Zum Hauptinhalt springen

So verrückt kann Eishockey sein!

Die ZSC Lions beenden in Genf ihre Torflaute mit einem 9:6. Viermal gleichen sie aus, Hollenstein brilliert mit einem Hattrick.

Simon Graf
In den ersten 20 Minuten brennen beide Mannschaften ein richtiges Feuerwerk ab. Bereits nach vier Minuten eröffnet Fehr den Torreigen. Wenig später sorgt Roe, nach einem mustergültigen Zuspiel von Suter, für den Ausgleich.
In den ersten 20 Minuten brennen beide Mannschaften ein richtiges Feuerwerk ab. Bereits nach vier Minuten eröffnet Fehr den Torreigen. Wenig später sorgt Roe, nach einem mustergültigen Zuspiel von Suter, für den Ausgleich.
Martial Trezzini, Keystone
Wer denkt, dass es im zweiten Drittel ruhiger zu- und hergeht, täuscht sich. Die Verteidiger schlafen weiterhin, die Stürmer treffen, wie sie wollen. So führt der ZSC nach dem zweiten Drittel 5:4.
Wer denkt, dass es im zweiten Drittel ruhiger zu- und hergeht, täuscht sich. Die Verteidiger schlafen weiterhin, die Stürmer treffen, wie sie wollen. So führt der ZSC nach dem zweiten Drittel 5:4.
Freshfocus
1 / 4

Coach Rikard Grönborg sprach in dieser Woche fast nur über das Offensivspiel. Er versuchte den ZSC-Cracks zu vermitteln, was sie tun könnten, ja sollten, um im Angriff wieder effektiver zu werden. Sie verstanden seine Botschaft und schossen in Genf gleich neun Tore – so viele wie nie mehr seit sechs Jahren. Jetzt muss der Schwede nur noch anfügen, dass ein verbessertes Angriffsspiel nicht heissen soll, dass man die Defensive vernachlässigt. So wie das beim spektakulären 9:6 gegen Servette allzu oft der Fall war.

Als die Zürcher am 28. Januar 2014 letztmals ein «Stängeli» nur knapp verpasst hatten, feierten sie ein 9:3 gegen Rapperswil-Jona. Chris Baltisberger und Luca Cunti profilierten sich als Doppeltorschützen, der Coach hiess Marc Crawford, und die Löwen feierten gut drei Monate später den Meistertitel. Diesmal brillierten Denis Hollenstein mit einem Hattrick sowie Garrett Roe und Maxim Noreau mit je zwei Toren. Erst auf Hollensteins drittes Tor in der 56. Minute im einzigen ZSC-Powerplay wusste Servette keine Antwort mehr.

Jeder dritte Schuss ein Treffer

In der Doppelrunde zuvor hatten die Zürcher gegen Rapperswil-Jona und Lugano aus 63 Schüssen nur ein Tor erzielt. Diesmal wurden es neun aus 28 – mit anderen Worten: jeder dritte Schuss war ein Treffer. Es half, dass die ZSC Lions erstmals seit längerem schon von Beginn weg in der Offensive reüssierten. Das schien ihnen das Vertrauen zu geben, dass noch mehr möglich sei. Dazu kam, dass Servette-Goalie Gauthier Descloux, der bisher eine exzellente Saison spielte, einen schlechten Abend einzog. Und dass die Genfer Verteidiger, die ihr Tor in diesem Winter meist vorbildlich abgeschirmt hatten, immer mal wieder die Übersicht verloren.

Zuerst legte Servette viermal vor, und viermal glichen die Zürcher relativ bald wieder aus. Und als Hollenstein (34.) mit dem 5:4 die erstmalige ZSC-Führung gelang, kehrte sich das Spielchen um. Erst Pettersson durchbrach dieses unterhaltsame Hin und Her mit dem 8:6 in der 58. Minute. Damit war der Genfer Widerstand geknickt. In ihren ersten drei Duellen hatten die beiden Teams zusammen acht Tore zustande gebracht. Diesmal wurden es an einem einzigen Abend deren 15 – ein neuer Bestwert für die ganze Liga in dieser Saison.

