Eishockey

Das war einmal ein grosses Duell

Lugano – Bern hiess von 1989 bis 1991 dreimal in Folge der Final der Meisterschaft. Es war das Duell der zwei Grossen. Ab heute greifen beideals Aussenseiter zum Titel.

Berns Goalie Jakub Stepanek könnte der Berner Trumpf sein (v. l. Tristan Scherwey und Flurin Randegger).

Berns Goalie Jakub Stepanek könnte der Berner Trumpf sein (v. l. Tristan Scherwey und Flurin Randegger). Bild: Keystone

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Es war die Zeit, als ehrfürchtig vom «grande Lugano» die Rede war, als John Slettvoll noch als Magier in der Resega (der alten) herrschte. Und als in Bern Bill Gilligan die feine Klinge führte. In den drei Jahren ab 1989, ­in denen sich die zwei Teams stets in der Finalserie duellierten, schlossen die Mannschaften entweder als Nummer 1, 2 oder 3 in der Qualifikation ab. Der SCB wurde 1989 als erste Nummer 3 in der damals noch jungen Schweizer Playoff-Geschichte Meister.

Lugano – Bern war damals das grosse Duell, ein letztes Mal noch 2004, als die zwei Mannschaften sich zum bisher letzten Mal im Final massen. Wieder als Qualifikationssieger und -Zweiter.

Der Fünfte und der Achte im Titelkampf

Ab morgen heisst es wieder Lugano – SC Bern. Aber dieses Mal kündigte sich der Kampf nicht als das Duell der zwei Grossen an, sondern als Serie der zwei Überraschungsteams. Noch nie zuvor standen der Fünfte der «normalen» Saison und der Achte einander im Titelkampf gegenüber. Bern forderte 2012 als Fünfter die ZSC Lions als Siebte, dieser Final ist noch überraschender als jener.

Und egal, wer nun Meister wird: Vor der Saison haben sehr wenige nur schon auf diese Finalserie getippt, im Herbst sowieso nicht. Da drifteten die Tessiner am Tabellenende herum, da kamen die Berner nicht richtig vorwärts. Am 22. Oktober gab in Lugano Doug Shedden seinen Einstand als Nachfolger Patrick Fischers, dessen Kontrakt noch im September vorzeitig verlängert worden war. Gut einen Monat später musste in Bern Guy Boucher seinen Platz räumen. Ihm folge Lars Leuenberger, der den SCB erst im zweitletzten Moment in die Playoffs führte.

Wieder Boden unter den Füssen

Wird Leuenberger Meister, ändert das nichts an seiner Position in Bern. Er muss seinen Posten dem Finnen Kari Jalonen überlassen. Leuenberger wäre nicht der erste Coach, der als Meister gehen muss. Da waren vor ihm schon zum Beispiel schon Alpo Suhonen (1996 in Kloten), Larry Huras, Kent Ruhnke und Harold Kreis (ZSC Lions).

Shedden wird bleiben können. Sein Vormarsch in den Final wird in Lugano als grosses Ereignis gefeiert, schliesslich fanden die Playoffs in den zehn Jahren zuvor nur am Rande in der Resega statt. Spätestens in den Viertelfinals war Endstation.

Nun haben die «ewigen Verlierer» wieder Boden unter den Füssen. Auch dank Philippe Furrer, der sie mit seinem grandiosen Penalty in Spiel 6 gegen Genf-Servette in den Final schoss. Der 31-jährige Berner ist schon jetzt eine grosse Figur auf dem Playoff-Weg des HC Lugano.

Auswärtsstärke

Ein anderes Merkmal war die unerwartete Verwandlung der Tessiner von einer ausgesprochenen Heimmannschaft zu einem Team, das wie aus dem Nichts plötzlich auswärts dominiert. Lugano gehörte in der Qualifikation in fremden Stadien zu den schlechtesten Punktesammlern. Seit Playoff-Start haben die Tessiner noch keinen Auswärtsmatch verloren. Im Viertelfinal starteten sie in Zug mit einem Erfolg nach Penaltyschiessen, zum zweiten Mal siegten sie in der Bossard-Arena gleich 5:2. In Genf gings dann gleich mit einem 5:0 weiter, den zweiten Match dort holten sie sich mit 4:3 nach Verlängerung, den vierten ebenfalls in der Overtime (3:2). Und Spiel 6 zuhause ging wieder in die Verlängerung, die eine Beute Luganos wurde. Brunner, Martensson und eben Furrer mit seinem Penalty waren die Schützen in den zusätzlichen Minuten.

Berns Goalie

Wie sehen die einzelnen Mannschaftsteile im Vergleich aus?

Bern musste wegen der Verletzung von Marco Bührer via viele Stationen den Tschechen Jakub Stepanek holen. Der 30-Jährige, der aus der KHL in die Bundeshauptstadt kam, entwickelte sich im Playoff zum höchst sicheren Wert. Seine Steigerung war Hauptgrund dafür, dass die Berner Zürich und Davos ausschalten konnten. Dazu kam das Selbstvertrauen des Teams vor eigenem Publikum. Der SCB hat noch kein Heimspiel verloren.

Die Goalieposition spricht für die Berner, Luganos Elvis Merzlikins hat zwar auch schon grosse Abende gezeigt. Aber der 22-jährige Lette mit Schweizer Lizenz ist nicht vor Fehlern gefeit.

Luganos Stürmer

«In Lugano darfst du gar nie einen ausländischen Verteidiger holen», hat Sportchef Roland ­Habisreutinger einst gesagt. Also holte er Stürmer. Und was für welche. Die Offensive Luganos ist mit viel, viel Talent besetzt. Martensson, Pettersson, Klasen, Damien Brunner sind Ausnahmespieler mit Erfahrung. Dahinter kommen die jungen wie Alessio Bertaggia oder Gregory Hofmann. Sie alle können ein Spiel entscheiden.

In Sachen Ausgeglichenheit ist der SCB im Vorteil. Die sogenannte vierte Linie mit Alain Berger (3), Pascal Berger (2) und ­Gian-Andrea Randegger erzielte in diesen Playoffs fünf Tore. Die Berner Ausländer sind weniger Künstler, dafür hervorragende Arbeiter. Und dann ist da noch Martin Plüss, der Captain. In der nächsten Woche wird der Center 39 Jahre alt. Aber noch immer hat er alles, was es braucht, um Meister zu werden. Er spielt beein­druckend.

Erstellt: 02.04.2016, 11:09 Uhr

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