Zürich

Die «kühnsten Träume» des Uli Forte

Heute kann sich der FCZ mit einem Heimsieg gegen Villarreal vorzeitig für die Sechzehntelfinals der Europa League qualifizieren. Zu schlagen ist allerdings Spaniens Nummer 4.

FCZ-Trainer Uli Forte will mit dem FCZ am Donnerstag Geschichte schreiben

FCZ-Trainer Uli Forte will mit dem FCZ am Donnerstag Geschichte schreiben Bild: Keystone

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Vor einem Jahr war der FCZ längst kein Europacup-Teilnehmer mehr. In der Meisterschaft rutschte er Ende November auf den letzten Platz ab, mit einem 0:5 im Derby gegen die Grasshoppers. Wie böse die Sache endete, weiss jeder – der FCZ stieg ab.

Jetzt, nur ein halbes Jahr später, sieht die Welt der FCZler wieder sehr viel freundlicher aus. In der Meisterschaft ziehen sie – mit zwölf Siegen, drei Unentschieden und noch immer ohne Niederlage – souverän ihres Weges. Was allerdings, wie auch ihr Trainer Uli Forte sagt, «Pflichterfüllung» ist. «Dass wir vorne sind, wurde von uns erwartet.» Keine Sensation ist auch, dass der FCZ im Cup Viertelfinalist ist.

Aber die Leistung in der Europa League, vier konstant starke Vorstellungen in vier Spielen, nur eine knappe Niederlage, ein 1:2, in Villarreal – das ist ein Leistungsausweis, der deutlich über jenen in der Meisterschaft hinausgeht. «Nicht in den kühnsten Träumen hätte ich daran gedacht», sagt denn auch Forte, dass seine Mannschaft zwei Runden vor Schluss der Gruppenphase noch immer ein sehr reeller Kandidat auf einen Platz in den Sechzehntelfinals sein könnte.

Ein 1:0 und türkische Hilfe

Genau genommen: Der FCZ kann diesen Platz schon heute erreichen – mit einem 1:0 oder einem Sieg mit zwei Toren Differenz gegen Villarreal, wenn gleichzeitig Steaua Bukarest sein Heimspiel gegen Osmanlispor nicht gewinnt und definitiv ausscheidet. Dann kann nämlich weder Steaua noch – wegen des Plus in den Direktbegegnungen – Villarreal den FCZ noch überholen, selbst wenn der in zwei Wochen in Ankara verliert.

Umgekehrt verhält es sich, wenn Villarreal heute gewinnt. Dann sind die Spanier sicher vor dem FCZ und ist es auch Osmanlispor (und der FCZ definitiv draussen), wenn die Türken in Bukarest gewinnen. Fällt die Entscheidung heute nicht zu seinen Gunsten (oder dann definitiv gegen ihn), muss der FCZ in zwei Wochen in Ankara auf jeden Fall punkten.

«Geschichte schreiben»

Ludogorets – FC Basel war gestern zwar ein Spiel der Champions League, aber die Ausgangslage war genau die gleiche – wie auch die mögliche Beute, ein Platz in den Sechzehntelfinals der Europa League. Der FCZ durfte zuletzt vor neun Jahren international überwintern; damals kam er – noch im Uefa-Cup – auf Kosten von Sparta Prag und Toulouse als Gruppendritter weiter – und scheiterte dann klar am Hamburger SV (1:3 und 0:0).

Wenn Trainer Forte sagt, er wolle mit seiner Mannschaft heute «Geschichte schreiben», dann hat er allerdings nicht die Saison 2011/12 in Erinnerung. Vielmehr wäre der FCZ der erste zweitklassige Verein, der weiterkommt – seit es den Modus mit den Vierergruppen gibt. Als Zweitligist eine Gruppenphase überstanden hat 2004/05 schon mal Alemannia Aachen mit dem Trainer Dieter Hecking.

Der FC Villarreal kommt zum zweiten Mal nach Zürich. Vor zwei Jahren erlitt er im Letzi­grund seine einzige Niederlage, bis er dann in den Achtelfinals gegen den nachmaligen Sieger FC Sevilla zweimal verlor. Das 3:2 gegen Villarreal war die stärkste Leistung des FCZ in jener Europa-League-Kampagne; danach konnten er und sein Trainer Urs Meier bis zum letzten Spiel in Mönchengladbach auf einen Coup hoffen. Villarreal aber durfte sich jenen «Nuller» leisten. Heute ist das anders. Also ist zu erwarten, Trainer Fran Escriba rotiere anders als üblich.

So wie Escriba am Sonntagabend, als Villarreal in Bilbao 0:1 verlor, aufstellte, glaubt Forte nämlich erkannt zu haben, dass sein spanischer Kollege in diesen Tagen eher zugunsten der ersten Wahl in der Europa League als in der Liga rotiert. Zu bedeutsam ist für Villarreal das Spiel. Was für die Spanier ja auch typisch ist: dass sie «daheim ein anderes Gesicht haben als auswärts», wie es Forte formuliert. Daheim verliert das «gelbe Unterseeboot» so gut wie nie, weshalb das jüngste 1:2 gegen Osmanlispor eine so grosse Überraschung war. Auswärts gibts schon eher mal eine Niederlage. In den ersten zwölf Meisterschaftsrunden hat Villarreal zweimal verloren, und das waren die beiden letzten Auswärtsspiele in Eibar und eben Bilbao. Damit rutsche der Verein auf Platz 4 ab, acht Punkte hinter Real Madrid, vier hinter dem FC Barcelona und zwei hinter dem FC Sevilla.

Der Münchner im Sturm

So dürfte also heute auch Nicola Sansone (25) erstmals in der Europa-League-Startelf stehen. Er ist der italienische Stürmer, für den Villarreal im Sommer 13 Millionen Euro an die US Sassuolo überwies. Sansone unterschrieb gleich für fünf Jahre. Inzwischen ist er gar ein italienischer Nationalspieler – wenn auch erst mit drei Kurzeinsätzen. Mit ihm können sich übrigens auch die FCZler, die nur des Deutschen mächtig sind, bestens unterhalten. Sansone ist, als Deutsch-Italiener, in München geboren, dort aufgewachsen und – im «Zwei» der Bayern – auch Fussballer gewesen. Bis er mit 20 Jahren nach Parma ging und später nach Sassuolo weiterzog.

Auf der andern Seite freut sich Forte vor diesem «Finalspiel», wie er sich ausdrückt, darüber, «dass ich personell fast aus dem Vollen schöpfen kann». Selbst die am Sonntag gegen Servette mit Bänderverletzungen an einem Sprunggelenk ausgefallenen Kay Voser und Oliver Buff standen gestern Morgen auf dem Trainingsplatz. Ob sie heute spielen können, ist allerdings noch offen. Das breite Kader des FCZ gäbe genügend Alternativen her.

Eine Überraschung wäre dennoch, wäre der Leader der Challenge League gut genug für einen Sieg gegen Spaniens Nummer 4. Auch wenns der beste Leader ist, den die Liga je sah.

Erstellt: 24.11.2016, 16:41 Uhr

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