Zürich

«Mädchen sollten möglichst lange mit Buben spielen»

Sie trainiert 15-jährige Talente aus der Region: Die Seuzacherin Adrienne Krysl spielte auf dem höchsten Niveau des Frauenfussballs und kümmert sich nun um den Profinachwuchs.

«Körperlich, technisch und taktisch müssen Mädchen und Buben gleich trainiert werden», sagt Adrienne Krysl, Trainerin der 15-jährigen Frauentalente im Kanton Zürich.

«Körperlich, technisch und taktisch müssen Mädchen und Buben gleich trainiert werden», sagt Adrienne Krysl, Trainerin der 15-jährigen Frauentalente im Kanton Zürich. Bild: Heinz Diener

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Gegen welche Kommentare muss man als Fussballerin gewappnet sein?

Adrienne Krysl: Männer belächeln mich erst einmal, wenn ich erzähle, dass ich Fussball spiele. Sobald sie mich aber mal spielen sehen, sagen sie im Normalfall nichts mehr. Es war immer so, seit ich mit sieben mit Fussball angefangen habe, dass ich erst beweisen musste, dass ich es kann.

Wie war das in der Ausbildung zur Fussballtrainerin?

Wir waren zwei Frauen und dreissig Männer in der Ausbildung. Die Ausbildung ist für alle gleich und das ist auch gut so. Körperlich, technisch und taktisch müssen Mädchen und Buben gleich trainiert werden. Spätestens als ich die Tests als eine der Besten abschloss, respektierten mich die Kollegen in der Ausbildung.

Was halten Sie davon, dass Mädchen mit Buben trainieren? Zum Beispiel in einem Dorfverein, wo es zu wenig Mädchen für eine Mannschaft gibt.

Mädchen sollten so lange wie möglich zusammen mit Jungs spielen, davon können sie enorm profitieren. Jungen spielen früher schon auf höherem Niveau. Das gibt den Mädchen die Gelegenheit, sich zu beweisen. Natürlich setzt das voraus, dass der Trainer akzeptiert, dass Mädchen mitspielen und dass er nicht meint «Dann verlieren wir nur».

Was ist am Frauenfussball denn anders als am Männerfussball?

Eigentlich sollte man Männer- und Frauenfussball nicht vergleichen. Die Voraussetzungen sind total unterschiedlich, nur schon physisch: Männer haben mehr rote Blutkörper und mehr Muskeln. Andererseits sind wir technisch viel besser geworden. Frauenfussball ist zudem weniger aggressiv, es gibt weniger Schwalben – viele sagen, dass von Frauen Fussball in seiner ungeschnörkelten, reinen Form gespielt wird.

Wird Frauenfussball genug gefördert in der Schweiz?

Es hat sich schon viel getan. Seit 2004 können Mädchen am Credit-Suisse-Ausbildungszentrum in Biel (vorher Huttwil) die dritte Sek parallel neben intensivem Fussballtraining abschliessen. Am wichtigsten finde ich, dass die jungen Frauen eine professionelle Laufbahn einschlagen und trotzdem eine Lehre oder ein Studium abschliessen können. Man sollte solche Spezialverträge in der Lehre fördern.

Wie haben Sie die Lehre zur medizinischen Praxisassistentin und Fussball unter einen Hut gebracht?

Ich war ständig zwischen Stuhl und Bank. Meine Lehrabschlussprüfung fiel genau auf den Zeitpunkt, als wir mit der A-Nati ein EM-Qualifikationsspiel gegen Schweden spielten. Für mich war klar, dass ich die Lehre abschliessen würde, aber meine Trainerin fragte mich, ob ich die Prüfung nicht um ein Jahr verschieben könnte. Ich bin dann mit der Fussballtasche an die letzte Prüfung gegangen und danach direkt zum Flughafen.

Heute trainieren Sie einmal in der Woche die besten U15-Spielerinnen aus der Region. Worauf fokussieren Sie dabei?

Ich bereite die Mädchen vor allem mental auf eine professionelle Karriere vor und finde heraus, wie sie zum Beispiel mit Druck umgehen. Es geht darum, möglichst früh herauszufinden, ob sich ihre Persönlichkeit dafür eignet. Gleichzeitig soll aber, gerade in diesem Alter, auch anderes Platz haben. So tanzt eine Spielerin auch sehr gerne und ich finde, das soll sie weiter machen, weil ihr das Spass macht und dazu beiträgt, dass sie sich wohlfühlt.

Was ist Ihr Ziel als Trainerin?

Ich möchte den Mädchen das Werkzeug mitgeben, dass sie ihren Weg gehen können. Persönlich werde ich auch das A-Trainerdiplom noch machen, dabei steht aber nicht im Vordergrund, dass ich einmal die Nationalmannschaft trainiere. Ganz bestimmt werde ich aber immer Frauen trainieren.

Erstellt: 10.06.2015, 12:05 Uhr

Zur Person

Adrienne Krysl (27) begann ihre fussballerische Laufbahn beim FC Seuzach und wechselte als 14-Jährige zum FC Schwerzenbach. Bis im letzten Sommer spielte sie bei GC, erst bei den U-Mannschaften, dann im Nati-Team der Frauen, später wechselte sie zum FC St. Gallen.

Heute spielt Adrienne Krysl in der Beachsoccer-Nationalmannschaft. Sie trainiert zudem einmal wöchentlich die besten 15-jährigen Fussballerinnen der Region Zürich, die sie sportlich und mental auf die U17 und eine professionelle Karriere im Fussball vorbereitet.

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