Kloten

Der Captain geht für immer vom Eis

Vor dem Klotener Heimspiel heute Freitag gegen den Schweizer Meister Davos wird der langjährige Flyers-Captain Victor Stan­cescu auf dem Eis geehrt.

Eines der letzten Bilder von ihm als aktiver Spieler: Victor Stancescu im Saison-Auftaktmatch gegen Biel.

Eines der letzten Bilder von ihm als aktiver Spieler: Victor Stancescu im Saison-Auftaktmatch gegen Biel. Bild: Keystone

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Ausgerechnet Davos. Heute vor der Partie gegen den Rekordmeister aus dem Bündnerland wird Klotens langjähriger Captain Victor Stancescu geehrt und verabschiedet. Dabei verbindet Stan­cescu mit dem HCD nicht nur ­gute Erinnerungen: Zweimal verlor der zurückgetretene Stürmer mit den Flyers gegen die Bündner im Playoff-Final (2009 und 2011).

Eigentlich sollte der in Bukarest geborene Stancescu heute nicht verabschiedet werden, sondern auf dem Eis stehen und sein Team als Captain anführen. Doch es kam ganz anders. In den ersten beiden Partien der Saison gegen Biel (3:7) und bei Fribourg-Gotté­ron (3:6) stand der 58-fache Schweizer Nationalspieler noch im Einsatz. Dann musste er ­wegen Rückenproblemen passen. Doch niemand wusste damals, dass es ein Abschied für immer würde. Als Ursache für die Rückenpro­bleme entpuppte sich hernach eine Hüftoperation, die zwölf Jahre zurückliegt. Vor knapp ­ zwei Jahren spürte Stan­cescu erstmals, dass etwas nicht mehr stimmte. «Ich hatte immer grössere Probleme mit dem Tempo auf dem Eis, und auch beim Schiessen hat vieles nicht mehr geklappt», sagt der Stürmer zurück­blickend.

Das brüske Ende

Nach den ersten Spielen der laufenden Saison liess sich Victor Stan­cescu ein MRI erstellen – der Befund war niederschmetternd. Die nicht mehr funktionstüchtige Hüfte sei mit Spitzensport nicht mehr vereinbar, und eine Therapie oder Operation nütze wenig, erklärte ihm der Arzt. Und schlug vor, in Zukunft ein künstliches Hüftgelenk einzusetzen. «Eis­hockey war immer meine grosse Passion, das brüske Ende der Karriere hat mich hart getroffen», ­erklärt Stancescu. Dies spürte er vor allem, als er sich in der Ka­bine vom ­Team verabschieden musste. Immerhin fiel Stancescu in beruflicher Hinsicht nicht etwa in ein Loch. Der Sohn rumänischer Einwan­derer kann auf ein abgeschlossenes Jurastudium bauen, und im Juni 2015 bestand er die Anwaltsprüfung.

In Juniorenzeiten spielte Victor Stancescu für den EHC Illnau-Effretikon, via Zug und die ZSC Lions kam der Stürmer dann zu den Kloten Flyers. Im Alter von ­ 16 Jahren gab Stancescu in der Saison 2001/02 sein NLA-Debüt, nachdem er zuvor mit den Elite-Junioren den Meistertitel gefeiert hatte. Während seiner letzten sechs Karriere-Jahre hatte Stancescu bei den Kloten Flyers das Captain-Amt inne.

In heiklen Momenten präsent

Victor Stancescu stand in 585 Par­tien in der NLA im Einsatz, erzielte dabei 129 Tore und konnte sich 123 Assists gutschreiben lassen. Mit der Schweizer Nationalmannschaft nahm er an den Weltmeisterschaften 2011 und 2014 teil. Mit seiner kämpferischen Art diente er auf und neben dem Eis stets als Vorbild. Den Medienschaffenden stand er auch nach den bittersten Niederlagen für Interviews zur Verfügung und stellte sich der Verantwortung. Als Jurist und Anwalt half er dem Verein während der finanziellen Wirren im Sommer 2012, als die Zukunft des Klubs gefährdet war.

Nur wenige Monate nach Marcel Jenni müssen die Kloten Flyers heute mit Stancescu einen weiteren verdienstvollen Stürmer vorzeitig wegen gesundheitlicher Probleme verabschieden. Vielleicht bereiten die ehema­ligen Mitspieler ihm mit einem Sieg über Davos ja noch ein ­Geschenk.

Erstellt: 08.01.2016, 11:53 Uhr

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