Super League

Aufsteiger FCZ ganz einfach solider

20 000 kamen zum ersten Zürcher Derby seit dem Frühjahr 2016. Sie sahen einen Aufsteiger, der zum so verdienten wie logischen Sieger wurde. Der noch nicht mal 22jährige Ghanaer Raphael Dwamena schoss pro Halbzeit ein Tor zum 2:0-Sieg.

Doppeltorschütze für den FCZ war Raphael Dwamena (Mitte), der hier das 1:0 erzielt.

Doppeltorschütze für den FCZ war Raphael Dwamena (Mitte), der hier das 1:0 erzielt. Bild: Keystone

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Als der FCZ vor 27 Jahren zum bisher letzten Mal aus der Nationalliga B aufgestiegen war – damals nach zwei Jahren in der Zweitklassigkeit – , gewann er im Hardturm das Derby zum Saisonstart 2:1. Damals war das eine grosse Überraschung, schliesslich waren die von Ottmar Hitzfeld trainierten Grasshoppers die «Grossen» im Lande, sie waren Meister. Und wurden es dann 1991 trotz dieser Niederlage wieder.Heutzutage sind die Grasshoppers weit davon entfernt, eine führende Kraft zu sein. Sie sind es ganz offensichtlich auch in der eigenen Stadt nicht. Denn sie gehören der Elite zwar seit 1951 ununterbrochen an, aber dass sie auch an diesem Starttag gegen den aus den Niederungen der Zweitklassigkeit zurückgekehrten Stadtrivalen verloren, war keine Überraschung. Der Aufsteiger war, wiewohl mit nur zwei Neuen als «Verstärkungen» angetreten, die insgesamt bessere, vor allem die solidere, stilsicherere Mannschaft als GC mit immerhin fünf Neuen in der Startelf. Aber eben ohne Munas Dabbur und Caio, welche die letzten GC-Jahre massgeblich prägten.

Dwamena – Schütze des Tages

Es war ein friedliches Derby ohne Aggressionen, wie sie einst immer wieder vorkamen. Es war, als hätte dieses Spiel eben auch der GC-Gemeinde gefehlt. Aber es war halt auch eine relativ klare Sache. Es gab in diesem Match eigentlich nur einen Moment, in dem die Grasshoppers die Dinge zu ihren Gunsten hätten richten können. Das war in der 16. Minute, als Runar Mar Sigurjonsson nach einem guten Durchspiel mit abschliessendem Pass Marco Djuricins alleine vor Goalie Andris Vanins abschliessen konnte. Er scheiterte am Letten.

Nach 23 Minuten nutzte dafür Raphael Dwamena die erste klare Chance des FCZ zum 1:0. Adrian Winter flankte, Dwamena schoss mit dem Kopf sein erstes Tor in der Super League. Im Frühjahr hatte er es in 18 Spielen zu seinen ersten zwölf Treffern für den FCZ gebracht. Bedeutsam an diesem Tor war, dass der neue Linksverteidiger der Grasshoppers, der 21-jährige Souleyman Doumbia aus der italienischen Serie B, im Duell mit Winter patzte.

Bis Dwamena in der 82. Minute das siegsichernde 2:0 schoss, verging zwar einige Zeit. Aber in der waren die FCZler zunehmend dominant, kam GC kaum zu nennenswerten Chancen. Bedeutendste Szene war der Elfmeter, den GC-Abwehrchef Milan Vilotic gegen ... Dwamena verschuldete und den der österreichische Torhüter Heinz Lindner im Duell mit Michael Frey stark abwehrte. Beim 2:0 war nicht nur Dwamena der Schütze, sondern Doumbia erneut so unfreiwillig wie stark an der Vorbereitung beteiligt. Denn seinen Fehlpass konnte Dwamena aufnehmen. Klasse war dann, wie er den Ball mit dem linken Fuss in die weitere hohe Ecke schlenzte.

Nur einer überzeugt als Neuer

Erst danach kamen die Grasshoppers noch zu zwei Chancen, die aber Albion Avdijaj vergab. Er war 25 Minuten vor Schluss eingewechselt worden, er erschien als sechster Neuer. Aber von diesen spielte nur einer überzeugend. Es war Goalie Lindner. Der Eindruck von den andern: Der von Doumbia war eindeutig. Er war der Schwachpunkt, zwar in der zweiten Halbzeit weniger als in der ersten. Zu einem Fehler, der zu einem Gegentor führte, reichte es auch da noch. Der zentrale Mitteldeldspieler Michael Fasko spielte ordentlich, aber mit wenig Einfluss.

Jéffren Suarez zeigte zuerst als rechter Flügelmann, später in zentraler Position trotz guter Technik eher wenig Effizienz. Es war schon etwas überraschend, dass ihn Sportchef Matthias Walther heraushob: «Er war der Beste, er verlor keinen Ball.» Es ist allerdings nicht erinnerlich, dass er an einer bedeutenden Szene beteiligt gewesen wäre. Es war jedenfalls für viele eine Überraschung, dass Trainer Carlos Bernegger Mitte zweiter Habzeit nicht Jéffren, sondern den fünften Neuen, den Stürmer Djuricin, und Sigurjonsson vom Platz holte. Djuricin hatte jedenfalls nicht schlecht gespielt.

