FC Thun: Applaus für den tapferen Verlierer

Thun ist wie schon im Hinspiel Spartak Moskau ebenbürtig. Erneut verlieren die Oberländer, diesmal 1:2. Und scheitern so in der dritten Qualifikationsrunde zur Europa League.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Köpfe sind oben, als sich die Thuner nach dem Spiel in Moskau auf den Weg zu ihren 25 mitgereisten Fans machen und das Verdikt feststeht: Sie verlieren 1:2 und scheiden damit in der dritten Qualifikationsrunde zur Europa League mit dem Gesamtskore von 3:5 aus.

Es ist ein Ergebnis, das täuschen kann. Weil die Thuner über die zwei Partien nicht schlechter als ihr prominenter Gegner sind. Aber fehleranfälliger und weniger effizient. Simone Rapp scheitert in der ersten wie zweiten Halbzeit allein vor Spartaks Goalietalent Aleksandr Maksimenko. Und in der Defensive verteilen die Oberländer wie vor Wochenfrist Geschenke, erneut ist es ihr Goalie Guillaume Faivre, der sich als besonders grosszügig erweist.

In der 52. Minute kann er einen harmlosen Schuss von André Schürrle nicht festhalten, der Argentinier Ezequiel Ponce sagt Danke und trifft zum 1:1. «Wir machten es dem Gegner in der Defensive zu leicht», sagt Rechtsverteidiger Stefan Glarner. Und Rapp meint, als Stürmer wäre es sein Job gewesen, aus solchen Chancen Treffer zu machen.

Es ist eine gewohnt selbstkritische Analyse der Thuner Protagonisten. Der Stolz, trotz langer Absenzenliste Spartak gefordert zu haben, kommt nur in Ansätzen zum Vorschein. Trainer Marc Schneider sagt: «Wie wir aufgetreten sind, gibt mir ein gutes Gefühl für die Saison.» Als er die Medienkonferenz beendet hat, gibt es Applaus von den rund fünfzig russischen Journalisten.

Schürrle und die Latte

Im Vorfeld war bei den einheimischen Medien die Frage gewesen, wie Spartak dieses Spiel angehen würde. Am Montag steht das Derby gegen ZSKA an. Dazu muss man wissen, dass die Farben der Moskauer Verkehrsbetriebe auch die von ZSKA sind: Rot und Blau. Was Unmut auslöste, als Spartak 2014 sein neues Stadion samt Metrostation in Betrieb genommen hatte. Nach Protesten willigte die Behörden ein, dass Signete und Markierungen an der Spartak-Station rot-weiss sein dürfen, jene des Rekordmeisters.

Als das Spiel dann beginnt, lässt Trainer Oleg Kononow seiner Ankündigung, nur auf die Partie gegen Thun fokussiert zu sein, Taten folgen. Er nimmt im Vergleich zum Hinspiel zwei Änderungen vor.

Eine davon ist der deutsche Weltmeister Schürrle, der ins offensive Mittelfeld rückt. Seine vorerst auffälligste Szene hat er, als er nach 14 Minuten mit einem strammen Schuss via die Finger von Thuns Goalie Guillaume Faivre an die Latte trifft.

Schneider hat da den Gedanken, dass es ein spezieller Abend werden könnte, wie er später erzählen wird. «Solches Glück braucht es für einen Coup.» Hinter seinem Team liegt ein Start nach Mass: Glarner erzielte auf Vorlage von Rapp aus kurzer Distanz das 1:0, just in einer Phase, in der es im Stadion erstmals richtig laut geworden war.

Traumstart: Glarner trifft nach sieben Minuten ins Lattenkreuz. (Quelle: SRF)

Die Ambiance in der Otkrytije Arena ist durchaus eindrücklich. Obwohl die Partie während der Sommerferien stattfindet, die in Russland von Anfang Juni bis Ende August dauern, ist das Stadion mit 33076 Zuschauern gut gefüllt. Aber die Thuner agieren so, wie sich das Schneider wünschte: furchtlos.

«Fast» perfekte Halbzeit

Als der Schiedsrichter die erste Halbzeit beendet, müssen sich die Oberländer einzig den Vorwurf machen, ihre Chancen nicht genutzt zu haben. Linksverteidiger Sven Joss kam dem 2:0 mit einem Schlenzer nahe, Rapp Momente vor der Pause noch näher. Die Szene seines Stürmers lässt Schneider sagen, dass die erste Halbzeit «fast» perfekt gewesen sei. Rapp meint, er habe da trotz verpasster Chance ein gutes Gefühl gehabt. «Wir spielten wirklich stark.»

Dieses Gefühl ist verflogen, als der Stürmer in den Katakomben steht. Als er darauf wartet, dem Fernsehen ein Interview zu geben, blickt er nach oben und sagt zweimal zu sich: «Bitter.»

Telegramm: Spartak Moskau - Thun 2:1 (0:1)

30'000 Zuschauer. - SR Jovanovic (SRB).

Tore: 7. Glarner (Rapp) 0:1. 52. Ponce 1:1. 58. Schürrle (Mirsow) 2:1.

Spartak Moskau: Maksimenko; Eschtschenko, Gigot, Dschikija, Ayrton; Sobnin, Schürrle (88. Ananidse), Guljew; Bakajew (77. Melkadse), Ponce, Mirsow (70. Melgarejo).

Thun: Faivre; Glarner, Havenaar, Sutter (79. Salanovic), Joss (71. Munsy); Kablan, Fatkic (63. Gelmi), Stillhart, Hefti; Castroman, Rapp.

Bemerkungen: Spartak Moskau ohne Rekordtransfer Til (noch nicht spielberechtigt), Thun ohne Tosetti, Hediger, Ziswiler, Karlen, Chihadeh und Bigler (alle verletzt). 14. Faivre lenkt Schuss von Schürrle an die Latte. Verwarnungen: 48. Guljew (Foul). 62. Havenaar (Foul). 89. Kablan (Foul).

Erstellt: 16.08.2019, 08:12 Uhr

Artikel zum Thema

FCZ gibt dramatisch Punkte ab, Thun gewinnt

In einer spektakulären Partie trennen sich der FCZ und Xamax 2:2, Thun gewinnt in Luzern und Sion jubelt gegen Lugano. Mehr...

Thun verliert spektakuläre Partie

Im Hinspiel der dritten Europa-League-Qualifikationsrunde verliert Thun gegen Spartak Moskau nach einer starken Leistung 2:3. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Zürcher Unterländer digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 24.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!