Eishockey

«Es steckt immer harte Arbeit dahinter»

Klotens Trainer Pekka Tirkkonen verschwendet keine Energie auf Dinge, die er nicht beeinflussen kann. Der 49-jährige Finne erlebte am neuen Ort einen grossartigen Auftakt, den Cupsieg, aber auch schwere Momente wie das Verpassen der Playoffs.

Pekka Tirkkonen erlebte eine erste Klotener Saison mit einem überraschend guten Start und einem zähen Ende.

Pekka Tirkkonen erlebte eine erste Klotener Saison mit einem überraschend guten Start und einem zähen Ende. Bild: Keystone/Keystone

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Sie haben Ihre erste Saison ausserhalb Finnlands bald hinter sich. War das Jahr in Kloten das bisher schwierigste für Sie als Coach?
Pekka Tirkkonen: Auch in Finnland hatten wir mit Lappeenranta Höhen und Tiefen, verletzte Spieler, Pucks, die auf unsere Seite sprangen oder auf die des Gegners. Das Erreichen der Playoffs wäre in Kloten eine Goldmedaille gewesen. Wir haben das verpasst, wenigstens den Cup gewonnen.

Wer gut defensiv spielt, der ist auch offensiv stark – das ist Ihre Philosophie. Im Herbst sah das sehr gut aus. Nachher aber kassierte Kloten trotz zweier guter Goalies zu viele Tore. Was lief falsch?
Da waren einmal die Verletzungen von zwei Topverteidigern, Patrick von Gunten und Tim Ramholt. Junge Spieler kamen in die Mannschaft. Für ein, zwei Partien geht das gut, auf längere Zeit aber wird es schwierig. Niemand kann von ihnen erwarten, dass sie so gut sind, um gleich in der NLA zu bestehen. Dazu kam, dass wir vor unserem Tor nicht mehr genug hart arbeiteten. Wir versuchten das mit einer Änderung im Training zu verbessern. Wir müssen uns mehr darauf konzentrieren. Zu Beginn der Saison ist der Puck für uns ge­laufen, unsere beiden ersten Lini­­en produzierten hervorragend. Dann aber kreisten wir immer wieder zu oft in den Ecken. Wir müssen unsere Einstellung beim Toreschiessen ändern, mehr dreckige Goals erzwingen. Die ganze Manschaft hat nach den schönen Monaten September und Oktober ein bisschen vergessen, woher sie kommt, was ­ihre Stärken waren.

Es gab diese schwache Phase mit nur 2 Siegen in 19 Spielen. Haben die Erfolge im Cup diese Bilanz ein bisschen geschönt?

Auch in dieser Zeit habe ich im Klub von allen Seiten Unterstützung gespürt. In solchen Phasen muss man einzig versuchen, vorwärtszuschauen. Natürlich war das für jeden eine neue Erfahrung. Der Cup-Halbfinalsieg mit den vielen jungen Spielern über Lausanne hat schon geholfen. Nachher aber brachten wir nie 60 kompakte Minuten hin. Gegen Bern (Niederlage in der letzten Minute) oder Zug war es vielleicht 55 Minuten lang gut. Oder gegen Davos. Da verfehlten wir nach 55 Minuten beim Stand von 0:0 das offene Tor.Sie kennen das Business. Kamen Ihnen in den erfolglosen Zeiten nicht Gedanken, dass eine Entlassung drohen könnte?
Wenn man beginnt, sich über solche Dinge oder Fragen Gedanken zu machen, dann verliert man als Coach sofort den Fokus auf seine Arbeit. Das ist etwas, was man nicht beeinflussen kann, also sollte man darauf keine Energie verschwenden.

Wie schwer wog Tommi Santalas Abgang vor Weihnachten?
Santala war der Center unserer ersten Linie. Praplan, Hollenstein und Santala figurierten alle in den Top Ten der Schweizer Skorerliste. Jedes Team, das einen solchen Spieler verliert, ­leidet. Das alles kam unerwartet und hat die Mannschaft neben und auf dem Eis getroffen. Vielleicht heftiger und länger, als man allgemein erwartet hatte.

Droht bei einem Klub wie Kloten, der für Ausländer weniger Geld ausgibt als viele andere NLA-Vereine, ein solches Szenario nicht jedes Jahr?
Das weiss man nie. Ein Ziel von uns ist es, junge Spieler in die NLA zu bringen. Ein Traditionsverein wie Kloten ist dazu verpflichtet. Der Weg von den Junioren in die NLA aber sollte eigentlich über Winterthur und die NLB führen. Wer ein NLA-Spieler werden will, der muss sich das erarbeiten, der muss zeigen, dass er dorthin will. In diesem Winter war der Aufstieg für einige zu leicht, sie bekamen einen Platz, weil es oben an Spielern mangelte.

Höhen und Tiefen wechselten in Kloten schnell und heftig. War das eine neue Erfahrung für Sie?
Zwischen einer guten und einer schlechten Leistung sollte der Unterschied nicht so gross sein, wie er teilweise war. Wenn zu viele Emotionen dabei sind, werden die Differenzen zu gross. Die Spieler müssen sich auf die Frage konzentrieren: Warum spiele ich gut? Die Antwort ist: Wenn du gut spielst, steckt immer harte Arbeit dahinter. Es gibt keine Zaubereien oder Wunder. Der schlimmste Gegner eines jeden Sportlers ist der Spieler selber. Eishockey ist nun einmal ein physischer Sport. Vor 40 Jahren wars vielleicht anders, aber heute steht hinter allem die Arbeit.

Was haben Sie aus Ihrem ersten Jahr in Kloten gelernt, was wollen Sie in der nächsten Saison anders machen?
Mein Assistenzcoach Nik Gällsted und ich werden den ganzen Sommer über planen und diskutieren, was wir ändern wollen. Vielleicht kleine taktische Dinge, wir werden wohl auch gewisse Dinge im Training umstellen. Ein wichtiger Punkt wird sein: direkter zum Tor gehen. Dabei gilt es aber zu berücksichtigen, dass wir immer noch ein Team mit guten läuferischen Fähigkeiten sind.

Was benötigt Kloten, um einen Schritt vorwärtszugehen?
Wir brauchen Center, und die finden wir wohl nur im Ausland. Sportchef Pascal Müller und wir Trainer müssen unsere Hausaufgaben machen und uns gut über Kandidaten informieren. Dann braucht es einen guten Teamgeist, wir müssen die richtigen Teile finden, mit denen wir ein Erfolgspuzzle zusammensetzen können. Die Nachwuchsspieler müssen physisch einen grossen Schritt machen. Aber auch bei den bestandenen Leuten gibt es Dinge, die sich den Sommer über verbessern lassen.

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Erstellt: 13.03.2017, 20:45 Uhr

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