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«Grösser, stärker und schneller»

Tommi Santala hat vor Weihnachten Kloten Richtung KHL verlassen. Inzwischen hat er mit sieben Skorerpunkten aus fünf Partien gezeigt, dass er auch in Russland ein Topcenter ist.

Tommi Santala ist mit seinem neuen Arbeitsplatz zufrieden, aber was in Kloten vorgeht, interessiert ihn weiterhin stark. Über die Resultate ist er bestens informiert. Im Bild trägt er, wie in seiner Zeit in der Flughafenstadt häufig, den gelben Helm, der ihn als besten Skorer seines Teams kenntlich macht.
Tommi Santala ist mit seinem neuen Arbeitsplatz zufrieden, aber was in Kloten vorgeht, interessiert ihn weiterhin stark. Über die Resultate ist er bestens informiert. Im Bild trägt er, wie in seiner Zeit in der Flughafenstadt häufig, den gelben Helm, der ihn als besten Skorer seines Teams kenntlich macht.

Am Montagmorgen, 19. Dezember, informierte Tommi Santala seine Mitspieler beim EHC Kloten und verabschiedete sich von ihnen Richtung KHL und Magnitogorsk. Der 37-jährige Finne blieb bis zum letzten Moment korrekt, er hielt sich an alle Abmachungen und Versprechungen – wie man es sich von ihm gewöhnt ist. Damals durften weder er noch der Verein Details und Hintergründe zur überraschenden Trennung nennen. Eine Trennung, die eigentlich beide Seiten nicht gewollt hatten. Nun, da der Wechsel vollzogen ist, kann Santala über die Gründe sprechen – und auch über seine ersten Erfahrung in einer neuen Eishockeywelt, in der er für das Topteam Metallurg Magnitogorsk spielt. «Magni», wie er den Klub nennt, hat im letzten Frühling den Gagarin Cup gewonnen und ist aktuell Leader im Osten. Tommi Santala hat in seinen ersten fünf Spielen für den neuen Klub bereits sieben Skorerpunkte erzielt. Und das sagt der Finne zu Themen, die ihn seit Dezember beschäftigten, und zu seinen ersten Eindrücken in der KHL:

Transfer

«Das Interesse von Magnitogorsk war schon einige Zeit vorhanden, seit der Pole Wojtek Wolski verletzt war. Metallurg scoutet die Spieler, die es will, sehr genau. Sie wussten, dass sie mit mir nicht einen Flügel wie Wolski, sondern einen Center bekommen. Die Entscheidung, Kloten zu verlassen, war unglaublich hart. Im Sommer, als der Konkurs bevorstand, habe ich einer Lohnreduktion von 50 Prozent zugestimmt. Vor Weihnachten diskutierten wir über eine Verlängerung, Kloten bot mir eine Verlängerung um ein Jahr an, ich hätte nochmals Einbussen hinnehmen müssen. Ich hätte die sogar akzeptiert, wenn ich einen Vertrag über zwei Jahre erhalten hätte. Das aber wollte Kloten nicht. Deshalb habe ich mich für das Angebot von Magnitogorsk entschieden.»

Es war keine leiche Entscheidung für Santala, dessen Familie und dessen Kinder sich am Wohnort Winkel und in der Schule so wohl fühlen. Die Auflösung des Vertrags mit Kloten lief exakt und korrekt nach den Bedingungen ab, keine Partei hat der andern etwas vorzuwerfen.

«Ich habe die Haltung von Kloten in dieser Angelegenheit zu respektieren, ich tue das auch; aber Kloten muss auch verstehen, dass ich für mich selber schauen musste.» Santalas Vereinbarung mit Metallurg läuft bis Ende Saison. Über Geld spricht man nicht, aber man liegt nicht falsch, wenn man annimmt, dass der Finne in diesen vier Monaten mehr als in zwei Jahren Kloten verdient. Und wenn er gut spielt, wird er, trotz seiner 37 Jahre, wieder einen Vertrag erhalten. Wenn nicht in Magnitogorsk, so woanders.

Team und Tore

Bis gestern absolvierte Santala 5 Spiele. Einen Match verlor Magnitogorsk, vier Siege gab es. Santala hatte mit 7 Skorerpunkten (1 Tor) grossen Anteil daran. «Alles lief bis jetzt sehr gut, ich spiele zusammen mit Alexander Semin und Oskar Osala in der zweiten Linie. Osala kenne ich von früher her, er hilft mir, wo er kann. Es ist das erste Mal seit langem, dass ich nicht in der ersten Linie stehe. Aber da sind hervorragende Spieler wie Captain Sergej Mosjakin oder der Tscheche Jan Kovar.» Mosjakin ist der Topskorer der KHL, Kovar gehört zu den Top 5.

Seinen ersten Treffer schoss Santala in Ufa, es war der «Gamewinner». Die erste Linie war in den letzten fünf Partien nicht sehr produktiv, Santalas Formation übernahm den Lead. Mit dem hervorragenden Techniker Semin, der eine lange NHL-Zeit hinter sich hat, «der schon ein bisschen älter ist», wie Santala sagt. Ganz ernst kann er das nicht meinen. Semin ist «erst» 32.

Mit Osala wechselt sich Santala bei den Bullys ab. Im Powerplay spielt er als zweiter Verteidiger an der blauen Linie und kommt dank seinen harten Schüssen zu Punkten.

