Debakel für den FCZ zum Saisonauftakt

Der FC Zürich verliert gegen Lugano 0:4. Trainer Ludovic Magnin bemängelt nach dem Spiel die Widerstandsfähigkeit seiner Spieler.

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Ludovic Magnin hat sich einiges vorgenommen auf diese Saison. Mehr Punkte, mehr Tore, besseren Fussball, weniger Schlagzeilen über seine Tänze an der Seitenlinie, weniger Konflikte mit Schiedsrichtern, mehr Gelassenheit. Eine Imagekorrektur also, weg vom mässig erfolgreichen Choleriker, hin zum freundlichen Erfolgscoach.

Der freundliche Ludovic Magnin schüttelt vor dem Spiel freundlich die Hand von Esther Staubli, der vierten Schiedsrichterin. Nach sechs Minuten erfährt Staubli ein erstes Mal den anderen Magnin, jenen, der sich an ungepfiffenen Fouls stört und dies in einer dringlichen Unterredung mitteilt. Es bleibt bei diesem einen Aufreger, weil es kaum strittige Szenen gibt und weil ihn seine Mannschaft zum Schweigen bringt. 0:3 steht es nach 44 Minuten, Magnin sitzt resigniert auf dem Trainerstuhl. Hat er sich anders vorgestellt.

Guter Start des FCZ

Dabei beginnt der FCZ stark. Mal für Mal kombiniert er sich mit kurzen Pässen aus der Abwehr, es folgen Doppelpässe und Zuspiele in die Tiefe, das sieht erstens gut aus, deutet zweitens auf spielerische Fortschritte hin und führt drittens zu guten Chancen. Benjamin Kololli steht allein vor Noam Baumann, doch scheitert. Den hätte er machen müssen. Weiss er. Und mit ihm das ganze Stadion. Es folgen weitere Möglichkeiten, doch jedes Mal steht Baumann im Weg. Dann kommt die 30. Minute – und der Bruch.

Bangura verursacht einen Penalty, Maric versenkt ihn, der FCZ verliert das Spiel. Denn plötzlich sind Kombinationen und Zuversicht verschwunden, Lugano kommt zu Chancen, und Aratore trifft mit einem prächtigen Schlenzer in den Winkel.

Aratore erhöht per Traumtor (Quelle: Teleclub Sport).

«Hätten wir früh getroffen, sähe das Spiel anders aus», sagt Antonio Marchesano. «Wären wir in Führung gegangen, hätte Lugano aufmachen müssen», sagt Magnin. Der Konjunktiv ist Trost und Begleiter von Verlierern. Fakt ist hingegen, dass es sehr wenig braucht, damit der FCZ aus dem Tritt fällt. «Die Tore haben uns im Kopf kaputtgemacht», sagt Marchesano. «Die Treffer haben uns mental wehgetan», sagt Magnin.

Er findet, dass seine Spieler zu viel hadern und sich zu stark von negativen Erlebnissen beeinflussen lassen. Nicht nur bei den Gegentreffern, sondern auch bei verpassten Chancen. Kololli vergibt vorzügliche Möglichkeiten, regt sich fürchterlich auf – und schafft es dann, die Partie praktisch ungesehen fertig zu spielen.

FCZ-Aufbäumen bleibt aus

Lugano macht seine Sache gut, es agiert unaufgeregt, gut organisiert und vor allem effizient. Trotzdem gibt zu denken, dass eine Reaktion des FCZ ausbleibt. Ein Aufbäumen findet schlicht nicht statt. Man hat sich mit dem Scheitern abgefunden.

Der Saisonstart ist verpatzt. Enttäuschend verläuft die Premiere auch für die Zugänge. Vor allem für Denis Popovic. Der Slowene soll im Mittelfeld das Spiel lenken, fällt aber durch seine Fehler auf. Vor dem 0:1 verliert er den Ball, seine Pässe landen oft beim Gegner, und seine Eckbälle und Freistösse sind harmlos.

So spielten die Neuen

Rechtsverteidiger Willie Britto ist noch keine Verstärkung, Innenverteidiger Nathan kann mit seiner Aggressivität eine werden. Die Offensivspieler Mimoun Mahi und Blaz Kramer werden eingewechselt, bleiben aber blass. Wie die ganze Mannschaft in der zweiten Hälfte.

So bleibt Magnin nach dem Spiel nur noch die Möglichkeit, in aller Freundlichkeit seinem Trainerkollegen Fabio Celestini zu gratulieren und anzufügen, dass das «brutale Resultat» das Spiel nicht korrekt wiedergebe.

FC Zürich - FC Lugano 0:4 (0:3) Letzigrund. - 9430 Zuschauer. - SR Bieri.

Tore: 30. Maric (Foulpenalty) 0:1. 39. Aratore 0:2. 45. Rodriguez 0:3. 79. Vécsei 0:4.

FC Zürich: Brecher; Britto, Bangura, Nathan, Kharabadze; Sohm (74. Aliu), Popovic; Khelifi (46. Mahi), Marchesano (58. Kramer), Kololli; Ceesay.

Lugano: Baumann; Kecskés, Maric, Daprelà; Sidler; Lavanchy, Sabbatini, Custodio, Aratore (63. Obexer) ; Rodriguez (55. Vécsei) ; Gerndt, Bottani (80. Holender).

Bemerkungen: FC Zürich ohne H. Kryeziu, Rüegg und Winter (alle verletzt), Lugano ohne Crnigoj, Kameraj, Macek und Yao (alle verletzt). - Verwarnungen: 37. Aratore (Foul), 63. Baumann (Unsportlichkeit), 76. Aliu (Foul).

Erstellt: 21.07.2019, 15:41 Uhr

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