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Ein hässlicher Schweizer Sieg

Mit dem 1:0 (0:0, 0:0, 1:0) gegen die Deutschen erhöhten die Schweizer ihre WM-Punktezahl auf sieben, ihnen fehlen nach drei Auftritten nur zwei Zähler zum Maximum.

Denis Hollensteins zweiter WM-Treffer bedeutete im Gruppenspiel gegen Deutschland die Entscheidung für die Schweizer.
Denis Hollensteins zweiter WM-Treffer bedeutete im Gruppenspiel gegen Deutschland die Entscheidung für die Schweizer.
Keystone

Die Tabelle sieht gut aus: Da werden die Schweizer in der Prager Gruppe auf Platz 3 geführt, hinter Kanada und Schweden, aber drei Punkte vor den Tschechen. Die Leistungen auf dem Eis sehen weniger gut aus. Aber an Weltmeisterschaften zählen nun mal nicht Art und Weise des Auftritts, sondern nur die Zähler.

Und drei Punkte kann man auch mit nur einem einzigen Tor holen. Das zeigten die Schweizer schon 2004 an der letzten WM in Prag, als sie sich mit einem 1:0 über die Deutschen den Platz im Viertelfinal sicherten. Valentin Wirz hatte damals den Treffer im Mitteldrittel erzielt, Martin Gerber den Shutout im Tor geliefert.

Das 1:0 von gestern fiel noch später, nach 52:16. Denis Hollenstein hiess der Schütze, Leonardo Genoni war der Mann, der den Deutschen den erfolgreichen Torschuss verweigerte.

Vor elf Jahren, als noch Ralph Krueger der Coach war, wurde die Bezeichnung «hässlicher Sieg» geboren. Die über 10 000 Zuschauer wurden gestern Zeuge eines zweiten solchen Erfolgs. ­Jede Mannschaft brachte nur gerade 18 Schüsse auf das Gehäuse des Gegners zustande. Das zeigt schon auf, wie schrecklich der Match anzuschauen war.

«Wie in Lausanne»

Und der Treffer, der alles entschied, fiel so, wie er eben fallen musste in einem Duell, in dem keine Mannschaft den Fehler begehen wollte, der das Spiel entschied: nach einem Fehler. Kevin Romy fing überraschend in der Bandenecke einen Puck ab, den die Deutschen auf die Reise in die Offensive hatten schicken wollen. Damien Brunner sah, was die Deutschen nicht sahen – dass Denis Hollenstein nämlich alleine vor dem gegnerischen Goalie Timo Pielmeier stand. Für einmal kam das Zuspiel an. Hollenstein nahm den Puck, mit einer Bewegung setzte er Pielmeier ausser Gefecht, er traf backhand. «Als der Puck zu mir kam, ist mir sofort Lausanne in den Sinn gekommen», sagte der Flügel. Mit Kloten hat er in dieser Saison in Lausanne einen genau gleichen Treffer erzielt, damals hatten die Flyers gar in Unterzahl gespielt.

Hollenstein schoss bereits seinen zweiten WM-Treffer, mit acht Toren ist er der beste Schütze in Glen Hanlons erster Nationalteam-Saison. Brunner aber ist noch immer schwach.

«Es war eine sehr, sehr harte Schlacht», sagte der Coach. «Dann kam dieser Puck auf den Stock eines Spielers, in den wir sehr viel Vertrauen haben. Er machte diese grossartige Täuschung – das war es.»

Hanlon war sich bewusst, dass die Zuschauer doch ein eher langweiliges Spiel gesehen hatten. «Wir wollen eine Mannschaft sein, die offensiv spielt. Wir brauchen mehr Schüsse, mehr Druck. Wir versuchen nicht, Spiele 1:0 zu gewinnen. Aber die Deutschen verloren am Sonntag 0:10 gegen Kanada, sie spielten natürlich sehr vorsichtig.»

Wer will, kann in diesem hässlichen Sieg durchaus Positives sehen. Im Gegensatz zum Auftaktspiel gegen Österreich war die Arbeit in der eigenen Zone viel kon­zen­trier­ter, die Schweizer liessen kaum Chancen des Gegners zu. Sie versuchten alles zu tun, um dieses Spiel zu gewinnen. «Nur ist es uns nicht immer gelungen, das zu tun, was wir vorhatten», wie Roman Josi erklärte.

Matthias Bieber, dem es zusammen mit Andres Ambühl und ­Simon Bodenmann noch am ehesten gelungen war, in der gegnerischen Zone Druck zu machen, wies dar­auf hin, dass es bei dieser Wärme und auf diesem Eis höchst schwierig gewesen sei. «Wir wollten bei Scheibengewinn sofort umschalten, schnell aus dem eigenen Drittel fahren. Aber es war schwer. Die Deutschen standen auch gut. Aber ich finde, bei uns passt immer mehr zusammen.»

Loeffel für alle Fälle

Da Dean Kukan wohl heute gegen Lettland nicht eingesetzt werden kann, haben die Schweizer doch noch vorgesorgt: Romain Loeffel flog aus den Ferien ein, er wird aber erst gemeldet, wenn sich ein weiterer Verteidiger verletzt.

Heute folgt für die Schweizer der letzte Gegner, der in der Weltrangliste hinter ihnen klassiert ist: Lettland. Mit einem Sieg über die Letten wäre wohl nicht nur die Viertelfinalqualifikation Tatsache, sondern auch schon der definitive Startplatz für Olympia.

«Die Letten haben technisch sehr gute Stürmer», erinnert sich Roman Josi an frühere Partien. «Wir sind in der Defensive nicht allzu gross, wir müssen schauen, dass wir immer genügend Leute hinter dem Puck haben», fordert Hanlon. Und mit einer Änderung in der Powerplay-Aufstellung soll endlich in Überzahl Ertrag eingefahren werden.

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