«Wir brauchen noch Zeit, uns fehlen noch Kilometer.» GC-Sportchef Matthias Walther

Enttäuschend war auch, wie viel weniger als in der vergangenen Saison der rechte Aussenverteidiger Numa Lavanchy nach vorne wirkte. Solide waren die beiden Innenverteidiger. Aber eben, insgesamt enttäuschend war die Bilanz der Neuen. Zu diesem Thema sagte Bernegger allerdings: «Der FCZ war schon eingespielter, bei uns merkte man, dass einige der Neuen erst kurze Zeit bei uns sind.» Und Walther, sein Sportchef, sagte: «Wir brauchen noch Zeit, uns fehlen noch Kilometer.» Der Schwede Nabil Bahoui ist der nächste, der in dieses Programm eingebunden wird. Er hat sich auf seinen letzten Stationen, kurze Zeit bei Christian Gross in Dschidda und zuletzt in Hamburg, nicht eben profiliert.

Es war auch dem Duo in den GC-Führungsposition klar, dass der Dreier des Aufsteigers gerechtfertigt war: «Es war ein verdienter Sieg,» sagte Walther, «auf Dauer setzte sich die physische Überlegenheit des FCZ durch.» Und Bernegger: «Der FCZ siegte verdient, wir aber setzten nicht um, was wir wollten.» Torhüter Lindner ging noch eine Spur mehr ins Detail: «Der FCZ war ruhiger am Ball, hat seine Angriffe besser ausgespielt. Wir kamen zu wenig zu Abschlüssen. Wir haben zu Recht nicht gewonnen.»

Forte: nur eine Kritik

Aus der Sicht des FCZ sprach Trainer Uli Forte von einer «grossen Genugtuung». Wenn es für ihn Anlass zu Kritik gebe, sei es dieser: «Wir haben zwar dominiert, aber die Entscheidung ist zu wenig schnell gefallen. Nur 1:0 zu führen ist immer gefährlich.» Immerhin, gegen diese Grasshoppers reichte eine nur minimal veränderte Aufstiegsmannschaft für einen relativ sicheren, jedenfalls allseits unbestrittenen Sieg.

 «Wir haben zwar dominiert, aber die Entscheidung ist zu wenig schnell gefallen. Nur 1:0 zu führen ist immer gefährlich.»FCZ-Trainer Uli Forte

Bestätigt wurde, dass die Offensive des FCZ gut besetzt ist. Keiner Bestätigung bedurfte, dass es in der Defensive noch an Alternativen fehlt – oder eben «an Zentimetern», wie es Forte sagt. Also wird noch mindestens eine Ergänzung für die Abwehr gesucht, die dann diese Lücke an Zentimetern füllen soll. Gegen dieses GC reichte allerdings das Trio Alain Nef/Umaru Bangura/Burim Kukeli, das in Fortes 3-4-3 die Abwehr bildete. Am labilsten dünkt einen Kukeli. Die beiden FCZ-Neuen des Tages waren ein – seiner Routine entsprechend – stabiler Pa Modou als linker Aussenläufer und ein ordentlicher Berner Stürmer Frey zwischen den Afrikanern Dwamena und Moussa Koné.

Frey hätte den Wunsch seines Trainers nach einer früheren Entscheidung erfüllen können. Sein Elfmeter war nicht mal schlecht getreten, aber der Berner war an diesem Tag eben eher Arbeiter als Skorer. Arbeiter eines Aufsteigers, der in der Tat gut genug sein könnte, für die obere Tabellenhälfte – und damit den Europacup. Jedenfalls ist er wohl wirklich besser als ein «normaler» Aufsteiger.

Erstellt: 23.07.2017, 22:43 Uhr

Telegramm

Grasshoppers – FC Zürich 0:2 (0:1)
Letzigrund. – 20 000 Zuschauer. – SR Jaccottet. – Tore: 23. Dwamena 0:1. 82. Dwamena 0:2. – GC: Lindner; Lavanchy, Vilotic, Bergström, Doumbia; Jéffren Suarez, Pickel (80. Bajrami), Fasko, Andersen; Sigurjonsson (68. Munsy); Djuricin (68. Avdijaj). – FCZ: Vanins; Nef, Bangura, Kukeli; Winter (78. Brunner), Rpegg, Sarr, Pa Modou; Dwamena, Frey (86. Cavusevic), Koné (60. Rodriguez). – Bemerkungen: GC ohne Basic (verletzt), Antonov, Pnishi, Brahimi, Kamberi, Olsen (nicht im Aufgebot) und ohne die noch nicht qualifizierte Neuerwerbung Nabil Bahoui (26/Schwede/mit Dreijahresvertrag vom Hamburger SV); Munsy nach seiner Einwechslung auf Rechtsaussen, Jéffren zentral hinter Avdijaj. – FCZ ohne Alesevic, Kempter, Kryeziu, Voser, Marchesano, Schönbächler (verletzt), Palsson und Maouche (nicht im Aufgebot); Koné verletzt ausgeschieden. – Verwarnungen: 38. Pa Modou (Foul). 42. Fasko (Foul). 56. Koné («Foul»). 62. Pickel (Unsportlichkeit). 71. Kukeli (Foul).

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