Er soll die Sehnsüchte des FCZ stillen

Von Mimoun Mahi erwarten die Zürcher viel. Auch dass er aus der Offensive macht, was sie vor langem mal war: ein Spektakel.

Der Niederländer mit marokkanischen Wurzeln weckt Hoffnungen beim FCZ: Der 25-Jährige ist ein Künstler, wie er sagt. (Bild: Laif)

Der Niederländer mit marokkanischen Wurzeln weckt Hoffnungen beim FCZ: Der 25-Jährige ist ein Künstler, wie er sagt. (Bild: Laif)

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Er sang auf Arabisch, das Handy vor dem Kopf, die Augen auf dem Text. Es ist das Stammesritual von Fussballmannschaften für Neuankömmlinge, sich mit Melodie und etwas Rhythmus vorzustellen. Mimoun Mahi machte das beim FC Zürich mit dem Lied «Habibi». Der musikalische Vortrag offenbart Dreierlei: Erstens hat Mahi Wurzeln in Marokko und spricht zweitens Arabisch. Drittens fühlt er sich bereits ganz wohl beim FCZ; seine Kollegen baten ihn um eine Darbietung aus der Heimat seiner Mutter, er zögerte nicht und sang.

Mahi ist der Neue beim FCZ. Der 25-Jährige kam aus Groningen. Und mit ihm eine Menge Erwartungen. Seit der Winterpause ist der Wechsel bekannt, und er war begleitet mit den Worten Königstransfer und Spektakelspieler, Präsident Ancillo Canepa sah im niederländisch-­marokkanischen Doppelbürger bereits einen kleinen Bruder Chikhaouis. Und da ist das Malaise in der Offensive des FCZ. Der Club schiesst zu wenig Tore und versteht es nicht, auf den letzten 30 Metern des Feldes seine Stärke auszuspielen.

In die gleiche Richtung zielen daher Beschreibung und Hoffnung von Trainer Ludovic Magnin in Sachen Mahi: «Er ist kreativ und gross, hat ein gutes Dribbling und kann mit einer Aktion das Spiel entscheiden.» Das habe seiner Mannschaft vergangene Saison häufig gefehlt.

Mahi könnte die Antwort auf viele Probleme sein

Es ist also eine grosse Aufgabe, die auf den marokkanischen ­Nationalspieler wartet. Er soll die Antwort auf allerlei Offensivprobleme sein und zugleich die jahrelangen Sehnsüchte nach der Schönheit des Spiels stillen. Das Zweite könnte fast schon beiläufig gelingen. Wenn Mahi mit einem Ball auf dem Platz steht, dann begleitet ihn eine vornehme Leichtigkeit, die auf vielen Plätzen der Super League rar ist.

Manche nennen ihn im FCZ-Umfeld einen Künstler. Stimmt das? «Ich denke schon», sagt Mahi, «die Leute in Groningen haben das teilweise auch schon gesagt.» Stören ihn die hohen Erwartungen? «Nein, ich werde zeigen, was ich kann.» Wo spielt er lieber – Sturm oder offensives Mittelfeld? «Ich kann in der Offensive alle Positionen spielen.»

Der Mann hat ein ordentliches Selbstvertrauen und weiss das auch. «Im Fussball ist es wichtig, selbstbewusst zu sein, sonst wirds schwierig», sagt er. Er kennt es aus seinem eigenen Leben. Mahi wuchs mit seinen zwei Schwestern und drei Brüdern in einer einfachen Familie in Den Haag auf. Für Leute wie ihn gab es nicht viele Alternativen, sagt er, er sei dankbar, dass seine Eltern ihm den rechten Weg gezeigt hätten. Den Weg von harter Arbeit und ohne Abkürzungen. «Kriminalität war in unserem Quartier ein Thema», sagt er. Er konnte widerstehen und fand sich Tag für Tag auf den Strassen Den Haags wieder, mit Ball und Kollegen.

Er war gut und orientierte sich an Ronaldo, dem Brasilianer. Mit 15 konnte er bei der regionalen Auswahl vorspielen – und fiel durch. Er hat darauf noch härter gearbeitet, noch mehr trainiert, in seinem Jugendclub noch mehr Tore geschossen und wurde ein Jahr später dann doch aufgenommen. «Ich habe alles selbst erreicht, das gibt Selbstvertrauen», sagt er, um dann wenig später zwischen Arroganz und Selbstbewusstsein zu unterscheiden. Selbstbewusst ja, arrogant nein, das sei ihm wichtig.

Tatsächlich nannten sie Mahi in den Niederlanden auch Diva, in Groningen wurde er für kurze Zeit aus der Mannschaft gestrichen – er soll einen Mitspieler beleidigt haben. Mahi sagt: «In den Medien wird teilweise nicht immer alles so dargestellt, wie es wirklich war.» Ein, zwei Wörter seien in der Lage, einen Ruf zu zerstören, erzählt er, «das ist verrückt». Er sei kein Bad Guy, sondern das Gegenteil davon. Groningens Clubleitung glaubte ihm, kurze Zeit später war er wieder im Team und jener Mahi, der er sein will. Pflichtbewusst und torgefährlich.

Magnin will ihm den Druck nehmen, Mahi gleich spielen

Trainer Magnin plant mit diesem Mahi, sieht ihn aber noch nicht in Vollendung vor sich. «Er braucht noch etwas Zeit», sagt er, er wisse das aus seiner eigenen Karriere, als er aus der Bundesliga mit viel Lob und Tamtam nach Zürich kam. Damals erwartete man von ihm, dass er Tore verhindere und auch schiesse, daneben vorangehe und die Mannschaft führe. «Es war zu viel für mich», sagt er.

Magnin will Mahi den Druck von den Schultern nehmen. Darum sei noch unklar, ob er zu jenen gehört, die bei Saison­start spielen. Mahi sagt darauf: «Ich glaube nicht, dass ich noch viel Zeit brauche. Ich kann spielen und sofort helfen.»

Erstellt: 12.07.2019, 10:58 Uhr

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