Der zerrissene Traum

Der 160-Mark-Vertrag in der Vitrine, Picassos erotisches Gemälde und der «Rève» von Bayern München.

Zweimal ein Traum: Picassos Bild und Leroy Sané.

Zweimal ein Traum: Picassos Bild und Leroy Sané. Bild: Reuters, Getty

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Aus der Tiefe des Raumes kam er, so wurde Günter Netzer einst im Feuilleton der FAZ poetisch beschrieben, und so heisst auch die Ausstellung, die demnächst im Vereinsmuseum von Borussia Mönchengladbach über ihn eröffnet wird.

Es gibt eine Vitrine dort, und darin liegt ein inzwischen vergilbtes Papier, es ist der erste Vertrag, den Netzer 1963 mit den Borussen abgeschlossen hatte. Es steht darin: «Der Spieler verpflichtet sich, mit seinem spielerischen Können und seiner ganzen Kraft sich für den Verein einzusetzen.»

Der Lohn dafür waren damals 160 Deutsche Mark, monatlich. Die Messis, Neymars oder Sanés bekommen heute dieses Geld für das Binden ihrer Fussballschuhe, sofern sie dies überhaupt noch selber tun.

Leroy Aziz Sané, geboren 1996, Vater Senegalese, auch Fussballer, Mutter Deutsche, bei den Sommerspielen 1984 Bronze in der Rhythmischen Sportgymnastik, ist eine Hauptfigur in diesem Sommertheater um wahnwitzige Summen. Bei Sané geht es um 140 Millionen Euro oder mehr. Und seine Geschichte erinnert an eine andere, aus der Kunst, auch Fussballer werden inzwischen wie Liebhaberobjekte gehandelt.

«Le Rève» nannte Pablo Picasso sein Ölgemälde, das er 1932 schuf, der Traum, ein erotisches Bild, er porträtierte seine damalige Geliebte als Schlummernde auf einem Sessel, 7000 Dollar war der erste Preis, der dafür bezahlt wurde. 2006 sollte das Werk für 139 Millionen Dollar verkauft werden, es gehörte inzwischen einem Casinomilliardär aus Las Vegas, Weltrekord wäre diese Summe damals gewesen. Der Reiche aus der Stadt des Glückspiels lud zu einer Party, er wollte seinen besten Freunden nochmals Picassos Traum zeigen – doch unglücklicherweise stiess er, etwas übermütig, mit seinem Ellbogen gegen das Bild. Im Unterarm der Frau auf der Leinwand entstand ein kleiner Riss, das Kunstwerk soll danach 50 Millionen weniger wert gewesen sein, zum Rekordverkauf kam es nicht.

Bei Leroy Sané, dem «Rève» von Bayern München, riss auch etwas, das Kreuzband im Knie. Wie der Milliardär in Las Vegas wollte auch der stolze Pep Guardiola, Trainer von Manchester City, seinen Freunden und auch jenen in München zeigen, dass Sané immer noch in seinem Besitz ist. Er liess Sané nochmals spielen – und der verletzte sich schwer.

Sanés Wert jetzt? Picassos Traum jedenfalls wurde später doch noch für mehr Geld verkauft, 155 Millionen Dollar.

Und Günter Netzer, übrigens, bekam 1963 zu den 160 Mark monatlich noch 10 Mark zusätzlich pro Spiel.

Erstellt: 19.08.2019, 09:18 Uhr

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