Ambitionen

Ein weiterer Grund für die Topposition in der Liga liegt beim Torhüter: «‹Wir haben den besten›, hat mir Osala gesagt.» Wasili Koschetschkin heisst die Nummer 1. Und der Trainer «ist hervorragend», wie Santala einschätzt. Es ist Ilja Worobjew, Sohn von Pjotr Worobjew, der auch schon in diversen Klubs coachte. Der Metallurg-Coach gehört auch zum Stab der russischen Nationalmannschaft. Einige Worte Russisch hat Santala schon aufgeschnappt. «Eishockey wird in Russisch erklärt, aber der Coach und ein Assistenztrainer sprechen hervorragend Englisch.»

Santala spielt zum ersten Mal in einer Mannschaft, die als Titelverteidiger auftritt. «Jeder will uns schlagen», hat er bereits gespürt. Aber auch dies: Er hat eine grosse (und vielleicht letzte) Chance auf seinen ersten grossen Titel, Metallurg ist in jeder Beziehung ein Topteam.

Und das Niveau im Vergleich zur Schweiz? «Grösser, stärker und schneller», beschreibt Santala. «Es wird nicht nur defensivgespielt, es gibt viel Raum für die Offensive, die Strukturen sind hervorragend.»

Reisen

Kaum hat er seinen «Dienst» bei Magnitogorsk angetreten, ging es durch verschiedene Länder: «Zuerst musste ich in Helsinki meine Papiere in Ordnung bringen, dann bin ich in der Slowakei, in Bratislava, zum Team gestossen. Gegen Slovan absolvierte ich meine erste Partie, danach flogen wir nach Astana in Kasachstan. Wir sind mit einem modernen Charterflugzeug unterwegs, bis jetzt haben mich die Reisen noch nicht gross gestresst. Allerdings habe ich die Flüge nach Wladiwostok oder China noch vor mir.» Gesehen hat er von den bisher besuchten Städten wenig, es blieb kaum Zeit dazu. Vielleicht kann er sich die später nehmen, wenn er sich an die neue Umgebung besser gewöhnt hat.

Wohnung

«Nach dem dritten Match in Ufa flogen wir nach Magnitogorsk. Ich wohne dort in einem Block, in dem noch weitere Spieler und Angestellte des Vereins untergebracht sind. Wir feierten im Verein Silvester und Neujahr. Die Einkaufsmöglichkeiten sind gut, es fehlt an nichts. Die Verständigung ausserhalb des Eishockeys ist ein bisschen schwierig.»

Nach dem Jahreswechsel ging «Magni» wieder auf Reisen. Santala wird sein Debüt vor heimischem Publikum erst am 11. Januar im Match gegen den HC Sotschi geben, heute absolviert er den letzten Match seiner ersten Auswärtstournee in Kasan.

Familie

Frau und Kinder sind noch in der Schweiz. «Für sie ist es hart, vorher sahen sie mich jeden Tag. Ich habe wenigstens das Eishockey, mit dem ich mich beschäftigen kann.» Am 19. Januar, wenn die KHL ihren Betrieb wegen der All-Star-Woche unterbricht, fliegt Santala kurz nach Finnland.

Die zehntgrösste Jacht der Welt

Auf Metallurg Magnitogorsk wurde man in der Schweiz erstmals so richtig aufmerksam, als die Mannschaft 2009 im Final der Champions League gegen die ZSC Lions spielte und verlor. Der Besitzer hiess damals schon Wiktor Raschnikow. Er wurde 2016 vom Forbes-Magazin in der Rangliste der Reichsten mit einem Vermögen von 3,8 Milliarden Dollar auf Platz 407 geführt. Weiter vorne steht er mit seinem Schiff: Die Ocean Victory ist die zehntgrösste Jacht der Welt. Raschnikow begann als kleiner Arbeiter 1967 im Stahl- und Eisenwerk (MMK) von Magnitogorsk. Der 62-Jährige kletterte Stufe um Stufe hinauf, 1991 wurde er Chefingenieur, 1997 Generaldirektor, seit 2005 ist er Chairman, 2007 ging er mit MMK an die Börse. 2011 gab er seine Position als CEO auf, aber noch immer gibt er die Richtung vor. Eishockey wurde zuerst in Tscheljabinsk gespielt, erst später kam es nach Magnitogorsk, wo auch Dave King einst arbeitete. «King of Russia», sein Buch, lehnt sich an die Zeit in Magnitogorsk an.

Das 204. Zürcher Derby

Nur zwei Tage nach dem Cup-Halbfinal folgt in Kloten ein noch fast wichtigeres Spiel: Zum fünften Mal in dieser Saison treffen Kloten und die ZSC Lions aufeinander. Beide Teams gehen mit Erfolgserlebnissen ins 204. Derby der Geschichte: Die Lions siegten am Sonntag in Bern nach Penaltyschiessen 2:1; Kloten gewann im Cup mit dem 3:2 gegen Lausanne nach acht Niederlagen in Folge endlich wieder.

Die ZSC Lions stellten gestern im Vorfeld der Partie mit zwei Vertragsverlängerungen einiges klar: Patrick Geering unterzeichnete für zwei weitere Saisons, Niklas Schlegel für ein Jahr. Bei Goalie Schlegel hatte die eine oder andere Seite einen Wechsel nach Kloten vermutet.

In dieser Saison steht die Derby­bilanz unentschieden: Kloten gewann die ersten zwei (im Hallenstadion), die Lions die nächsten zwei. Bei 110 Siegen steht Kloten, bei 80 der ZSC.

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