Verspielt Guardiola mit den Citizens den Meistertitel?

Manchester City hinkt in der Premier League sieben Punkte hinter Leader Liverpool her. Anfang Dezember hatte das Team noch zwei Zähler Vorsprung. Nun kommt Nervosität auf.

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Die Redewendung «wie gewonnen, so zerronnen» passt zur aktuellen Situation von Manchester City. Innert weniger als drei Wochen rutschte die Mannschaft von Pep Guardiola in der Premier League von der Leaderposition auf Rang 3 ab. Am 5. Dezember war die Welt für die Citizens noch in Ordnung gewesen. Nach einem tags zuvor realisierten 2:1-Erfolg bei Watford wurde Verfolger Liverpool mit zwei Punkten auf Distanz gehalten. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet und beim Titelverteidiger machen sich Ratlosigkeit sowie Nervosität breit.

In London wurde die Talfahrt des englischen Meisters am 8. Dezember mit einer 0:2-Niederlage bei Chelsea eingeleitet. Erstmals seit April verlor ManCity ein Ligaspiel. Guardiola sah zu jenem Zeitpunkt keinen Grund, besorgt zu sein. Der Spanier zeigte sich sogar noch begeistert über die gezeigte Leistung seiner Mannschaft und bezeichnete sie als «herausragend».

Vier Tage später schlossen die Citizens die Gruppenphase der Champions League mit einem 2:1 gegen Hoffenheim daheim erfolgreich ab. Flügelflitzer Leroy Sané drehte nach dem 0:1-Rückstand die Partie mit zwei Treffern quasi im Alleingang. Guardiola lobte den Goalgetter und schwärmte von Youngster Phil Foden. «England hat einen Diamanten. Er ist unglaublich. Wir haben keine Zweifel an seiner Qualität», beurteilte der Coach den Auftritt des 18-Jährigen, der bereits zuvor mit einem Vertrag bis 2024 ausgestattet worden war.

Der nächste Tiefschlag

Die Welt war für die Citizens auch Mitte Dezember nach dem 3:1-Heimsieg gegen Everton noch in Ordnung, zumindest halbwegs. Liverpool lag schliesslich nur einen Punkt vor dem Titelverteidiger. Ein Rückstand, der sich je nach Abschneiden des Tabellenführenden schnell wettmachen lässt. Die drei Punkte im Heimspiel in der letzten Runde vor Weihnachten gegen Crystal Palace waren bereits fix einkalkuliert, doch City stolperte. Die 2:3-Niederlage war umso bitterer, weil die Reds am Tag zuvor bei Wolverhampton vorgelegt (2:0) hatten. Guardiola haderte mit dem Schicksal seines Teams und der Effizient des Gegners: «Sie schiessen dreimal aufs Tor und erzielen drei Treffer. So ist der Fussball.» Weiter sagte der Coach zum nächsten Rückschlag: «Es hätte nicht passieren dürfen, aber so ist es nun mal.»

Am Stephanstag musste sich Guardiola vor Journalisten schon vielmehr verteidigen. Seine Mannschaft kassierte am «Boxing Day» in Leicester ein 1:2, das sich wie ein Tiefschlag anfühlte. Auch deshalb, weil Liverpool seine Siegesserie mit einem diskussionslosen Heimerfolg (4:0) gegen Newcastle fortsetzte. Dass sich die Hellblauen acht Tage zuvor im Viertelfinale des League Cup gegen Leicester nach Penaltyschiessen durchgesetzt (3:1) hatten, interessierte keinen mehr. «Wir versuchen so schnell wie möglich wieder zu gewinnen», betonte der 47-jährige Coach nach der zweiten Niederlage in Folge und innert 96 Stunden.

«Müssen Lösungen finden» – ohne Fernandinho

Der Rückstand auf die Reds (51 Punkte), die unter Trainer Jürgen Klopp und mit Xherdan Shaqiri derzeit kaum aufzuhalten sind, ist auf sieben Punkte angewachsen – der Erfolgsdruck entsprechend gestiegen. Wie konnte Guardiola mit seinem Kader, dessen Gesamtmarktwert bei über 1,1 Milliarden Euro (!) liegt, innert so kurzer Zeit so viel verspielen? Einerseits liess die Defensive der Citizens zu wünschen übrig. Seit neun Pflichtspielen konnte der Meister nicht mehr ohne Gegentor vom Platz. «Natürlich macht uns das Sorgen», äussert sich der Coach dazu. Eine Lösung fand er aber bisher nicht und seine Mannschaft blieb besonders bei Kontern anfällig.

Offensiv wirkte das Spiel von ManCity in den vergangenen drei Wochen behäbig. Vor allem, wenn Fernandinho nicht zum Einsatz kam, konnte sich das Team kaum entfalten. Der Brasilianer spielt im Mittelfeld eine zentrale Rolle. In der laufenden Saison holten die Citizens im Durchschnitt 2,48 Punkte (Premier League und Königsklasse), wenn er auf dem Feld stand. In den drei Partien ohne ihn waren es nur deren 1,0. Zuletzt hatte der 33-Jährige in der Meisterschaft zweimal angeschlagen gefehlt – und das Team sich geschlagen geben müssen. Guardiola ist bewusst: «Wir müssen Lösungen finden. Fernandinho ist verletzt, wir müssen das bewältigen.» Wie, das lässt der Spanier allerdings offen.

Den Anschluss behalten

Und spätestens seit Mittwoch ist das Selbstvertrauen des Titelverteidigers arg angekratzt. «Wir haben es nicht geschafft, so wie immer zu spielen», seufzte Bernardo Silva nach der Partie in Leicester. Der Portugiese hatte City nach 14 Minuten in Führung gebracht, fünf Minuten später glich Marc Albrighton aus und in der 81. Minute stürzte Ricardo Pereira die Hellblauen in die Krise. «Für die Stimmung müssten jetzt schnell wieder Siege her», gab Guardiola zu bedenken. Doch nicht nur deshalb muss City zurück auf die Erfolgsspur finden.

Denn obwohl Liverpool-Coach Klopp von einem «Titelrennen bis zum letzten Spieltag» ausgeht und sogar Chelsea (4. Rang, 40 Punkte) sowie Arsenal (5., 38) noch nicht abgeschrieben hat, steht ManCity das Wasser bereits bis zum Hals. Am Sonntag (30. Dezember) muss in der 20. Runde zum Abschluss des Jahres ein Auswärtssieg gegen Southampton her, um dann am 3. Januar im eigenen Stadion mit vollem Selbstvertrauen ins Direktduell mit dem Leader steigen zu können. Ansonsten droht das Rennen um die Meistertrophäe zwischen den Reds und deren Verfolger Tottenham (45 Punkte) zu verkommen. (ddu)

Erstellt: 27.12.2018, 13:58 Uhr

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