Grasshoppers

Der Abstiegskampf geht weiter

Die Grasshoppers waren 90 Minuten lang nicht fähig, den FC Lugano ernsthaft zu gefährden. Also genügte den Tessinern ein frühes Tor zu einem 1:0-Sieg. Sehr wahrscheinlich werden sie nun auch in der Europa League spielen.

Ein Stadtzürcher im Dress Luganos: Davide Mariani (links) erzielte das 1:0 gegen die Grasshoppers.

Ein Stadtzürcher im Dress Luganos: Davide Mariani (links) erzielte das 1:0 gegen die Grasshoppers. Bild: Keystone

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Zehn Punkte zwischen dem Fünften und Sechsten – das ist nach diesem schönen Sonntag die Differenz zwischen dem FC Lugano (und dem punktgleichen FC Luzern) einserseits und den Grasshoppers (und dem punktgleichen FC Thun) anderseits. Es ist die grosse Kluft zwischen oberer und unterer Tabellenhälfte. Vor allem aber ist es der Unterschied zwischen Vereinen wie eben Lugano, die sich auf die Qualifikation für die Europa League freuen können. Und Vereinen wie eben GC, die mit sieben Punkten Reserve noch immer nicht sicher sein können, im Abstiegskampf zu bestehen.Natürlich, die Grasshoppers können am kommenden Samstag alles klar machen, wenn sie in Vaduz gewinnen und den Tabellenletzten auf zehn Punkte Distanz setzen. Eigentlich müssten schon ein Unentschieden und sieben Punkte als Reserve für fünf Runden reichen. Aber die Zürcher haben nach drei Siegen in Folge doch einen Rückschlag erlitten, der vor allem jene schmerzen wird, die nach dieser kurzen Erfolgsserie unter dem neuen Trainer Carlos Bernegger schon wieder hochgerechnet hatten, dass selbst ein Europa-League-Platz wieder in Frage kommen könnte – mit einem Sieg gegen den FC Lugano und dann nur noch vier Punkten Rückstand.

«Klassisch italienisch»

Aber dieser Sieg lag nicht drin, sicher nicht mehr nach dem ersten Schritt der Tessiner, ihren Plan zu erfüllen; nach dem 0:1 durch Davide Mariani, einen 26-jährigen Stadtzürcher im Dress Luganos. Mariani drosch den Ball, den Armando Sadiku zurückgelegt hatte, von der Strafraumgrenze in die linke hohe Ecke. Je länger das Spiel dauerte desto konsequenter folgten die Tessiner ihren Vorgaben, die man «klassisch italienisch» nennen kann. Vorne standen zwei, Ezgjan Alioski und Sadiku, vor denen jede Abwehr sehr viel Respekt haben muss. Hinten verteidigten mit dem Goalie neun. Am Ende waren es gar zehn.

Diesen Stil des «Catenaccio» hat einst der argentinische Trainer Helenio Herrera mit Inter Mailand perfektioniert. Zweimal, 1964 und 1965, hat er so den Europacup der Meister gewonnen, was ausserhalb Mailands die wenigsten erfreute. Aber erfolgreich wars. Erfolgreich ist jetzt auch dieser FC Lugano des italienischen Trainers Paolo Tramezzani. Seine Bianconeri haben nun schon fünf Siege hintereinander auf dem Konto, und das ist eine für Lugano schon fast historische Serie. Es ist die Serie einer Mannschaft, die in der Tat sehr gut und auch sehr selbstsicher verteidigt und die vor allem mit Alioski eine erstklassige Offensivkraft hat.

Die Tessiner wirkten so, dass sich GC kaum mehr eine nennenswerte Torchance herausspielte. In der zweiten Halbzeit entstand bald einmal dieser Endruck: Entweder gelingt dem Duo Caio/Munas Dabbur ein vierfacher Doppelpass – oder dann wird nichts aus einem Tor. Ein Doppelpass, schon gar nicht ein drei- oder vierfacher, glückte den beiden nicht. Es fand sich auch kein Zürcher, der mal aus Distanz geschossen hätte – was, zugegebenermassen, gegen diese vielen Abwehrbeine nicht einfach war. Die Grasshoppers waren auch nicht fähig, gefährliche Freistösse zu erzwingen. Dafür verteidigten die Tessiner eben zu sauber – und hatte GC zu wenige Spieler, die wirklich Druck aufsetzen konnten. Kam hinzu, dass die Tessiner leicht in massiver Überzahl verteidigen konnten, wenn auf der andern Seite bis zu vier Zürcher auf einen oder zwei aus Lugano aufpassten ... Die Saisonbilanz daraus: GC hat in vier Spielen gegen Lugano nicht ein Tor geschossen und dreimal verloren!

Tessiner Vorstellungen

Diese Vorstellung Luganos respektierte dann auch Bernegger, als er sagte: «Es ist, vor allem nach einem Gegentor, schwierig gegen eine solche Mannschaft – die gut ist und der es läuft. Ich kann meinen Spielern nicht mal einen Vorwurf machen.» Was er auf jeden Fall nicht mochte: der verpassten Europa-League-Chance nachtrauern. Die war ihm ohnehin viel zu früh in die Diskussion geworfen worfen. Also sagte er: «Wir sind nach wie vor im Abstiegskampf – und GC ist das nicht gewohnt. Meine Aufgabe war nach drei Siegen nicht erledigt, wir müssen realistisch bleiben.»

In den April gegangen waren die Grasshoppers als Zweitletzter einen Punkt vor Vaduz. Beendet haben sie den Monat – nach einem Unentschieden und drei Siegen – mit einer Niederlage, aber ohne wieder wie ein ernsthafter Abstiegskandidat zu wirken. Noch weniger traten sie allerdings auf wie einer, der in kürzester Zeit zum Europa-League-Aspiranten mutiert ist. Das ist dagegen der FC Lugano, der zuletzt vor 15 Jahren international spielen durfte – und in der Ausscheidung zum Uefa-Cup gleich gegen den FK Ventspils aus Lettland scheiterte. Wenig später ging der alte FC Lugano Konkurs.

Es ist der neue FC Lugano, dessen Präsident Angelo Renzetti schon im Herbst, ehe er im Winter den Trainer Andrea Manzo entliess, sagte: «Diese Mannschaft ist gut genug für Platz 5.» Jetzt, da sie Fünfter ist, sagt er: «Nun können wir auf Platz 4 ausgehen, wenn nicht auf Platz 3.» Bereits denkt er an die kommende Saison, spricht er davon, in Verhandlungen mit Juventus Turin auf gutem Weg zu sein, den Stürmer Younes Bnou Marzouk zu verpflichten. Das ist ein 21-jähriger marokkanisch-französischer Doppelbürger, der zurzeit – als Juve-Leihgabe – für den FC Chiasso Tore in Serie schiesst. Er kam im Januar ins Tessin, sein 1:1 gegen den FCZ am Sonntag war sein zehntes Tor im zwölften Spiel für Chiasso. In der Tat eine Empfehlung für höhere Aufgaben.

Erstellt: 01.05.2017, 21:50 Uhr

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