USA ernten nach 13:0-Sieg viel Kritik

Die chancenlosen Gegnerinnen gedemütigt, ausgelassen gejubelt: Der Rekordsieg im WM-Gruppenspiel gegen Thailand erfreut nicht alle.

Alle sieben Minuten ein Tor: Die 13 Treffer der USA im Schnelldurchlauf. Video: BBC

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Das Tor fiel in der 92. Minute. Es war kein entscheidendes, kein besonders schönes, kein wichtiges, es war eines unter vielen. Carli Lloyd erzielte es, jubelte, es war ihr erstes an dieser WM. Ihre Teamkolleginnen hatten davor die ganze Arbeit getan und zwölf Tore erzielt, alleine Stürmerin Alex Morgan deren fünf. 13:0 schlägt die USA Thailand, zehn Treffer fielen in der zweiten Halbzeit.

Es ist ein Spiel der Rekorde, 40-mal schossen die Titelverteidigerinnen in Richtung gegnerisches Tor. Die Hälfte aller Spielerinnen, die eingesetzt wurden, traf. Noch nie hat ein WM-Spiel mehr Tore gesehen, die letzte Torschützin Lloyd ist nun neben der Deutschen Birgit Prinz die einzige Spielerin, die an fünf WM-Endrunden in Folge traf. Und auch Morgan tritt einem kleinen Club bei: Nur Landsfrau Michelle Akers schoss einmal fünf Tore in einem WM-Spiel.

Die Gegnerinnen waren – natürlich – komplett chancenlos und brachten im gesamten Spiel zwei Schüsse aufs Tor. Die Thailänderinnen waren am Boden zerstört, verliessen den Platz unter Tränen. Das bringt den Siegerinnen Kritik ein, sie kommt aus den sozialen Medien, der Tenor: Die USA hätten zu ausgelassen gefeiert und den Gegner blossgestellt. Die Kritik kommt aber auch von ehemaligen Spielerinnen: «Sie hätten mit etwas mehr Demut und Gnade gewinnen können», findet Clare Rustad, frühere Nationalspielerin Kanadas.

Enttäuschte Thailänderinnen nach der sporthistorischen Niederlage. Bild: Keystone/Tolga Bozoglu

«Du triffst, du jubelst. Das ist ein Traum»

Kaylyn Kyle ist ebenfalls eine ehemalige Spielerin Kanadas und kommentiert zusammen mit Rustad die Spiele beim Sender TSN. Sie sagt, sie sei vom Verhalten der Spielerinnen «angeekelt», schliesslich hätten ja auch Kinder das Spiel geschaut. Sie stört sich an der Geste von Top-Torschützin Morgan, die nach ihren Toren jeweils die passende Anzahl Finger in die Luft streckte.

Die Spielerinnen auf dem Platz bekommen aber auch Rückendeckung. Abby Wambach, Rekordtorschützin der USA, schreibt auf Twitter: «Stellt euch vor, es ist euer Traum, dort zu sein, würdet ihr nicht jubeln?» Und ergänzt: «Würde man einem Männer-Team sagen, keine Tore zu schiessen und nicht zu jubeln?» Aly Wagner, einst Teamkollegin von Wambach, schreibt zudem: «Es ist eine Weltmeisterschaft. Du triffst, du jubelst. Das ist ein Traum für die Spielerinnen.»

«Jedes Tor zählt in diesem Turnier, das ist, wofür wir arbeiten», sagte die viel kritisierte und ebenso umjubelte Alex Morgan nach ihrer Show. Sie sagte es, kurz nachdem sie die bitter enttäuschte Miranda Nild, Thailands beste Spielerin, in den Arm genommen und getröstet hatte. Ihre Teamkolleginnen Carli Lloyd und Christen Press gingen nach dem Abpfiff zuerst zur bemitleidenswerten Torhüterin Sukanya Charoenying und umarmten sie. Da waren die Meinungen der Kritiker schon gemacht.

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Christen Press tröstet die Torhüterin Sukanya Charoenying. Bild: Keystone/Tolga Bozoglu (mro)

Erstellt: 12.06.2019, 12:34 Uhr

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