Eishockey

Cup als Ablenkung, Senior als Sieger

Lausanne – Kloten heute und Bern – ZSC Lions morgen heissen die Cup-Halbfinals. Ein Blick durch die Ligen von Lausanne über Florida und Oslo bis nach Jaroslawl.

Lausanner im Hoch: Am Wochenende holten Thomas Déruns, Etienne Froidevaux und Dario Truttmann (von links) gegen Zug fünf Punkte.

Lausanner im Hoch: Am Wochenende holten Thomas Déruns, Etienne Froidevaux und Dario Truttmann (von links) gegen Zug fünf Punkte. Bild: Roland Jauch

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In der Meisterschaft kommen die Kloten Flyers nicht vom Fleck, Platz 10 ist ihre wenig erfreuliche Position. Im Cup dagegen stehen sie zum zweiten Mal in Folge unter den besten vier Mannschaften. Letztes Jahr verloren sie erst den Final in Bern, dieses Jahr können sie das Endspiel mit einem Sieg heute Abend in Lausanne erreichen. Die Westschweizer sind der einzige Neuling unter den Halbfinalisten, sie ersetzen Genf-Servette. Bern – ZSC Lions hiess schon im Vorjahr der eine Halbfinal. Der andere lautete Genf gegen Kloten.

Dass sich die Flyers damals durchgesetzt haben, bedeutet in diesen schweren Zeiten immerhin eines. Sie können durchaus auswärts gegen Westschweizer Mannschaften bestehen, auch wenn ihre Bilanz in dieser Saison schlicht null beträgt. In Lausanne verloren sie 2:4 und 1:2, in Genf 1:3. Gegen die Lausanner holte Kloten aus drei Begegnungen noch keinen einzigen Meisterschaftspunkt, das ist einer der Hauptgründe, warum sie derart im Hintertreffen sind gegenüber einer Mannschaft, die deutlich preisgünstiger unterwegs ist.

Lausanne hatte seine Krise mit nur einem Sieg aus sechs Partien von der 21. bis zur 26. Runde. Danach aber liess der HCL fünf Erfolge in Serie folgen – etwas, das den Flyers weder in dieser Saison noch in der letzten gelungen ist. In dieser Zeitspanne sind immerhin 85 Partien gespielt worden. Eine letzte ähnliche Serie wie den «Fünfer» Lausannes wiesen die Flyers in der Saison 2013/14 auf, in der sie einmal sogar sechs Erfolge aneinanderreihten und danach im Playoff-Final standen. Das waren noch Zeiten – und dennoch ist es noch gar nicht so lange her.

Sechsmal ohne Losglück und Heimspiel

Die Platitude, dass der Cup seine eigenen Gesetze hat, trifft für die Flyers vor allem in einer Form zu: Sie treten ständig auswärts an. Der heutige Match in Lausanne ist im wiederbelebten Wettbewerb der bereits neunte für die Zürcher Unterländer. Und noch nie spielten sie im eigenen Stadion. Gegen Dübendorf, Thurgau und Ajoie hatten sie als NLA-Klub die Pflicht, auswärts anzutreten. Aber immerhin sechsmal gingen sie durch die Auslosung und fassten jedes Mal eine Cupreise. Biel (zweimal), Ambri, Genf, Bern und nun Lausanne heissen die Destinationen, die ihnen beschert wurden.

Conacher gesperrt,Blum verletzt

Die Flyers müssen heute auf Tommi Santala verzichten, der seine zweite Sperre absitzt. Der Einzelrichter und der «Spezialist» aus Kanada haben gestern gleich drei Spieler aus der Meisterschaft mit Sperren belegt. Eine betrifft auch den SC Bern: Im Halbfinal vom Mittwoch kann er Topskorer Cory Conacher nicht einsetzen, er wurde wegen eines sogenannten «slew footing» gegen Klotens Matthias Bieber in der Schlussphase des Sonntagsspiels für einen Match gesperrt.

Und Verteidiger Eric Blum wird sogar rund acht Wochen – oder bis zum Ende der Qualifikation – ausfallen. Nicht wegen einer Sperre, sondern wegen einer Verletzung. Er erlitt am Sonntag in Kloten einen Bänderriss zwischen Schien- und Wadenbein. Zusätzlich lädiert ist der Knöchel am betroffenen Bein.

