Eishockey

Eine wahrlich schöne Bescherung

Der EHC Kloten ist das Team der Stunde in der Swiss League. Vor 5601 Zuschauern schlug er den HC Ajoie 5:3 (0:1, 4:0, 1:2) und machte in der Tabelle wieder einen Schritt nach vorne: Nun liegt er bereits auf Rang 3.

Erstmals von Kopf bis Fuss in Klotener Farben erfolgreich war Torhüter Joren van Pottelberghe, der bis anhin noch mit einer Davoser Maske gespielt hatte.

Erstmals von Kopf bis Fuss in Klotener Farben erfolgreich war Torhüter Joren van Pottelberghe, der bis anhin noch mit einer Davoser Maske gespielt hatte. Bild: Urs Brunner

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Die Zuschauer standen. Nicht erst am Schluss, sondern schon drei Minuten vor dem Abpfiff. Dass da Ajoie noch ein Törchen schies­sen durfte, kümmerte nieman­den mehr in der Swiss- Arena­. Die Ajoie-Fans wussten, dass das 5:3 in der zweitletzten Mi­nute nichts mehr am Ausgang ändern würde. Und Klotens Anhän­ger mussten nicht nervös werden. Ihre Mannschaft hatte auch diese Aufgabe im Griff.Das war eine wahrlich schöne Bescherung, welche die Klotener ihren Zuschauern bereiteten. Und sich selber natürlich auch ein bisschen. «Jeder hat seine Rolle gefunden», sagte Romano Lemm zu einer Leistung gegen Ajoie, die erstaunte. Am Freitag in Küsnacht hatten mit Ryan MacMurchy, Jack Combs, Jeffrey Füglister, Patrick Obrist und Marco Lehmann Topspieler gefehlt, trotzdem gab es das 3:1. Gestern fehlten die Ausländer weiterhin (Combs sass die zweite von insgesamt drei Spielsperren gegen ihn ab), Füglister und Obrist kehrten zurück. Das war gut genug, um Ajoie deutlich in die Schranken zu weisen – und in der Tabelle zu überholen.

In der liegt Kloten auf Rang 3, und eine Position unter den ersten drei Mannschaften hatte Trai­ner André Rötheli beim Saisonstart im September als Ziel vorgegeben.

14 Siege in 16 Partien

Nach dem Oktober mit den sieben verlorenen Partien in Folge hatte niemand so richtig dar­an geglaubt, dass Kloten den Turn­around schaffen würde. Doch die Antwort an all die Kritiker, die bereits auch an Rötheli zweifelten, fiel höchst eindrücklich aus.

14 der letzten 16 Partien hat Kloten gewonnen. Teilweise mit beeindruckenden Leistungen wie zum Beispiel bei Jussi Jokinens letztem Spiel für den EHC (in Olten). Oder auch wie gestern. Da lag die Mannschaft nach dem ersten Drittel, in dem Ajoie leicht die bessere Mannschaft gewesen war, 0:1 in Rückstand, weil der Gegner in doppelter Überzahl getroffen hatte. Was dann im zweiten Abschnitt folgte, riss die Zuschauer beinahe von den Sitzen. Vier Tore in 18 Minuten und eine Wende, die so manchem im Stadion ein glückseliges Lächeln ins Gesicht zauberte. Romano Lemm und Emilijus Krakauskas arbeiten sich zum 1:1; Marc Marchon erzielte 88 Sekunden später bereits­ seinen zehnten Saisontreffer (2:1); René Back traf mit einem Gewaltschuss zum 3:1. Und Ramon Knellwolf, der am Frei­tag so manche Chance aus­gelassen hatte, verwertete einen Konter unerwartet kaltblütig zum 4:1.

Die Rückkehrer Obrist und Füg­lister hatten mit je einem Assist­ ihren Beitrag zur Wende geleistet; Füglister entschied den Match definitiv für Kloten. Er kam von der Strafbank zurück und liess Ajoie-Goalie Dominic Nyffeler mit einem feinen Trick keine Chance. Mit diesem 5:1 war der Widerstand des HC Ajoie gebrochen, der bereits am 2. Dezember in Kloten verloren hatte (damals nur 2:3).

