Schweizer schlagen sensationell die Weltnummer 1

Was für ein Spiel: Nach frühem 0:2 fertigt die Schweiz Belgien 5:2 ab und qualifiziert sich fürs Finalturnier der Nations League – Seferovic erzielt drei Tore.

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Am Mittwoch sorgten die Schweizer noch für Verwirrung, als sie sich gegen Katar blamierten. Die Frage drängte sich auf: Wann wurden sie das letzte Mal so blossgestellt?

Und jetzt das, dieser Sonntag, dieser Exploit gegen Belgien, und auf einmal heisst die Frage: Wann haben die Schweizer das letzte Mal so viel Moral gezeigt, so viel Leidenschaft? Wann haben sie letztmals einen Gegner dieses Kalibers besiegt?

Es ist ein wunderbarer Abend zum Abschluss eines langen Jahres, der 7. Sieg im 14. Spiel. Und was für ein Sieg das ist. Das 5:2 gegen Belgien ist einer voller Prestige, weil Belgien die Nummer 1 der Welt ist, weil er den Gruppensieg in der Nations League sichert und damit die Qualifikation für das Finalturnier im kommenden Sommer. «Ein Moment zum Geniessen», sagt Haris Seferovic.


Video: Das sagen die Schweizer zur Gala gegen Belgien


Die Schweizer haben den Sieg, dem sie gegen höher eingestufte Gegner so oft vergebens nachgerannt sind. Er erinnert an das 2:0 gegen Portugal, das im September 2016 als Europameister nach Basel gekommen war. Und vielleicht ist er noch mehr wert, weil er auf diese überzeugende Art und Weise zustande gekommen ist und der Schlusspunkt eines aufwühlenden Jahres ist.

Der Fehlstart

Dabei beginnt der Abend sehr schlecht. 66 Sekunden ist das Spiel alt, als Elvedi ein kapitaler Fehler unterläuft. Thorgan Hazard reagiert schnell und lupft den Ball über den herausstürzenden Sommer. Die Schweizer sind verwirrt, sie suchen den Weg ins Spiel und finden ihn nicht. Als sich Shaqiri die Möglichkeit für den Pass in die Tiefe auf Seferovic bietet, bleibt er an Kompany hängen.

(Video: SRF)

Der Gast kontrolliert das Spiel, Mertens vergibt das zweite Tor, und bald fällt es doch. Zuber verliert den Ball, Klose lässt sich unnötig aus der Abwehr locken und verliert einen Zweikampf noch in der gegnerischen Platzhälfte, Belgien hat allen Platz zum Konter. Thorgan Hazard schliesst ihn erfolgreich ab, kein Schweizer hat es für nötig befunden, ihn anzugreifen.

(Video: SRF)

Das 0:2 ist nicht das, was sich die Schweizer vorgestellt haben, nicht die Antwort auf Katar, nicht das Zeichen, dass sie für diese Aufgabe bereit sind. Belgien hat alles im Griff, so sehr, dass es auf einmal hochnäsig wird und den Gegner aufkommen lässt. Mbabu setzt im belgischen Strafraum nach und bekommt einen Penalty. Rodriguez verwandelt ihn mit gewohnt kaltem Blut.

(Video: SRF)

Aus dem Geschenk wird der Startschuss zur grossen Aufholjagd, die Schweizer erkennen ihre Chance und drehen auf. Auf einmal glauben sie an sich, sie werfen alle Zweifel ab und stürmen furchtlos an. Rodriguez zieht eine Flanke auf den hinteren Pfosten, Shaqiri legt den Ball mit dem Kopf quer vors Tor ab, und da taucht einer aus der Versenkung auf: Haris Seferovic, bis dahin praktisch ohne Ball, nutzt die perfekte Vorarbeit zum 2:2. Die Zuschauer stehen.

