Fussball

Am seidenen Faden

Das 4:0 gegen den FC Wil war der erste Sieg des FC Zürich in diesem Jahr. Ob er allerdings in der Wertung der Challenge League bleibt, ist offen – wie das Ergebnis des Überlebenskampfs der Wiler.

atlosigkeit drückt die Miene des Wilers Johan Vonlanthen aus.

atlosigkeit drückt die Miene des Wilers Johan Vonlanthen aus. Bild: Keystone

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So wie an diesem späten Sams-tagnachmittag im Wiler Bergholz hat der FCZ im vergangenen Herbst oft, ja meist gewonnen und damit eine sehr tragfähige Basis für die Rückkehr in die Super League gelegt. Er spielte konzentriert, gestand dem Gegner wenig bis nichts zu und schoss irgendwann die Tore zum Sieg. Es war allerdings auch ein Gegner, der nicht die Stabilität und spielerische Qualität von Servette und Neuchâtel Xamax zeigte. Das sind jene beiden Teams aus der Romandie, die in den ersten Runden 2017 gegen den FCZ punkteten.

Steigerung dank Winter

Diesmal war der Widerstand der Wiler nach einer Stunde gebrochen. Kurz vor Halbzeit lupfte Spezialist Oliver Buff einen Freistoss in die hohe Ecke; Torhüter Steven Deana konnte den Ball nicht festhalten; der Ghanaer Raphael Dwamena schoss sein erstes Tor in der Schweiz. Und das 2:0 erzielte Buff selbst, mit einer Direktabnahme nach einem Konter, den Adrian Winter geführt hatte. Winter war zur zweiten Halbzeit erschienen. Es wurde ihm auch im dritten Match 2017 anfangs Marco Schönbächler vorgezogen. Aber es zeigte sich erneut, dass Winter der eindeutig stärkere Flügelmann ist.

Es war auch sonst nicht die Bestbesetzung des FCZ auf dem Platz. In der Abwehr fehlten alle drei Stammkräfte neben Alain Nef, im Mittelfeld ist Sangoné Sarr noch immer verletzt. Aber das Kader der Zürcher ist nun mal breit genug, in dieser Liga die mittelmässigen Gegner auch mit der einen oder andern Zweitbesetzung zu schlagen. Und bestenfalls mittelmässig ist ja auch dieser in seiner Existenz bedrohte FC Wil, der seit dem 5:1 gegen Winterthur Ende Oktober nicht mehr gewonnen hat. Zuletzt schoss er in vier Spielen kein Tor mehr, die vier Punkte aus acht Spielen holte er mit vier 0:0! Aber den Wilern ist in diesen Tagen der Kampf ums Überleben sehr viel wichtiger als irgendein Ergebnis auf dem Feld.

Daran änderte auch nichts, dass sie kampfwillig waren und eine halbwegs repräsentative Mannschaft auf dem Platz hatten. Aber nicht alle, die spielten, haben auch schon eingewilligt, den Weg zur Sanierung mitzugehen, indem sie auf einen Grossteil ihres Saläres verzichten. Denn nur so ist das Ziel des FC Wil zu erreichen, mit einem Notbudget von zwei bis zweieinhalb Millionen Franken durchs Frühjahr zu kommen und dann neu beginnen zu können. Bei «50 Prozent» stünden die Chancen, formuliert Roger Bigger gleichsam die offizielle Version. Er ist, ehedem Präsident und Verkäufer des FC Wil, nun Leader der Taskforce, die den Verein retten will. Andere sagen, womöglich realitätsnäher, das Ganze hänge «an einem seidenen Faden».

Fragezeichen Grossverdiener

Egal, wie man es ausdrückt, die Kernfrage ist offensichtlich, ob es der Taskforce gelingt, auch die letzten Spieler davon zu überzeugen, auf ausreichend Geld zu verzichten. Rund zwei Drittel der Spieler, so heisst es, hätten das getan, nicht aber die beiden exorbitanten Grossverdiener Nduka Ozowko und Rémi Gomis. Ihnen haben die türkischen Investoren zusammen eine sechsstellige Lohnsumme zugestanden, monatlich notabene.

Es nähert sich aber auch das Ende des Monats Februar, an dem die Wiler die Bestätigung liefern müssen, die Januarlöhne entrichtet zu haben. Ob ihnen das gelingt, wollten sie ja als massgebliches Signal für ein Gelingen der Rettung sehen. Andernfalls wollen sie, so Bigger, «nicht handeln wie der FC Biel». Der hatte sich vor einem Jahr monatelang – wider besseres Wissen – vom einen Spiel zum nächsten geplagt, bis ihm sechs Runden vor Schluss die Lizenz entzogen wurde.

Das wollen die Wiler nicht. Geben sie auf, sind sie in der 2. Liga interregional. Dann muss die Gegnerschaft wie die Nachbarn aus Winterthur und Schaffhausen den Abstieg nicht mehr befürchten. Dafür gibts einen langen Rest der Saison in der Challenge League mit einem einsamen FCZ an der Spitze und ohne Abstiegskampf.

Erstellt: 19.02.2017, 21:18 Uhr

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