Alles begann mit Ortios Patzer

Die neue Offensivkraft der Zürcher ging einher mit einer verblüffenden Unsicherheit in der Abwehr. Möglicherweise war der Ursprung dafür der frühe Patzer Ortios zum 0:1: Der Finne spedierte den Puck in der 4. Minute nach einer «Flanke» Fehrs vors Tor mit dem Fanghandschuh ins eigene Tor und fand danach nie zu seiner gewohnten Souveränität. Wobei vor ihm auch immer wieder Chaos herrschte, die Verteidiger ihre Gegenspieler schlicht übersahen wie Berni beim 5:5 von Wingels (45.).

Dieser verrückte Abend zeigte wieder einmal, wie sehr sich im Eishockey, in dem so vieles mit Zahlen gemessen und anhand von «smarten» Statistiken analysiert wird, in dem Videocoaches wie beim ZSC Johan Andersson jede Szene sezieren, im Kopf abspielt. Aber das ist ja gerade das Reizvolle an diesem rasanten Sport, in dem auch der Zufall eine wichtige Rolle spielt.

Rikard Grönborg dürfte sich vor dem Samstagsspiel gegen Davos jedenfalls zweimal überlegen, welche Message er seinen Spielern nun sendet.

Telegramm:

Genève-Servette - ZSC Lions (3:2, 1:3, 2:4) 5505 Zuschauer - SR Mollard/Lemelin, Kaderli/Altmann.Tore: 4. Fehr (Miranda) 1:0. 9. Roe (Suter, Pettersson) 1:1.11. Smirnovs (Karrer, Winnik/Ausschluss Berni) 2:1. 16. Sigrist (Schäppi) 2:2. 18. Fehr (Tömmernes/Ausschluss Pettersson) 3:2. 25. Roe (Noreau, Phil Baltisberger/Strafe angezeigt) 3:3. 27. Fehr (Winnik, Karrer) 4:3. 33. (32:13) Hollenstein (Marti, Diem) 4:4. 34. (33:46) Hollenstein (Bodenmann) 4:5. 44. Wingels (Patry) 5:5. 47. Noreau 5:6. 48. Winnik (Fehr) 6:6. 56. Hollenstein (Bodenmann/Ausschlüsse Fehr) 6:7. 58. Pettersson (Chris Baltisberger) 6:8. 59. (58:56) Noreau 6:9 (ins leere Tor).Strafen: 2mal 2 Minuten gegen Genève-Servette, 5mal 2 Minuten gegen die ZSC Lions. PostFinance-Topskorer: Wingels; Suter.Genève-Servette: Jacquemet, Tömmernes; Karrer, Maurer; Le Coultre, Kast; Smons; Miranda, Fehr, Winnik; Wingels, Richard, Patry; Jeremy Wick, Smirnovs, Bozon; Riat, Berthon, Maillard; Molinari.ZSC Lions: Ortio; Noreau, Marti; Phil Baltisberger, Geering; Trutmann, Berni; Sutter; Pettersson, Roe, Suter; Bodenmann, Diem, Hollenstein; Chris Baltisberger, Prassl, Roman Wick; Simic, Schäppi, Sigrist; Brüschweiler.Bemerkungen: Genève-Servette ohne Rod (gesperrt), Douay, Fritsche, Mercier und Völlmin. ZSC Lions ohne Blindenbacher, Flüeler, Pedretti (alle verletzt) und Krüger (überzähliger Ausländer). - 10. Pfostenschuss Karrer.

Rangliste: 1. Zug 37/71 (117:99). 2. ZSC Lions 40/71 (134:101). 3. Genève-Servette 40/68 (114:101). 4. Davos 36/67 (119:98). 5. Biel 39/58 (114:114). 6. Lugano 40/55 (98:108). 7. Lausanne 35/54 (100:95). 8. SCL Tigers 38/54 (94:109). 9. Bern 38/52 (101:111). 10. Ambri-Piotta 39/47 (96:112). 11. Fribourg-Gottéron 36/46 (84:99). 12. Rapperswil-Jona Lakers 38/41 (94:118).

----------

Eisbrecher – der Hockey-Podcast von Tamedia

Die Sendung ist zu hören auf Spotify sowie auf Apple Podcast. Oder direkt hier:

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch