Bülach

Für den FC Bülach ging Kurt Oberhänsli meilenweit

Die Korken beim FC Bülach knallen momentan fast im Minutentakt. Der Verein feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Und Kurt Oberhänsli, einer der Protagonisten des Klubs, wird am Samstag 79.

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«Im Fussballklub Bülach habe ich unendlich viel Schönes erlebt», berichtet Kurt Oberhänsli. Der rüstige Rentner sitzt stolz vor vier dicken Fotoalben. «Die Bilder sind alle vom Fussball», sagt er und strahlt übers ganze Gesicht. An was erinnert er sich jetzt gerade wohl? An seine über 300 Tore in seinen 17 Jahren im Fanionteam des FC Bülach? An die vielen Freundschaften, die er im Verein geschlossen hat? An seine Frau Astrid, die er dank seines Mitspielers Armin Maag als 21-Jähriger 1959 kennenlernen durfte. «Astrid hat verschiedentlich Spiele von uns besucht, da ist sie mir natürlich aufgefallen», blickt Kurt Oberhänsli zurück. 1960 haben sich die beiden verlobt und 1963 geheiratet. Noch heute gehen sie liebevoll miteinander um.

Sportliches Multitalent

«Ich war ein Allrounder, spielte im Mittelfeld oder vorne, wo es der Trainer wollte. Ich deckte auch den gegnerischen Spielmacher, wenn es sein musste», sagt Oberhänsli über sich selbst. In der Tat. An vielen Orten angepackt hat er nicht nur auf dem Fussballplatz. Der bald 79-Jährige geht mit offenem Blick und Herzen auf die Leute zu. Es bleibt nicht beim Interesse. Der gelernte Maschinenschlosser, der lange auf seinem Beruf und danach als Berufsschulhausabwart gearbeitet hat, krempelt immer wieder die Hemdsärmel nach oben und nimmt verschiedenstes selber in die Hand. Ist aktiv. Sucht Lösungen. Mittlerweile jasst er, geht mit Bekannten wandern und besucht die Heimspiele des Bülacher Fanionteams.

Und sein Herz trägt er zuweilen auf der Zunge. «Das mit dem Abstieg in die 3. Liga in diesem Jahr hätte nicht sein müssen», meint er. Natürlich ist er informiert, was in den vergangenen Monaten im Bülacher Sportplatz Erachfeld alles gelaufen ist. «Ausnahmestürmer Luca Dimita war bei uns in Bülach Junior. Dann entschied er sich, nach Glattfelden zu gehen, statt zu uns zurückzukommen. Das hätte verhindert werden können. Schade. Dimita schoss in Glattfelden viele Tore und wir mussten absteigen», berichtet er in traurigem Ton.

Oberhänsli war schon als Kind aktiv. Er wuchs in Glattbrugg auf. Als Zehnjähriger trat er den C-Junioren des FC Glattbrugg bei. Während der Sekundarschule fuhr er zweimal am Tag mit dem Velo nach Kloten ins Dorfschulhaus nahe der reformierten Kirche. Daneben hatte er noch genug Energie, Zeitschriften auszutragen, um das schmale Haushaltsbudget seiner Mutter aufzubessern. Auch im Turnverein und im Leichtathletikclub war er aktiv. Als ob das nicht genug wäre, fuhr er alle zwei Wochen mit dem Velo zum Zürcher Hardturm, um die Heimspiele des Grasshopper Club zu sehen.

Zudem spielte er sehr gut Fussball. Er wurde in die Unterländer Auswahl berufen, die einmal in der Woche auf dem Förrlibuck trainierte. 1955, als 17-Jähriger, bestritt er sein erstes Spiel für die erste Glattbrugger Mannschaft. Es ging gleich um den Aufstieg in die 2. Liga. Glattbrugg gewann und stieg auf.

Der erste Match mit dem Glattbrugger Fanionteam war zugleich sein letzter in diesem Klub. «Wir zogen nach Bülach um, meine Mutter übernahm in Bülach das Restaurant Post», erzählt er. Tränen seien bei ihm geflossen, als er seine Kameraden verlassen musste. Doch schnell hellte sich das Gesicht des Rentners auf. «Ich habe in Bülach bald Anschluss gefunden. Hauptsächlich wegen des Fussballs.»

Traumduo mit Rino Piubel

Auch in Bülach spielte Kurt Oberhänsli trotz seiner erst 17 Jahre sofort im Fanionteam. Er wurde schon in Glattbrugg darauf angesprochen, mehr auf die Karte Fussball zu setzen, öfter zu trainieren und auf eine richtige Lehre zu verzichten. Seine Mutter jedoch war strikt dagegen und setzte sich durch.

Den Wohnortswechsel und das Verbot, bei einem Fussball-Grossklub sein Glück zu versuchen, haben den Jungen nicht untergekriegt. In Bülach, besonders im Fussballverein, lief es ihm blendend. Besonders mit seinem Sturmpartner Rino Piubel. «Rino und ich schossen in einer Saison über 100 Tore», blickt er zurück. 1959 stiegen die Bülacher in die 2. Liga auf. Im entscheidenden Spiel schoss Oberhänsli in Töss in der 88. Minute den Siegtreffer.

Es kam noch besser. 1962 gelang gar die Promotion in die 1. Liga. Als Dank hat der Verein dem Team ein einwöchiges Trainingslager in Davos bezahlt. 300 bis 500 Zuschauer besuchten in dieser Zeit die Bülacher Heimspiele. «Im Cup gegen GC waren einmal über 3000 Leute im Erachfeld», berichtet Oberhänsli stolz. Sein Glück wurde noch grösser, als 1964 sein Sohn Kurt und zwei Jahre später Reto auf die Welt kamen. Reto Junior setzte die tolle Oberhänsli-Tradition im FC Bülach fort. Der heute 50-jährige schoss für den FCB ebenfalls Tore am Laufmeter und schaffte in der Saison 1993/1994, wie sein Vater 32 Jahre zuvor, ebenso den Aufstieg in die 1. Liga.

Geselligkeit grossgeschrieben

Kurt Oberhänsli senior spielte noch bei den Bülacher Senioren und Veteranen. Dem geselligen Oberhänsli glückte danach noch ein wichtiger Erfolg neben dem Fussballrasen: Auf seine Initiative hin durften die Spielerfrauen bei den jährlichen Seniorenreisen mit dabei sein.

Gesellig wird es bei ihm auch übermorgen Samstag, wenn er seinen 79. Geburtstag feiert. «Aber nur im kleinen, familiären Rahmen», wiegelt der Jubilar ab. Sekunden danach aber schiebt er in ernstem Ton nach. «An meinem 80. aber gibts dann schon war grösseres.» (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 26.07.2017, 15:42 Uhr

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