Die harte Arbeit an der guten Lösung

Beinahe ein Jahr dauerte es, bis die Besitzernachfolge im EHC Kloten geregelt war. Mike Schälchli hat als Architekt des Wechsels dabei so manches erlebt.

Zuerst litten sie gemeinsam mit dem Team mit, wie hier in der Abstiegssaison 2017/18 in einer Loge der Swiss-Arena, dann kamen sie immer wieder in Sachen Nachfolgeregelung zusammen: Verwaltungsrat Mike Schälchli (links) und Hans-Ulrich Lehmann, der scheidende Präsident des EHC Kloten.

Zuerst litten sie gemeinsam mit dem Team mit, wie hier in der Abstiegssaison 2017/18 in einer Loge der Swiss-Arena, dann kamen sie immer wieder in Sachen Nachfolgeregelung zusammen: Verwaltungsrat Mike Schälchli (links) und Hans-Ulrich Lehmann, der scheidende Präsident des EHC Kloten. Bild: Keystone

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Es war der 26. April 2018. Der Tag nach dem Abstieg des EHC Kloten in die Swiss League. Mehrheitsaktionär Hans-Ulrich Lehmann informierte mit seiner Crew, wie es weitergehen sollte. Und ein weiteres Mal betonte Lehmann, dass er hoffe, den Club baldmöglichst an einen oder mehrere Nachfolger übergeben zu können. Der Glattfelder Unternehmer suchte jedoch nicht selber nach neuen Besitzern, sondern er gab das Dossier an Mike Schälchli weiter. Der Klotener Geschäftsmann wurde somit zum Delegierten des Verwaltungsrats.

Er stieg in einen Prozess ein, der mehr absorbierte als erwartet. Es war eine Aufgabe, die auch mehrmals die Ferien nicht zu dem werden liess, wozu Ferien eigentlich dienen sollten: Abschalten und Erholen. Denn immer wieder gab es grössere oder kleinere Wendungen, musste dieses oder jenes kleinste Detail nachgebessert oder neu formuliert werden. Dort sprang einer ab, hier wollte der bisherige Besitzer etwas ändern, dort die neuen. Als dann am 29. April 2019 die Mitteilung wirklich an die Öffentlichkeit ging, dass der EHC Kloten in neuen Händen ist, war die Erleichterung sehr gross. Er habe grossen Respekt für Lehmann, wie der den Club übergeben habe, sagt Schälchli. Und: «Ich bin einer der glücklichsten Menschen. Dass wir das so hingekriegt haben, ist eine grosse Befriedigung.»

Keine Dosen in Kloten

«So» heisst: Der neue Verwaltungsrat (mit Präsident Rolf Tresch und Mike Schälchli als Vizepräsident, mit Heinz Eberhart und dem Delegierten Pascal Signer) weiss eine Gruppe von «zehn Freunden» hinter sich, die von einem elften, Jan Schibli, geleitet werden. Eberhart hat 1974 erstmals eine Saisonkarte gekauft und sich immer weiter engagiert, die Firma Schibli unterstützt den EHC Kloten schon seit 45 Jahren Auf dem Weg zur Übernahme von Hans-Ulrich Lehmann hat man in Kloten verschiedene Szenarien geprüft, erklärt Schälchli: «Vom Alleinaktionär bis hin zum breiter abgestützten Aktionariat.» Mit zwei Parteien, die jeweils als alleinige Besitzer übernommen hätten, wurde verhandelt.

Eine weitere Schwierigkeit: Die Nennung des Sponsors als Zusatz zum Clubnamen (wie etwa bei den Szabo Ice Tigers in Deutschland) ist in den Reglementen der Liga nicht vorgesehen. Das wiederum führte zum Bruch mit einem Interessenten. Und der Einstieg zum Beispiel eines Dosengetränkeherstellers «könnte erst Thema sein, wenn der Club kollabiert ist, ein Neuanfang gemacht werden soll», sagt Schälchli. RB Salzburg oder Leipzig im Fussball sowie RB München im Eishockey sind Beispiele aus dem Ausland. So etwas wäre in Kloten trotz des Abstiegs kaum gut angekommen. Eine Zeit lang erfolgte die Suche zweigleisig. Das heisst: Schälchli verhandelte mit einem Partner über eine Einzellösung und verfolgte parallel den Weg mit der breiten Abstützung. Selbst als Rolf Tresch im Sommer 2018 angefragt wurde, ob er mithelfen würde, waren noch beide Varianten offen.

Der Sport muss mithelfen

Mike Schälchli hat auf der Suche nach Partnern und Unterstützung Verschiedenstes erlebt. «Der EHC hat in 80 Jahren als Kulturgut für so viele Emotionen gesorgt. Gewisse Klotener Kleinbetriebe setzen sich für ihn ein, grössere aber begnügen sich zum Beispiel mit zwei Logenplätzen. Das stimmt mich nachdenklich.» An anderen Standorten wie Bern, Zug oder Langnau gehöre es zum guten Ton, einen Traditionsverein zu unterstützen.

In Kloten aber habe er auf die Leute zugehen müssen. Das ist wohl auch der Tatsache geschuldet, dass das Image des Vereins seit 2012 und den verschiedenen Besitzerwechseln doch sehr gelitten hat. Die neue Crew hat eine grosse Chance, wichtige Korrekturen anzubringen. Sie ist dabei auf die Unterstützung aus der Abteilung Sport, schlicht auf die Resultate, angewiesen. Und Schälchli sagt es richtig: «Den Nachweis, dass es in Kloten dank der breiten Abstützung wirklich ruhiger wird, müssen wir zuerst noch erbringen» Ein neuer Anfang ist gemacht. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

Erstellt: 10.05.2019, 18:05 Uhr

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