Die riskante Entscheidung des Weltmeisters

Nun also doch: Antoine Griezmann verlässt Atlético Madrid. Er macht es nach einem Transferdribbling, das ihm seinen Neustart erschweren könnte.

Antoine Griezmann verabschiedet sich. (Video: Twitter/Atlético de Madrid)

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Er ist Weltmeister. An der EM 2016 gewann er den Goldenen Schuh und wurde zum besten Spieler des Turniers ausgezeichnet. An der WM 2018 war er zweitbester Torschütze und wurde zum drittbesten Spieler des Turniers gewählt. Für Atlético Madrid schoss er in 256 Spielen 133 Tore, bereitete 50 weitere vor. Antoine Griezmann gilt als einer der besten Stürmer der Welt. Und er verkündete am Dienstagabend, dass er die Madrilenen nach fünf Jahren verlassen will.

Dieser Entscheid birgt ein gewisses Risiko, trotz seinem Status. Denn Barcelona wird als Topfavorit für die Verpflichtung des 28-Jährigen gehandelt. Der Verein, der Medienberichten zufolge vor einem Jahr kurz davor war, Griezmann zu verpflichten. Damals hatte sich der Franzose bei seiner Entscheidungsfindung von einem Kamerateam begleiten lassen. In der Dokumentation «La Décision» gewährte er Einblicke in seine Gedankengänge und Gefühlswelt. Für viele galt als sicher, dass er mit der Doku seinen Wechsel in die katalanische Metropole verkünden wollte. Denn produziert wurde das Ganze von einem Produktionsteam der Firma Kosmos – die Agentur gehört Barça-Verteidiger Gerard Piqué.

Umso grösser war der Schock in Barcelona, als Griezmann sich dazu entschied, bei Atlético zu bleiben und seinen Vertrag zu verlängern. Weder Fans noch Clubverantwortliche von Barcelona goutierten seinen Gang an die Öffentlichkeit dazumal. In den Medien wurde sogar von einer Demütigung des spanischen Meisters gesprochen. Gemäss einer Umfrage von «Mundo Deportivo», einer Sportzeitung aus Barcelona, sprachen sich 91 Prozent der 54'173 Personen gegen eine Verpflichtung Griezmanns aus. Und das bei einem Fussballer, der für 120 Millionen Euro und als Startransfer kommen soll.

Hohe Ablösesumme garantiert keinen Stammplatz

Was nicht hilft: In Barcelona ist die Konkurrenz noch stärker als bei Vizemeister Atlético. Mit Messi, Suarez und Coutinho bilden bereits drei Topstars den 3-Mann-Sturm. Ousmane Dembélé musste nach seiner Ankunft beim FC Barcelona am eigenen Leib erfahren, dass eine hohe Ablösesumme nicht gleichbedeutend mit einem Stammplatz sein muss. Bleibt er fit, ist es auch für Griezmann eine hohe Hürde, an der er erst noch vorbeikommen muss.

Und Medien wie Fans gehen in Barcelona mit den Spielern vergleichsweise hart ins Gericht. Philippe Coutinho wurde nach beeindruckendem Start bei Barça zuletzt von den eigenen Fans ausgepfiffen und von den Medien stark kritisiert. Mittlerweile ist sogar möglich, dass der 160-Millionen-Transfer nach nur anderthalb Jahren vom Hof gejagt wird. Es wäre also sehr spannend, zu sehen, wie sich Griezmann in diesem rauen Klima zurechtfinden würde. Wenngleich seine spielerische Qualität ausser Frage steht, ist der Druck beim spanischen Meister nochmals ein ganz anderer. Gerade mit seiner Vorgeschichte dürfte das anspruchsvolle Publikum im Camp Nou einen noch kürzeren Geduldsfaden haben als ohnehin schon.

Neben dem FC Barcelona sollen auch andere Topclubs ihre Fühler nach dem Franzosen ausgestreckt haben. Die festgeschriebene Ablösesumme sinkt ab dem 1. Juli von 200 Millionen Euro auf neu 120 Millionen. Dieser Umstand wirft die Frage auf, ob bereits bei seiner Vertragsverlängerung vor einem Jahr auf einen möglichen Transfer in diesem Sommer hingearbeitet wurde. Damals war ein grosses Argument für Griezmanns Verbleib, dass der Champions-League-Final in Atléticos Heimstadion Wanda Metropolitano stattfindet. Der Linksfuss hätte die Colchoneros dorthin führen sollen.

Ein entscheidender Faktor in Griezmanns Entscheidung, Atleti zu verlassen, dürfte auch der Weggang von Diego Godín gespielt haben. Sein langjähriger Freund und Teamkollege wurde im letzten Heimspiel der Saison von den Fans bereits verabschiedet. Bei der dazugehörigen Medienkonferenz sass Griezmann ganz vorne und weinte hemmungslos.

«Werde euch immer im Herzen behalten»

Nun verkündet mit Griezmann also auch der nächste Eckpfeiler Atléticos seinen Abgang. In der Videobotschaft, die er auf seinen Social-Media-Kanälen verbreitete, erklärt er: «Nachdem ich mit Cholo (Simeone, der Trainer, Red.), Miguel Angel (Gil Marín, CEO, Red.) und den Leuten im Büro gesprochen habe, möchte ich mit euch reden. Ich habe die Entscheidung getroffen, andere Sachen zu sehen, andere Herausforderungen anzunehmen.» Er dankte auf diesem Weg den Fans für die Zuneigung in den letzten fünf Jahren: «In dieser Zeit habe ich meine ersten Titel gewonnen, die ersten wichtigen Pokale mit einem Club. Es waren unglaubliche Momente, an die ich mich immer erinnern werde, ich werde euch immer in meinem Herzen behalten.»

Griezmann verlässt Atlético Madrid als Star eines Teams, das zweimal den Champions-League-Final erreicht hatte, und vor allem als einer der Lieblinge des Publikums. Sollte sein neuer Arbeitgeber wirklich FC Barcelona heissen, müsste er wohl Unmenschliches leisten, um diesen Status nur ansatzweise zu erreichen. (fas/kvo)

Erstellt: 15.05.2019, 11:43 Uhr

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