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Lugano erzwingt eine Finalissima

Lugano hat sich mit einem Kraftakt in Zürich die ultimative Chance auf den ersten Titelgewinn seit 2006 erkämpft. Nach dem 2:3 sind die Lions endgültig in eine unangenehme Lage geraten.

Die Entscheidung: Lugano erzwingt in der 57. Minute die Finalissima.

Zwei Meisterpucks haben die Lions vergeben, deshalb endet der Showdown am kommenden Freitag mit einer klassischen Finalissima. Die Vorteile liegen wohl nicht mehr in den Händen der Zürcher, die erst zweite Heimniederlage gegen den HCL innerhalb der letzten drei Jahre dürfte nachhallen - ebenso wie die jüngste Bilanz in der Resega. Seit 145 Minuten sind die Lions auswärts torlos.

Erlösender Schrei: Julian Walker und sein Lugano erzwingen eine Finalissima in Lugano.
Erlösender Schrei: Julian Walker und sein Lugano erzwingen eine Finalissima in Lugano.
Ennio Leanza, Keystone
Enttäuschung beim ZSC: Roman Wick und die Lions können auch den zweiten Meisterpuck nicht verwerten.
Enttäuschung beim ZSC: Roman Wick und die Lions können auch den zweiten Meisterpuck nicht verwerten.
Ennio Leanza, Keystone
Das Objekt der Begierde: Wer den Pokal in die Höhe stemmen darf, wird erst am Freitag in Lugano entschieden.
Das Objekt der Begierde: Wer den Pokal in die Höhe stemmen darf, wird erst am Freitag in Lugano entschieden.
Patrick B. Kraemer, Keystone
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Und nach der späten Entgleisung von Fredrik Pettersson gegen Maxim Lapierre werden sie unter Hochdruck ohne ihren besten Torschützen auskommen müssen. Wobei: In der Verfassung der letzten sechs Partien, der Schwede erzielte nur einen Skorerpunkt und verlor das Duell mit Luganos Parade-Linie um Längen, war Pettersson kein Faktor mehr.

Jani Lajunen wird zum Matchwinner

Mit dem markanten, aber letztlich ergebnislosen Aufkommen Zürichs verschärfte sich die Gangart im Rink. Beidseits touchierten die Akteure die Limiten. Kernige Checks, verbale Scharmützel, Playoff-Hockey in Reinkultur. Die Lions investierten enorm viel, die Bianconeri stemmten sich im robusten Kollektiv bis zum letzten Tropfen Energie dagegen.

Und als sich die ermüdeten Tessiner nur noch um den destruktiven Part kümmerten und taumelten, hielten sie sich dennoch auf den Beinen. Ihr Herz war grösser als die Abschlussqualitäten der Zürcher. Und als sich eine minimale Chance bot, dem Dauerdruck zu entweichen, griffen die Südschweizer zu: 218 Sekunden vor Schluss fand Jani Lajunen mit einem Schlenzer den entscheidenden Raum zum Coup vor.

Richtiges Puckmanagement

Ein Dokument von Luganos Entfesselungskunst war bereits Grégory Hofmanns 14. Playoff-Tor - eine Zürcher Strafe genügte zum zweiten Tessiner Führungstor (46.). Zur Dramaturgie passte indes auch, mit welcher Rohkraft die Einheimischen ein nächstes Comeback erzwangen. Kevin Klein verschaffte sich mit der Wucht und Erfahrung seiner 700 NHL-Partien Zutritt in der Tessiner Zone - der Rest war die wunderbare Zugabe: ein brachialer Slapshot ins Lattenkreuz. Der späte Konter Luganos relativierte das 2:2 zum Leidwesen Kleins.

Das richtige Puckmanagement sei der entscheidende Faktor, meldete Maxim Lapierre am letzten Samstag nach der 4:0-Gala vor eigener Kulisse. Der in der aktuellen Kampagne brillante Kanadier verbreitete keine Floskeln; die Squadra befolgte die Empfehlung ihres Topskorers. In der Startphase kontrollierten die Gäste die Scheibe ausnahmslos in günstigen Momenten und verschafften sich früh einen ersten Vorteil.

Zürcher Reaktion im Mitteldrittel

Aus der Optik der Lions hingegen verliefen die ersten 20 Minuten erneut enttäuschend. Zum vierten Mal in Folge liessen sich die Zürcher düpieren. Die angedachte Startoffensive fand nicht statt - im Gegenteil: Die zunächst instabile Defensive liess sich sofort in heikle Szenen verwickeln und verhielt sich beim ersten Gegentor ungeschickt.

Früher Treffer: Das 1:0 von Lugano im ersten Drittel. (Video: Tamedia/SRF)

Eine kräftige Zürcher Reaktion blieb nicht aus. Die Angriffswellen setzten zwar verspätet ein, dafür umso intensiver. Ab dem zweiten Drittel erspielten sich die immer wilderen Lions eine Flut von Chancen. Keeper Elvis Merzlikins geriet minutenlang unter Beschuss wie selten zuvor in diesem finalen Duell.

Mehr als ein 1:1-Zwischenstand resultierte für die Einheimischen trotz 30:12 Schüssen bis zur zweiten Pause nicht. So energisch die Zürcher die Tessiner umklammerten, so gering war die Effizienz der Offensive. Optisch machte der Angriff vieles richtig, aber vor Merzlikins verflüchtigte sich die Durchschlagskraft.

ZSC Lions - Lugano 2:3 (0:1, 1:0, 1:2)

11'200 Zuschauer (ausverkauft). SR Eichmann/Hebeisen, Borga/Kaderli. Tore: 4. Walker (Johnston) 0:1. 25. Korpikoski (Kenins, Klein/Ausschluss Fazzini) 1:1. 46. Hofmann (Sanguinetti/Ausschluss Schäppi) 1:2. 48. Klein (Herzog) 2:2. 57. Lajunen (Furrer) 2:3. Strafen: 5mal 2 plus 5 Minuten (Pettersson) plus Spieldauer (Pettersson) gegen den ZSC, 7mal 2 Minuten gegen Lugano. PostFinance-Topskorer: Pettersson; Lapierre.ZSC Lions: Flüeler; Klein, Phil Baltisberger; Sutter, Geering; Berni, Marti; Guerra; Chris Baltisberger, Schäppi, Herzog; Pettersson, Shore, Korpikoski; Wick, Suter, Kenins; Künzle, Prassl, Miranda.Lugano: Merzlikins; Sanguinetti, Vauclair; Ulmer, Wellinger; Johnston, Furrer; Riva; Lapierre, Lajunen, Hofmann; Walker, Sannitz, Reuille; Fazzini, Morini, Bertaggia; Vedova, Romanenghi, Zorin.Bemerkungen: ZSC Lions ohne Blindenbacher, Nilsson, Sjögren (alle verletzt), Vey, Pestoni, Bachofner, Pelletier, Karrer, Hinterkircher (alle überzählig), Lugano ohne Chiesa, Brunner, Bürgler, Cunti, Ronchetti (alle verletzt), Klasen, Etem (beide überzählig). 2. Pfostenschuss von Lajunen. ZSC ab 59. (58:40) ohne Goalie, in der 60. (59:42) Timeout der Lions.

lif/sda

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