Eishockey

Kampf gegen rosarote Elefanten

Entgeht der dienstälteste Club der Liga dem Abstieg? 56 Jahre verdichten sich zu einem Abend.

Alles oder Nichts: In einer engen Serie fällt heute die Entscheidung.

Alles oder Nichts: In einer engen Serie fällt heute die Entscheidung. Bild: Keystone

Diese Art von historischem Ereignis hätten sie sich gerne erspart in Kloten. Denn im besseren Fall ist der 25. April 2018 das Datum, an dem der EHC im allerletzten Moment den Abstieg ab­gewendet hat. Im schlechteren Fall aber wird sich der heutige Tag in die Herzen der Fans brennen wie einst das Attentat auf US-Präsident Kennedy oder die erste Mondlandung ins kollektive ­Gedächtnis. Nur dass diese Ereignisse weniger weit zurückliegen als die 56 Jahre,welche die Unterländer mittlerweile in der höchsten ­Schweizer Liga dem Puck nachjagen.

Und so entscheidet das 68. Saisonspiel 2017/18 über das Ende einer Ära, über Arbeitsplätze und Identität. Einst stand der EHC für Eisballett, Meisterehren und die besten Junioren im ganzen Land. Nichts von alledem passt zu Zweitklassigkeit. Der Abstieg würde auch das Klotener Selbstverständnis in seinen Grundfesten treffen. Alle wissen das, alle spüren das. Und doch ist es überlebenswichtig, dass die entscheidenden Akteure es verdrängen. «Daran denke ich gar nicht», entfuhr es Interimstrainer André Rötheli nach dem Montagsmatch auf die Frage, ob er auch all die Jobs und Schicksale im Kopf habe, die nun auf dem Spiel stehen. Und Stürmer Matthias Bieber sagte, er blicke dem Match «grundsätzlich wie allem anderen entgegen, jetzt geht es halt noch ein Spiel länger».

Spieler und Trainer müssen so reden, müssen sich aufs Wesentliche konzentrieren. Doch es ist ein bisschen wie mit rosaroten Elefanten: Je öfter man behauptet, nicht an sie zu denken,desto mehr sind sie im Kopf präsent. Locker ein­geschlafen ist gestern kaum ein Klotener.

Das muss nicht einmal mit Angst zu tun haben. Denn das Scheitern ist in der Ligaqualifikation ja nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist unvergesslicher Ruhm. So nutzte 1999 Todd Elik das Entscheidungsspiel gegen Chur zur persön­lichen Mythosbildung, als er seinen Langnauern nach 0:2-Rückstand mit einem Tor und sechs Assists den Klassenerhalt sicherte.Und Kevin Schläpfer – dies aus Klotener Sicht eine eher bittere Pointe – gründete seine Trainerlaufbahn darauf, dass er als Bieler Sportchef zweimal im letzten Moment an die Bande stieg und jeweils im Entscheidungsspiel den Klassenerhalt schaffte.

Damit sind drei der vier Fälle erwähnt, in denen der letzte Platz der höchsten Liga in einem Game 7 vergeben wurde. Jene drei, die Kloten Mut machen können, weil bei ihnen der Ober­klassige gewann. Weniger gut erging es 2005 dem Lausanne HC. Die Waadtländer hatten die Qualifikation auf dem letzten Rang beendet – wie Kloten. Hatten den Playout-Final 1:4 verloren – wie Kloten. Und hatten einen echten Aufstiegsaspiranten zum Gegner – wie Kloten. Basel hiess der damals und krönte eine vom ersten Spieltag an dominante Saison in der Belle mit einem 4:0-Auswärtserfolg.

Im schlimmsten Fall kann aber sogar dieses Beispiel den Klotenern Hoffnung geben. Denn ­Lausanne kehrte längst in die National League zurück, wogegen Basel heute in den Niederungen der Drittklassigkeit dümpelt. Ein Abstieg ist nicht das Ende, lautete dann der Trost – es fühlt sich nur so an. Alles andere wäre nach 56 Jahren höchste Liga auch absurd.

Sieg oder Abstieg, Mythos oder Endzeit: Heute ab 20.15 Uhr verdichtet sich ein halbes Jahrhundert Sportkultur zu einem einzigen, alles entscheidenden Moment. Nur daran denken will keiner. Philipp Muschg

Erstellt: 25.04.2018, 09:51 Uhr

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