (Sd). Die drei Neuen waren in der vergangenen Saison alle in der KHL unter Vertrag, zwei bei einem doch eher als «verrückt» bekannten Trainer: Gustafsson und Kolarik spielten in Omsk unter dem Finnen Raimo Summanen.
Die neuen Ausländer sind in erster Linie mal um einiges jünger als die kanadischen Verteidiger-Routiniers. Und zweitens darf man von ihnen auch einiges erwarten. «Neue Ausländer benötigen zwar immer Zeit, aber ich denke, dass sie gut werden», sagt Simpson vom Trio.

Einen von ihnen haben er, Martin Gerber, Matthias Bieber, Denis Hollenstein und Patrick von Gunten in unguter Erinnerung. Verteidiger Gustafsson erzielte am 19. Mai 2013 im WM-Final von Stockholm für die Schweden gegen die Schweizer das 1:1. Schweden gewann am Ende 5:1, Gustafsson, heute 27 Jahre alt, holte seine bisher einzige Goldmedaille.

Ungedraftet in die NHL

Er ist körperlich kein Riese, aber ein Zweiweg-Verteidiger von gehobener Klasse. Er besticht durch seine Zuspiele und seine Abgeklärtheit in der Offensive sowie seine sehr gute Arbeitseinstellung. Sein Beschleunigungsvermögen und sein Tempo sind herausragend. In Omsk war Gustafsson letzte Saison zweitbester Verteidiger. Der Mann aus dem Norden überraschte auch in Nordamerika, mit einem ähnlichen Weg, den Mark Streit gegangen war. Gustafsson schaffte es in die NHL, obwohl er nicht gedraftet wurde. Via AHL stieg er zu den Philadelphia Flyers auf, für die er immerhin 100 Partien absolvierte (8 Tore / 18 Assists).

Chad Kolariks europäischer Stern ging in Schweden auf. Mit seinen 30 Treffern für Linköping war der 29-jährige Amerikaner in der Saison 2013/14 bester Torschütze der SHL, mit den total 48 Punkten bester ausländischer Skorer. Sein guter Start auch im nächsten Herbst brachte ihm den Vertrag in Omsk ein, wohin er im Oktober wechselte. 16 Punkte in 29 Partien waren seine Ausbeute, in den Playoffs kam er auf 8 (12 Spiele).

Mark Olver (27) spielte 77 NHL-Partien für Colorado und versuchte sich im Herbst beim KHL-Neuling Sotschi. Dort holte er sich im ersten Saisonspiel für seine aufopferungsvolle Vorstellung gute Noten, aber auch einen Kreuzbandriss. Der Center verpasste den gesamten Winter.
Er schoss zwar im ersten Testspiel das erste Tor der Kloten Flyers in dieser Saison, doch sonst fiel er in der Vorbereitung eher als harter Arbeiter auf. Seine Stärken sind eher in den Zweikämpfen, obwohl ihm durchaus gute «Playmaker-Qualitäten» nachgesagt werden. «Die Ausländer sind zu wenig gut» – diese Aussage soll diese Saison nicht mehr gemacht werden können.

Bäumle bis Ende November

Gestern klärten die Flyers auch noch ihre letzte offene Personalie: Thomas Bäumle, vorher vertragslos, wurde für den verletzten zweiten Goalie Luca Boltshauser vorläufig bis Ende November verpflichtet. (jch)

Artikel zum Thema

Kloten Flyers haben neue Sponsoren

Kloten Die Flyers haben neue Sponsoren. Der neueste Partner ist das Grand Casino Baden. Mehr...

Die neuen glorreichen Sieben für die Kloten Flyers

Kloten Neuzugänge für die Kloten Flyers wurden am Freitag beim Off Ice Festival vorgestellt. Über 300 Fans wollten es sehen. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Zürcher Unterländer digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 24.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!