Lokomotive als Nummer 1 ins neue KHL-Jahr

Lokomotive Jaroslawl ging in der russischen KHL als Nummer 1 ins neue Jahr. Die Mannschaft, bei der sich Sean Simpson im Herbst 2014 nur kurze Zeit als Coach versuchen durfte, schlug Nowokusnetsk 3:2 und profitierte von der 3:4-Niederlage des ZSKA Moskau in Astana. Alexej Kudaschow kommt in Jaroslawl offenbar besser an als sein Trainer-Vorvorgänger aus Kanada.

Spartak Moskau, erst auf diese Saison wieder in die KHL aufgenommen, ist sportlich einigermassen gut unterwegs. Der Klub, der für seine Rückkehr sehr viele Spieler von Atlant Mytischi übernommen hat, liegt im Westen auf Platz 11. Aber eine Vereinslegende ist in Not. Fjodor Kanareikin, in nicht weniger als drei verschiedenen Amtszeiten Trainer von Spartak und vorher Meisterspieler, musste über die Feiertage erfahren, dass er an Krebs leidet und eine sofortige Operation nötig ist. Beim Spiel Witjas gegen Spartak wurde spontan Geld gesammelt, um Kanareikin zu unterstützen.

Ein doppelter Jagr genügt gegen Minnesota

In der NHL lernen die Florida Panthers ganz neue Erfolgsmomente kennen. Das 2:1 gegen Minnesota (mit Nino Niederreiter) war der neunte Sieg in Folge. So etwas haben die Panthers vorher noch nie erreicht.

Einmal mehr überraschte Jaromir Jagr mit seinen Aktionen vor, während und nach den Partien in diesen Erfolgsmomenten. Nach dem 3:0 über die Rangers absolvierte der Tscheche ganz alleine eine Trainingseinheit für sich. Im Match war er nicht zu einem einzigen Torschuss gekommen, dafür zu zwei Strafen. Das war für ihn Anlass genug, eine Extraschicht einzulegen. «Ich war nicht zufrieden mit meiner Leistung, ich wollte einfach sicher sein, dass ich im nächsten Spiel besser bin.»

Das ist dem 43-Jährigen eindrücklich gelungen. Nach nur 27 Sekunden traf er gegen Minnesota zum 1:0. Die Panthers hatten nach dem Ausgleich Glück, dass auch Nino Niederreiter eine Chance nicht an Goalie Al Montoya vorbeibrachte. Und dann kam wieder die Zeit für Jagr. Mit inzwischen 735 Treffern ist er Brett Hull auf Rang 3 der ewigen NHL-Rangliste sehr nahe gekommen. Nach seinem 13. Saisontreffer fehlen ihm noch sechs Tore.

Thoresens Vater wird Norwegens Coach

Er hat es länger ausgehalten als Ralph Krueger an der Spitze der Schweizer. Wenn Roy Johansen nach der WM in Moskau als Nationalcoach Norwegens abtritt, hat er die Mannschaft an 15 WM-Turnieren geführt (und sich mit ihr in der höchsten Division etabliert). Krueger stand ab der Saison 1997/98 an der Spitze der Schweizer Mannschaft, 2010 nach den Olympischen Spielen trat er (nicht ganz freiwillig) nach 12 WM- und drei Olympiaturnieren innerhalb von 13 Jahren ab.

Johansen trat sein Amt 2001 an, nachdem Norwegen hatte absteigen müssen. Im vierten Amtsjahr gelang die definitive Rückkehr, dreimal (2008, 2011 und 2012) standen die Norweger gar in den Viertelfinals.

Sein Nachfolger hat einen bekannten Sohn: Petter Thoresen ist der Vater des ehemaligen Lugano-Flügels Patrick Thoresen, der nun wieder in Schweden (Djurgarden) spielt. Petter Thoresen unterschrieb einen Dreijahresvertrag. Als Spieler und Coach gewann er in Norwegen 14 Titel mit Valerenga, Storhamar und Stavanger. In Stavanger ist er mit seinen zuletzt vier Titeln in Folge und dem Gewinn des Continental Cup schon beinahe eine Legende. Nur vier Norweger absolvierten mehr Länderspiele als Petter Thoresen, der auf 96 kommt.

Erstellt: 05.01.2016, 09:18 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Werbung

Branchenbox

Die wöchentliche Seite in der Printausgabe des «Zürcher Unterländer». Ihre Kontaktangaben immer online abrufbar.