Eishockey

Die Chance für einen «Aussenseiter»

Kanada will zum dritten Mal in Folge Gold holen, Russland den fünften Titel in elf Jahren – aber bei der WM in Paris und Köln könnte ein anderes Team den Sprung aufs oberste Podest schaffen.

Triumph in Moskau 2016: Kanadas Captain Corey Perry und der WM-Pokal.

Triumph in Moskau 2016: Kanadas Captain Corey Perry und der WM-Pokal. Bild: Keystone

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Zum ersten Mal nach 1951 wird in Frankreich Eishockey auf höchstem Niveau gespielt; in Deutschland liegt das letzte Turnier erst sieben Jahre zurück. Und zum dritten und wohl letzten Mal findet eine Eishockey-WM in zwei verschiedenen Ländern statt. Die IIHF fand die Idee für 2012 und 2013 reizvoll, weil sich da Finnland und Schweden als Organisatoren praktisch anboten, gemeinsame Sache zu machen. Nur zeigte sich schnell, dass die hohen finan­ziellen Erwartungen nicht erfüllt wurden. 2017 darf Köln mit guten Zahlen rechnen, in ­Paris muss man vorsichtiger sein.

Paris und Eishockey?

Irgendwie ist es auch schwierig, Paris und Eishockey unter einen Hut zu bringen. Paris und Handball, das geht. Am 29. Januar wurden die Franzosen in der Arena, in der ab heute Eishockey gespielt wird, mit einem 33:26 über Norwegen vor über 15 000 Zuschauern Weltmeister. Die Halle ist renoviert worden, aber sie war schon 1989 in Gebrauch, als die Schweizer Handballer bei der ­B-WM Platz 6 belegten und in ­Paris den Aufstieg feierten – wie die Franzosen auch.

Es ist deshalb für diese Eis­hockey-WM auch richtig, dass die Medaillenspiele in Köln ­stattfinden.­ Wer in der Lanxess-Arena am 21. Mai den Pokal stemmen darf, ist offener als auch schon. Natürlich gibt es die Favoriten aus Kanada, die 2015 und 2016 siegten. Sie liegen mit 26 ­Titeln nur noch einen hinter Russland/Sowjetunion. Die Russen wären die zweiten Kandi­daten auf Gold; sie triumphierten 2008, 2009, 2012 und 2014.

Die beiden Favoriten sind nicht angeschlagen, aber sie hinterlassen zumindest im Vorfeld den weniger starken Eindruck als in den letzten Jahren. Die Kana­dier waren in ihrem einzigen Testspiel am Dienstag in Genf zwar gut genug, um eine schwache Schweiz zu dominieren. Aber ihr Kader dürfte eigentlich nicht reichen, um das Triple zu holen. Jon Cooper ist ein Coach-Neuling an einer WM. Russlands Trainer Oleg Znarok machte den 35-jährigen Sergej Mosjakin zum Captain eines Teams, das nicht ganz so furchterregend daherzukommen scheint. Von der Mannschaft, die zweimal gegen die Schweiz verlor, sind noch drei Spieler dabei. Alexander Radulow und Ilja Kowaltschuk fehlen.

Das müsste eigentlich eine ­Offerte sein, die eine andere ­Nation annehmen sollte. Viele kommen dennoch nicht infrage. Tschechien, Schweden oder Finn­land sind die Teams, die in den letzten Jahren noch ab und zu eine Lücke zu Gold fanden und auch jetzt eine finden könnten. Allen voran die Schweden. Sie ­haben so viele NHL-Verstärkungen wie schon lange nicht mehr im Team (16); aus der eigenen Meisterschaft fanden nur drei Spieler einen Platz im Kader.

Die Finnen, letztes Jahr mit Kari Jalonen erst im Final von den Kanadiern gestoppt (0:2), treten mit einem jungen Trainer (Lauri Marjamäki) und sieben WM-Neulingen an. Zum ersten Mal seit vielen Jahren fehlt Erfolgsgarant Mikko Koivu. Jungstar Patrik Laine hat sich nach der ersten und erfolgreichen NHL-Saison eine Pause ausbedungen.

Die Tschechen feierten ihren letzten WM-Titel 2010 in Mannheim, es könnte gut sein, dass sie wieder in Deutschland auf den Thron steigen. Sie präsentieren in Paris eine starke Mannschaft und eine erfolgversprechende Mischung. Die Amerikaner versuchen erneut, mit der Jugend zu brillieren. Letztes Jahr reichte das für das Land mit den besten Junioren-Auswahlen immerhin zu Rang 4 bei den «Grossen».

Klarere Prognosen als an der Spitze kann man am Ende abgeben: Italien mit dem Thurgau-Trainer Stefan Mair wird wieder absteigen. Auch in Paris sind die Aufsteiger aus Slowenien ­erste Abstiegskandidaten. 2018 in Däne­mark spielen Österreich und Südkorea an ihrer statt in der A-Gruppe. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 05.05.2017, 09:35 Uhr

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