Sie versprechen Spektakel

Spanien ist dank jahrelanger Aufbauarbeit in der Jugend zum Mitfavoriten an der Frauen-WM gereift.

Gehören mittlerweile zu den besten Frauen-Teams der Welt: Die spanische Elf.

Gehören mittlerweile zu den besten Frauen-Teams der Welt: Die spanische Elf. Bild: Francisco Seco/Keystone

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Querpässe sind Teufelszeug, diabólico! Je länger und langsamer man sie spielt, desto schneller landen sie beim Gegner. So taten sich die Spanierinnen zum Auftakt der Fussball-WM bei ihrem fragilen 3:1 gegen Südafrika schwer. Dabei spielen sie eigentlich gar keine teuflischen Querpässe, sondern «horizontales Tiki-Taka». So nennt Trainer Jorge Vilda das kurze Querspiel - aber nicht einmal das gefällt ihm so richtig. Er sieht lieber «vertikales Tiki-Taka», das stationsreiche Spiel in die Tiefe.

Spanien gilt als neue Macht in der Welt des Frauenfussballs. Dabei hatte das Nationalteam bis 2015 nie an einer Weltmeisterschaft teilgenommen, und bis zum 3:1 gegen Südafrika am vergangenen Samstag hatte sie auch nie ein Spiel an einer WM gewonnen. «Damit haben wir Geschichte geschrieben», sagt Mittelfeldspielerin Amanda Sampedro von Atlético Madrid. Ein 0:0 gestern gegen China reichte Spanien zum Einzug in den Achtelfinal.

«Wir haben uns in den vergangenen Jahren erheblich verbessert, sind defensiv stabiler geworden und offensiv aggressiver.» Der Frauenfussball macht Fortschritte in Spanien, taktisch wie gesellschaftlich, und Sampedro schlussfolgert aus diesen Entwicklungen, die ungefähr so schnell vor sich gehen wie das spanische Spiel: «Wir haben das Potenzial, den WM-Titel zu gewinnen.»

Revolte nach dem Debüt

Mit solchen Thesen heben sich die Spanierinnen selber über die Rolle eines Mitfavoriten. Als solcher war das Team vor der WM bezeichnet worden.

Bei ihrem Debüt 2015 hatten sie in den drei Gruppenspielen bloss einen Punkt geholt, die Unzufriedenheit im Team war hinterher gewaltig. Die Spielerinnen revoltierten gegen Ignacio Quereda, der damals fast 27 Jahre lang Frauen-Nationaltrainer gewesen war. Jorge Vilda übernahm.

Vilda hat seitdem viel Schwung in den Fussball gebracht. Insofern hört es die spanische Delegation vermutlich nicht so gern, wenn Patrik Grolimund, der Schweizer Co-Trainer der Deutschen, behauptet: «Der spanische Stil ist seit Jahren so ein bisschen der gleiche, den spielen die Frauen ebenso wie die Nachwuchsteams, das ist ihre DNA - aber dafür haben wir Lösungen.» Die Lösungsansätze rühren dabei auch aus dem Nachwuchsbereich. Dort haben sich deutsche und spanische Teams in den vergangenen Jahren immer wieder bis in diverse Endspiele hinein duelliert.

Für den weiblichen spanischen Nachwuchs war 2018 ein phänomenales Jahr: Die U-20 erreichte den WM-Final gegen Japan. Die U-19 wurde zum zweiten Mal nacheinander Europameister, die U-17 Welt- und Europameister.

Vilda hatte einst auch diese beiden Teams trainiert, bevor er 2015 Trainer bei den Frauen wurde. Mit beiden Nachwuchsteams gewann er Titel und Medaillen. Er sagt: «Im spanischen Verband haben wir eine ähnliche Spielphilosophie für alle Alterskategorien, um die Wechsel zu erleichtern.» Das galt auch für ihn, es erleichterte seinen Wechsel zu den Frauen.

Der 37-Jährige ist der jüngste Trainer an dieser WM. Sein Vater Angel hat einst als Konditionstrainer unter Johan Cruyff bei Barcelona gearbeitet, unter Jupp Heynckes bei Real Madrid sowie unter Luis Aragonés bei Atlético. Sohn Jorge hat das Wissen des Vaters gierig aufgesogen.

15 der 23 WM-Spielerinnen kommen von Meister Atlético Madrid oder vom Zweitplatzierten FC Barcelona. Diese beiden Clubs dominieren die spanische Liga. Atléticos Jennifer Hermoso wurde mit 24 Treffern Torschützenkönigin der Liga und hat in ihren 70 Länderspielen auch schon 30-mal getroffen. Beim 3:1 zum Auftakt gegen Südkorea benötigte sie für ihre beiden Tore allerdings zwei Penaltys.

Besser als Deutschland

«Wir haben die perfekte Mischung aus erfahrenen Spielerinnen und Talenten», sagt Amanda Sampedro. Ihren Optimismus, was den möglichen Titel angeht, teilt der Trainer Vilda bislang allerdings nur sehr vorsichtig und eher perspektivisch.

Und mit jeder nächsten Frage nach der Weiterentwicklung seines Teams und mit jeder Erinnerung an die Titel im Nachwuchs fasste der Trainer mehr Mut und fragte sich irgendwann in Gedanken, warum er eigentlich nicht offensiver über die Zukunft seines Teams sprechen sollte.

Am Ende nimmt er all seinen Mut zusammen und sagt: «Eines Tages wollen wir besser dastehen als Deutschland - an diesem Ziel arbeiten wir hart.»

Erstellt: 18.06.2019, 16:32 Uhr

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