Triathlon

«Es ist wie Vanille- und Himbeerglace»

Der Dielsdorfer Jan van Berkel wiederholte an der Derniere des Ironman Switzerland in Zürich seinen Sieg aus dem Vorjahr und stieg am Tag nach dem Triumph nur aufs Velo, um Gipfeli zu holen.

Freunde unter sich: Der Walliseller Sven Riederer (links) war im letzten Rennen seiner Karriere der Einzige, der Jan van Berkel auf der Laufstrecke folgen konnte.

Freunde unter sich: Der Walliseller Sven Riederer (links) war im letzten Rennen seiner Karriere der Einzige, der Jan van Berkel auf der Laufstrecke folgen konnte. Bild: Keystone

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Jan van Berkel, es ist der Morgen nach Ihrem grossen Erfolg, und Sie sind bereits wieder unterwegs. Oder noch immer?
Jan van Berkel: Nein, ein bisschen Schlaf hatte ich schon. Allerdings habe ich bis spät in die Nacht gebraucht, um herunterzufahren und die vielen Nachrichten zu beantworten. Um fünf Uhr morgens bin ich bereits wieder aufgewacht und habe damit begonnen, mein Material aufzuräumen, das noch im ganzen Haus verstreut war. Und dann bin ich aufs Velo gestiegen.

Schon wieder?
Nur, um Gipfeli zu holen.

Vor einem Jahr haben Sie im siebten Anlauf erstmals in Zürich gewinnen können. Heuer war der Tag der Bestätigung. Welcher Sieg hat Sie mehr umgehauen?
Die beiden Siege sind absolut gleich zu gewichten. Der erste war nach so vielen Niederlagen sehr speziell und eine grosse Erleichterung für mich. Der jüngste Erfolg hingegen gibt mir das Gefühl, dass ich letzten Sommer in Zürich verdient die Nummer 1 geworden bin. Es ist wie mit Vanille- und Himbeerglace, beides schmeckt fein.

Sie machten am Sonntag buchstäblich einen eisernen Eindruck. Haben Sie sich auch so gefühlt?
Ja, ich hatte an diesem Tag das Gefühl von Stärke, bereits während des Schwimmens habe ich es gespürt. Auch die Zahlen zeugen davon: Ich bin als Erster aus dem Wasser gekommen, auf dem Velo in der Spitzengruppe gefahren und auf der Laufstrecke irgendwann vorne weg gewesen. Auch gegen Ende des Rennens hatte ich noch körperliche Reserven. Taktisch bin ich den Marathon sehr aggressiv gelaufen, ich hatte ein Tempo, mit dem ich ansonsten die Laufstrecke eines Half-Ironman bestreite.

«Jetzt habe ich
sowieso einen viel zu
grossen Muskelkater, 
um an den nächsten 
Ironman zu denken.»
Jan van Berkel

Zu Beginn des Marathons war Ihnen einzig noch Sven Riederer auf den Fersen. Haben Sie mit Ihrem langjährigen Trainingsgefährten und Freund auf der Strecke ein paar Worte gewechselt?
Ja, wir haben kurz zueinander gesagt, wie grossartig es doch ist, dass wir Unterländer Buebe an dieser Derniere in Zürich den Tarif durchgeben können.

Das perfekte Drehbuch also. Oder gibt es eine Stelle, an der sie den Plot anders geschrieben hätten?
Ja, der Abspann hat mir nicht so gefallen. (lacht) Im Ziel ging es mir nämlich erst einmal ziemlich mies. Nach einer Viertelstunde war ich aber wieder auf den Beinen und auch ansprechbar.

Vor 20 Jahren sind Sie als Primarschüler am Ironman Kids gestartet, nun hatten Sie Ihren letzten Auftritt in Zürich, da der Ironman Switzerland nun zumindest für fünf Jahre nach Thun umzieht. Was nehmen Sie von der Landiwiese mit ausser diesen zwei grandiosen Siegen?
Sicher viel mehr als die Erinnerungen an meine sportlichen Erfolge. An diesem Ort sind Geschichten passiert, die mein Leben geprägt haben. Meine Passion für den Triathlon wurde hier geweckt, auf der Landiwiese habe ich 2012 die grosse Enttäuschung über das Verpassen der Olympiaqualifikation überwunden und meine zweite Karriere als Langdistanztriathlet lanciert. Am Ironman Switzerland habe ich auch meine Frau Sarah kennen gelernt und meine Familie immer als Unterstützung dabeigehabt. Meine Grossmutter, die in Kilchberg in der Nähe des Heartbreak Hill wohnte, hat meinen ersten Sieg im vergangenen Sommer noch miterleben dürfen.

Wird das Schweizer Publikum Jan van Berkel in zwei Jahren in Thun wiedersehen?
Ich bin jetzt 33-jährig. Zwei Jahre sind in meinem Sportleralter ein grosser Zeitrahmen. Im Herbst beginne ich eine Ausbildung in Sportrecht, damit bereite ich mich auf das Leben nach meiner Triathlonkarriere vor. Und jetzt habe ich sowieso einen viel zu grossen Muskelkater, um an den nächsten Ironman zu denken. Immerhin heirate ich heuer nicht gleich nach dem Heimrennen, das hilft sicher punkto Erholung. (lacht) Das Saisonfinale auf Hawaii wird mich aber bald wieder beschäftigen.

Erstellt: 22.07.2019, 18:23 Uhr

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