Seine 24 hängt in Helsinki unter dem Dach

Assistenztrainer Waltteri Immonen sorgt dafür, dass weiterhin ein Finne in Kloten eine wichtige Rolle innehat – und er bringt mehr als nur ein bisschen internationalen Glamour in den Club.

Immer mit Herzblut dabei ist Klotens Assistenztrainer Waltteri Immonen (links). Hier beim Spiel gegen Visp neben Materialwart Martin Keller und  Verteidiger Philippe Seydoux (Nummer 81).

Immer mit Herzblut dabei ist Klotens Assistenztrainer Waltteri Immonen (links). Hier beim Spiel gegen Visp neben Materialwart Martin Keller und Verteidiger Philippe Seydoux (Nummer 81). Bild: Leo Wyden

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Das Lederteil in der Klotener Trainergarderobe hat ausgedient. An seiner Statt steht dort ein Möbelstück, das sich mit ein, zwei Handgriffen in ein Bettsofa verwandeln lässt. Waltteri Immonen kann sich dort an Spieltagen, wenn er nach dem Aufwärmtraining nicht mehr an seinen Wohnort Zug zurückkehrt, ein bisschen ausruhen. Als Sean ­Simpson, in der gleichen Gegend wie Immonen zu Hause, noch Kloten-Coach war, stand ihm zu diesem Zweck ein Hotelzimmer zur Verfügung. In der Swiss League ist halt auch das anders.Immonen, der jeden Morgen bereits um sieben Uhr im Büro ist, stört sich nicht daran. Denn sein Leben ist Eishockey – «vielleicht sogar zu viel Eishockey», wie er selbst sagt. Aber so war er schon als Spieler. Trotz seiner geringen Körpergrösse wuchs er zu einem der führenden Verteidiger der finnischen Meisterschaft heran, dazu gewann er zweimal WM-Silber. «Ich habe in jedes Training, in jeden Match so viel Energie investiert. Ich musste das, um meiner Rolle gerecht zu werden.» Seine Rolle war die eines Führungsspielers in «seinem» Klub. Und der hiess während 34 Jahren Jokerit Helsinki, ehe Immonen ab 2009 bis letzten Frühling in Zug arbeitete.

In Finnland nennen sie ihn «Wade», in Kloten «Walti». In Kloten setzt er die Tradition von den Finnen fort, die enorm wichtig sind für den Verein. 1998 kam Wladimir Jursinow als «finnischer» Trainer aus Turku, 2001 lockte er Kimmo Rintanen zum Club, später folgte – bis letzten Frühling – Tommi Santala. In Kloten sieht Immonen täglich unter dem Dach die Nummer 24 hängen, die Felix Hollenstein gehört. Immonen trug die ganze Jokerit-Zeit über die gleiche Nummer.

Der geborene Captain

Seine 24 hängt in Helsinki unter dem Dach der Hartwall-Arena. Er war der erste Spieler Jokerits, dessen Rückennummer nicht mehr vergeben wird. Vor Jari Kurris 17 zum Beispiel. Er hat sich das verdient für seine Klubtreue, für seine Leistungen. Er kam im gleichen Jahr zur Welt, in dem Jokerit gegründet wurde (1967), «er ist der geborene Captain», würdigt ihn der Verein. Von 1991 bis 1999, zu seinem frühen Karriereende, trug er das «C» auf der Brust.

Und duellierte sich in dieser Zeit vor allem mit Wladimir Jursinows TPS um die Vormachtstellung im Lande. «Er war ein sehr kluger Spieler», erinnert sich Jursinow an Immonen. «Das musste er auch sein mit der Grösse von nur 1,73 m.» Immonen gewann als Spieler vier Titel mit Jokerit, als Mitglied des Trainerteams einen. Dazu siegte Jokerit, das nun in der KHL spielt, zweimal in der Europa League.

Immonen nimmt in der Geschichte Jokerits noch einen andern speziellen Platz ein: Er war 2005 der erste «eigene» Trainer der ersten Mannschaft – er war damals gerade mal 38 Jahre alt. «Ich hatte nicht den Mut, das Angebot abzulehnen. Eigentlich fühlte ich mich noch nicht bereit für diese Aufgabe.» Es lief nicht gut. Immonen musste sein Amt während der Saison abgeben, aber er blieb – so funktioniert das in Finnland sehr oft – im Trainerstab.

Götti Räikkönen

Zuerst einmal lüftete er den Kopf durch und begab sich nach Anaheim. Während eines Monats fuhr er dort herum und sah sich eine ganz andere Eishockey-Welt an. Sein Gastgeber war Teemu Selänne. Den besten finnischen Stürmer der Geschichte und Immonen verbindet eine tiefe Freundschaft. Selänne ist drei Jahre jünger als Immonen, aber als er zu Jokerit kam, spielte er in der gleichen Alterskategorie wie der Verteidiger. Zusammen wurden sie Juniorenmeister, 1991 holten sie auch den richtigen Titel mit Jokerit. Danach verabschiedete sich Selänne in die NHL.

Die Freundschaft aber hält an. Als Immonen 2014 zum zweiten Mal heiratete, fand der Polterabend auf Selännes Jacht statt. Mit Selänne gründeten Immonen und andere Eishockeykollegen von früher die Organisation Finnish Flash. In jedem Sommer betreuen sie rund 160 Kinder in ­Eishockeycamps, alle Einnahmen gehen an gemeinnützige Organisationen.

Selänne mit seiner «goal-scoring-clinic» nach Kloten lotsen ist ein grosses Ziel von Immonen, der bei den Jungen noch so viel Potenzial sieht – auch in Bereichen der Ernährung und Erholung. Aber schon jetzt bringt der Assistenztrainer mehr als nur ein bisschen internationalen Glamour nach Kloten. Formel-1-Pilot Kimi Räikkönen zählt ebenfalls zu seinem Freundeskreis. Durch Räikkönen hat er seine zweite Frau kennen gelernt, Kimi ist Götti von Immonens jüngstem Sohn. Der «Eismann» engagierte sich zu Immonens Zeit schon beim EVZ, er wird bald – wenn seine Saison zu Ende ist – wohl im einen oder andern Kloten-Training auftauchen. Als Teilnehmer. Im Dezember findet in der Swiss Arena ein Turnier mit Kimis Freunden statt.

Das sind rosige Aussichten in einer Zeit, in der das Swiss-League-Team Kloten trüber als der trübste Herbst spielt.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 25.10.2018, 22:06 Uhr

Neuer Ausländer für Kloten

Heute in Biasca wird er noch nicht spielen, doch am Sonntag gegen die GCK Lions könnte er verfügbar sein: Kloten hat gestern mit Jack Combs einen dritten Ausländer verpflichtet. Der 30-jährige Amerikaner ist ein Flügelstürmer, der in den zwei letzten Saisons in der DEL für Bremerhaven und Iserlohn in 103 Partien 49 Tore und 30 Assists erzielt hat. Combs blickt auf 162 Spiele in der AHL zurück. «Wir brauchen Tore», sagte Sportchef Felix Hollenstein zum Engagement. Die Werte von Combs in der DEL deuten es klar an: Er ist ein klassischer Torjäger, mit 1,83 m Grösse auch physisch höchst respektabel. jch

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