Seferovic trifft zum 2:2. (Video: SRF)

Und da ist Seferovic

An der Seitenlinie hat Vladimir Petkovic die Bestätigung, richtig aufgestellt zu haben. Xhaka schwingt sich zum Chef auf, Shaqiri gewinnt so viel an Einfluss, dass er kaum zu bremsen ist. Mbabu stürmt, Edimilson wird immer besser, Rodriguez spielt so gut wie seit langem nicht mehr, Freuler zahlt endlich das Vertrauen zurück, das er von Petkovic trotz vieler schlechter Leistungen immer wieder bekommen hat.

Und da ist eben noch Haris Seferovic, er ist dieser Stürmer, der so viel arbeitet und doch in erster Linie daran gemessen wird, dass er zu viele Chancen vergibt. Diese Saison hat er sich bei Benfica Lissabon einen Stammplatz gesichert, er fühlt sich wohl in Portugal, darum hat er trotz eines schwierigen ersten Jahres nicht schon wieder den Verein gewechselt.

Für Seferovic ist es erst der Anfang zu einem spektakulären Abend, seinem spektakulärsten überhaupt, seit er für die Schweiz stürmt. Die 44. Minute läuft, als die Schweizer einen Corner abwehren und zum Konter ansetzen, als wären sie ein Team voller Sprinter. Die Aktion krönt Seferovic, er schliesst sie nach einem Zusammenspiel mit Edimilson Fernandes herrlich ab.

Seferovic trifft zum 3:2. (Video: SRF)

«Ich fühle mich wohl, mir geht es gut», sagt er später. Er ist in diesem Moment ruhig und kontrolliert, als hätte es diese zweite Halbzeit nicht gegeben und nicht diese Szene in der 84. Minute. Mbabu flankt, Seferovic trifft mit dem Kopf herrlich in die Ecke.

Seferovic trifft zum 5:2 (Video: SRF)

Es ist das 5:2 und der Schlusspunkt einer Leistung, die auch deshalb überragend ist, weil die Schweizer in der zweiten Halbzeit nie Gefahr laufen, die Kontrolle über Gegner und Spiel zu verlieren. Dazu trägt auch bei, dass Elvedi auf eine Flanke Shaqiris das vierte Tor gelingt.

(Video: SRF)

Ein paar Sekunden vor Ende gönnt Petkovic seinem Dreifach-Torschützen Seferovic einen Applauswechsel. Vor einem Jahr gegen Nordirland wurde Seferovic in Basel noch mit Pfiffen verabschiedet.

Schweiz - Belgien 5:2 (3:2) Luzern. - 15'000 Zuschauer (ausverkauft). - SR Orsato (ITA) Tore: 2. Thorgan Hazard 0:1. 17. Thorgan Hazard 0:2. 26. Rodriguez (Foulpenalty/Foul an Mbabu) 1:2. 31. Seferovic (Shaqiri) 2:2. 44. Seferovic (Edimilson Fernandes) 3:2. 62. Elvedi (Shaqiri) 4:2. 84. Seferovic (Mbabu) 5:2. Schweiz: Sommer; Mbabu, Elvedi, Klose, Rodriguez; Xhaka, Freuler (79. Zakaria); Edimilson Fernandes, Shaqiri, Zuber (87. Benito); Seferovic (92. Ajeti). Belgien: Courtois; Alderweireld, Kompany, Boyata; Meunier (90. Origi), Tielemans, Witsel, Chadli (65. Batshuayi); Thorgan Hazard, Mertens, Eden Hazard. Bemerkungen: Schweiz ohne Lichtsteiner, Akanji, Embolo, Djourou, Mehmedi und Bürki (alle verletzt), Belgien ohne De Bruyne, Lukaku, Vermaelen, Vertonghen, Benteke, Dembele (alle verletzt) und Carrasco (abwesend). 86. Lattenschuss Eden Hazard. Verwarnungen: 38. Xhaka (Foul). 79. Mbabu (Foul). 87. Seferovic (Foul).

Rangliste: 1. Schweiz 4/9 (14:5). 2. Belgien 4/9 (9:6). 3. Island 4/0 (1:13). - Schweiz am Final Four, Island steigt ab.

Erstellt: 18.11.2018, 19:31 Uhr

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