Bayern Münchens Tour de France

Aufatmen bei Dortmund: Der FC Bayern interessiert sich plötzlich mehr für Frankreich als für die Konkurrenz.

Ein Weltmeister für die Bayern: Benjamin Pavard kommt für 35 Millionen nach München.

Ein Weltmeister für die Bayern: Benjamin Pavard kommt für 35 Millionen nach München. Bild: Keystone

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Eigentlich steht dieser Transfer seit dem 26. Juni 2018 fest. An diesem Tag trafen der französische Verteidiger Benjamin Pavard und sein Berater Joseph Mohan in Moskau auf eine konspirativ aus München eingeflogene Reisegruppe. Diese Reisegruppe bestand aus Hasan Salihamidzic, Michael Gerlinger und Marco Neppe, und sie zeichnete sich unter anderem dadurch aus, dass zwei Mitglieder der Reisegruppe wunderbar unbekannte Gesichter mit sich führten.

Salihamidzic hätten die Leute erkennen können auf dem Flughafen in Moskau, aber der FC-Bayern-Clubjustiziar Gerlinger und der FC-Bayern-Chefscout Neppe wären unerkannt an jedem FC-Bayern-Fanclub vorbeigekommen. Ebenso unentdeckt empfingen die drei am Rande eines WM-Spiels also das Jawort des Spielers Pavard, der sich dem FC Bayern an diesem Tag mündlich versprach. Ein gutes halbes Jahr später haben die Münchner den Transfer nun verkündet, Pavard hat unter Zuhilfenahme seiner Unterschrift offiziell zugesagt. Die Unterschrift platzierte er unter einen Fünfjahresvertrag, der von Juli 2019 an in Kraft tritt.

Hoeness hypt

Es ist diese geheime Dreierkette Salihamidzic/Gerlinger/Neppe, die da in aller Diskretion einen neuen FC Bayern baut. Kurz nach dem Termin in Moskau waren die drei etwa in Kanada, um dort den Transfer des Flügeltalents Alphonso Davies fix zu machen. Davies, 18, ist inzwischen offiziell Bayern-Spieler, er übt im Kreise der neuen Kollegen in Katar und wurde von Uli Hoeness bereits als «Bombe» bezeichnet, was bestimmt prima zum Ansinnen des Sportdirektors Salihamidzic passt, «keinen Hype» um den Jungen zu veranstalten. Aber klar: Hoeness darf hypen, wen er will. Auch Spieler, die er nie hat spielen sehen.

Die Münchner Bosse sind gerade dabei, sich an jenen modernisierten Transferstil im Haus zu gewöhnen, der den FC Mia-san-Bayern vorübergehend zu Inter München macht. Dazu passt auch das frisch bestätigte Interesse am nächsten Flügeltalent, dem 18-jährigen Engländer Callum Hudson-Odoi vom FC Chelsea, den Salihamidzic in Katar einen «sehr interessanten Spieler» nannte, «den wir unbedingt verpflichten wollen». Mindestens 30 Millionen, eher mehr, müssten die Münchner investieren.

Bei so vielen spannenden, aber noch unbekannten jungen Menschen mag es für die Fans des FC Bayern und auch für den obersten Fan Uli Hoeness durchaus erholsam sein, zwischendurch auch mal einen wie Pavard, 22, vorzustellen, den man aus der Bundesliga und aus dem Fernsehen kennt. In der Bundesliga verteidigt Pavard für den VfB Stuttgart, und im Fernsehen kam er im vergangenen Sommer, weil er mit Frankreich Weltmeister wurde. Wenn er für Stuttgart spielt, sieht man ihn in der Innenverteidigung. Im Weltmeister-Fernsehen sah man ihn hinten rechts.

Kovac attestiert ihm «sehr, sehr grosse Fähigkeiten»

«Er ist ein junger Spieler und Weltmeister. Wir sind sehr froh und stolz, dass wir einen solchen Spieler für uns gewinnen konnten», sagte Salihamidzic in Katar, flankiert vom Trainer Niko Kovac, der Pavard «sehr, sehr grosse Fähigkeiten» attestiert. Tatsächlich dürfen sich die Bayern etwas einbilden auf diesen Transfer, nicht nur, weil Pavard ein aussichtsreicher Verteidiger ist, der mit ungerührtem Gesicht kompromisslos dazwischenhauen, gleichzeitig aber auch exzellent Fussball spielen kann.

Video: Pavards Traumtor gegen Argentinien

Der Franzose trifft im WM-Achtelfinal herrlich. Video: SRF

Das Praktische an diesem Transfer ist aber vor allem, dass die Bayern im Sommer für eine fixe Klausel-Ablöse von 35 Millionen Euro zwei Spieler in einem erhalten: Zu ihnen wechselt der Innenverteidiger Pavard, der mit Niklas Süle, 23, die Zentralverteidigung der Zukunft bilden könnte.

Lucas Hernandez (l.) soll Atlético versprochen haben, bis im Sommer zu bleiben. Bild: Keystone

Nach München kommt aber auch der Rechtsverteidiger Pavard, der auch auf seiner – weniger geliebten – Zweitposition zumindest so seriös spielt, dass der altgediente Ersatz-Aussenverteidiger Rafinha, 33, nach bald acht Jahren in München (und zumindest sechs Meistertiteln) einen Wechsel zu Flamengo Rio de Janeiro einleitet; und dass der aktuelle Rechtsverteidiger Joshua Kimmich, mutmasslich der Anführer der neuen Generation, dauerhaft auf eine anführertauglichere Position im zentralen Mittelfeld umziehen könnte.

In diesem Fall könnte Süles Partner in der Innenverteidigung ab Sommer noch mal einer der 2014er-Weltmeister sein, Mats Hummels oder Jérôme Boateng – oder doch ein anderer 2018er-Weltmeister, der Franzose Lucas Hernández von Atlético Madrid, den Salihamidzic am Mittwoch ebenfalls als «interessanten Spieler» bezeichnete.

So wie Pavard innen und rechts hinten verteidigen kann, so kann Hernández innen und links hinten spielen – die Bayern hätten ihren Kader verbreitert, ohne ihren Kader zu verbreitern.

Schon vor Weihnachten gab es Gerüchte, wonach Hernández bereits in der Winterpause für die fixe Klausel-Summe von 80 Millionen zum FC Bayern überlaufen könnte, aber nach Informationen dieser Zeitung hat der Verteidiger dieser Tage in der Atlético-Kabine versprochen, dass er bis Juni in Madrid bleiben werde. Im Atlético-Stadion steigt das Champions-League-Finale, der Club kann und will es sich nicht leisten, den Verteidiger mitten in der Saison abzugeben.

Ob der umschwärmte Hernández sich im Sommer dann tatsächlich den Bayern oder doch einem Mitbewerber anschliesst, ist noch offen, die Münchner werden aber als hoher Favorit gehandelt. Es wäre der nächste clevere Zug: Die Bayern hätten dann nicht nur zwei 22-jährige Weltmeister im Team, sondern zwei Spieler für vier Positionen. So wie Pavard innen und rechts hinten verteidigen kann, so kann Hernández innen und links hinten spielen – die Bayern hätten ihren Kader verbreitert, ohne ihren Kader zu verbreitern.

Käme Hernández nun noch zu Pavard, Kingsley Coman und Corentin Tolisso hinzu, wäre Frankreich für die Münchner endgültig das neue Dortmund. Viele Jahre haben die Bayern ihre Spieler sehr gerne beim BVB geholt, im Moment holen sie mindestens so gerne aktuelle Weltmeister. (zuonline.ch)

Erstellt: 10.01.2019, 13:17 Uhr

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