Van Pottelberghes Maske

Schon damals hatte Klotens Goalie­ Joren van Pottelberghe geheissen. Bis und mit Freitag hatte er mit einer Davoser Maske die Klotener von einem Sieg zum anderen geführt; gestern trat er erstmals mit einem Kopfschutz in den Klotener Farben auf.

Der aktuelle Klotener Schlussmann gewann das Duell mit dem der nächsten Saison klar. «Mit Joren­ im Tor haben wir einen siche­ren Wert, er hilft uns ­extrem», sagt Romano Lemm.

Manchmal frage er sich auch, meinte der Allrounder, wie es möglich gewesen sei, sieben Partien in Folge zu verlieren. «Aber jetzt hat offenbar jeder seine Rolle gefunden, jeder akzeptiert sie auch.» Und bei den vielen Ausfällen seien immer wieder andere bereit, in die Lücken zu springen. Lemm trat in den letzten Partien stets mit neuen Partnern auf, dass mit Alain Bircher und Serge Weber gleich zwei Verteidiger stürmten, wirkte sich nicht negativ aus. «Eine gewisse Ruhe und Selbstvertrauen», stellt Lemm fest. Natürlich sei das Spiel Klotens noch nicht fehlerfrei, «aber wenn einmal einem etwas misslingt, bricht nicht gerade Panik aus».

Es ist noch nicht lange her, da fragte man sich, ob Kloten überhaupt in der Lage sei, endlich einmal eine Mannschaft der Top 5 zu bezwingen. «Und nun machen wir das sogar ohne unsere zwei Ausländer», schmunzelte Rö­theli. «Die Mannschaft und der Teamgeist funktionieren momentan sehr gut», sagt der Trainer. Die Spieler seien explosiv. Und er fügt, mit Blick auf die weni­ger guten Tage, hinzu: «Wir mussten auf diese Harmonie ­warten.»

Selbst Ryan MacMurchy, in den Tagen zuvor eher mürrisch unterwegs, freut sich mit dem Team auf schöne Weihnachten. Er denkt, schon bald wieder auf dem Eis mittun zu können.

Dass Kloten auf Platz 3 Weihnachten feiert, ist eine schöne Momentaufnahme. Aber Rö­theli blickt schon weiter vor­aus. «Die letzten Leistungen sind sehr gute Voraussetzungen, um weiter zu arbeiten», sagt er. Es warten nicht nur die letzten Spiele des Jahres, sondern noch weitere Herausforderungen. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 23.12.2018, 20:11 Uhr

Telegramm

EHC Kloten - HC Ajoie 5:3 (0:1, 4:0, 1:2)
Swiss Arena. – 5601 Zuschauer. – SR: Weber, Fausel; Gurtner/Pitton. – Tore: 13. Devos (Hauert; Ausschlüsse Steiner, Monnet) 0:1. 22. (21:39) Krakauskas (Lemm, Bircher) 1:1. 23. (22:57) Marchon (Sutter, Füglister) 2:1. 3. Back (Füglister) 3:1. 39. Knellwolf (Obrist, Wetli) 4:1. 48. Füglister (Seydoux) 5:1. 53. Montandon (Privet) 5:2. 59. Joggi (Birbaum, Devos; Ajoie ohne Goalie) 5:3. – Strafen: 4x2 gegen Kloten, 2x2 gegen Ajoie. – Kloten: Van Pottelberghe; Kellenberger, Back; Ganz, Steiner; Seydoux, Kindschi; Harlacher; Marchon, Sutter, Füglister; Wetli, Obrist, Knellwolf; Bircher, Lemm, Krakauskas; Mettler, Monnet, Weber; Rehak. – Ajoie: Nyffeler; Birbaum, Hauert, Ryser, Weisskopf; Casserini, Dotti; Suleski; Petrig, Devos, Wüst; Hazen, Frossard, Schmutz; Privet, Montandon, Joggi; Thibaudeu, Macquat, Arnold. – Bemerkungen: Kloten ohne MacMurchy, Adrian Brunner (verletzt), Combs (2. von 3 Sperren), Lehmann (U20), Oliver Steiner und Yannick Brunner (überzählig); Ajoie ohne Schmidt, Pouilly (verletzt). Timeout Ajoie 58:04, bis 58:08 und ab 58:20 ohne Goalie.

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