Fussball

Am Tiefpunkt kommt wieder Bernegger

Die Grasshoppers bieten im «Sechspunktespiel» gegen den Tabellenletzten aus Vaduz eine völlig enttäuschende Leistung und verlieren verdientermassen 1:2. Tags darauf ersetzen sie Trainer Pierluigi Tami durch Carlos Bernegger.

«Einstimmig» hat sich der GC-Verwaltungsrat gegen Pierluigi Tami entschieden, nachdem sein Job vor dem Vaduz-Spiel noch sicher schien.

«Einstimmig» hat sich der GC-Verwaltungsrat gegen Pierluigi Tami entschieden, nachdem sein Job vor dem Vaduz-Spiel noch sicher schien. Bild: Keystone

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Als Pierluigi Tami nach dem Spiel die nächste – und wie sich herausstellen sollte: die letzte – Enttäuschung analysierte, die ihm seine Mannschaft bereitet hatte, stellte er mal fest: «Wir haben ein sehr wichtiges Spiel nur 45 Minuten gespielt. Das war nicht genug.» Dann kamen auf seiner Suche nach den Gründen, warum seine Fussballer die erste Halbzeit geradezu «ausgelassen» hatten, immer wieder die Ausdrücke «nervös» oder gar «Angst» vor. Und er frage sich, fügte Tami bei, wie man «die Mannschaft unterstützen kann», auf dass sie eben nicht mehr «nervös» ist und «auch unter Druck» keine «Angst» mehr zeigt. Seine persönliche Situation, sagt er gleich noch, «ist das kleinste meiner Probleme».

Am Sonntagnachmittag hatte er dieses «kleinste» Problem nicht mehr. Da taten ihm nämlich seine Vorgesetzten kund, er sei nicht mehr Cheftrainer der Grass­hoppers. «Einstimmig», wie GC schrieb, habe der Verwaltungsrat entschieden. Und Präsident Stephan Anliker wurde zitiert: «Wir müssen mit neuen Ideen und mehr Enthusiasmus die kommenden Spiele angehen. Ich traue Carlos Bernegger beides zu und freue mich auf die Zusammenarbeit.» Diese Aussage liess jener Anliker verbreiten, welcher der NZZ noch am Samstag ein Interview gegeben hatte, in dem er erklärte, Tami bleibe auch nach Niederlagen gegen Vaduz und in einer Woche in Basel im Amt. «Mit Tami ziehen wir die Sache durch», war Anlikers Kernaussage dort.

Unentschuldbar schwach

Makulatur also war am Sonntagnachmittag, was Anliker noch am Tag vor dem Spiel gesagt hatte und was eine ganz schwache Nummer war. Aber Makulatur auch, was Tami nach seinem78. Meisterschaftsspiel mit GC gesagt hatte – nach dem Spiel, das zwei Jahre und zwei Monate nach seinem Amtsantritt im GC-Campus sein letztes werden sollte. Man kann sagen, dass Tami da ratlos, ja fast hilflos wirkte, nach einer Leistung seiner Mannschaft, die nicht hätte sein dürfen. Mehr noch als das Resultat war es die Leistung, die schlecht war, in der ersten Halbzeit unentschuldbar ungenügend.

Zu sehen war eine Mannschaft, die nicht annähernd jene Entwicklung erkennen liess, die man von ihr guten Gewissens erwarten durfte. Nichts war zu sehen von der Fortsetzung der jüngsten Fortschritte – nicht zuletzt dank der Hilfe der drei Neuerwerbungen Munas Dabbur, Milan Vilotic und Charles Pickel. Also sagte der Trainer: «Wir müssen in einer solchen Situation mehr kämpfen, mehr Leidenschaft ­zeigen.»

Am guten Willen mag es nicht gefehlt haben, in der zweiten Halbzeit spielten die Grasshoppers auch etwas besser. Aber da schlugen sie selbst das Geschenk aus, das ihnen schon nach wenigen Minuten der Schiedsrichter machte, als er einen unberechtigten Handspenalty gegen den Vaduzer Veteranen Philipp Muntwiler pfiff. Dabbur, ausgerechnet der grösste Hoffnungsträger, schoss schwach, Benjamin Siegrist hielt mühelos. Das passte zu GC im März 2017 wie der Fehler des Torhüters Joel Mall, der dem Vaduzer Captain Simone Grippo nach einem Eckball das Kopftor zum 0:1 ermöglichte. Dazu passte, dass sich Pickel, der jüngste der Hoffnungsträger, schon nach einer Viertelstunde verletzte.

Es fiel dann kurz vor Schluss zwar noch ein GC-Tor, aber das war nur das 1:2. Erzielt wurde es durch den schwedischen Innenverteidiger Emil Bergström, einen der Neuzugänge des Winters. Er war an diesem Tag noch der Solideste. Aber Vilotic überzeugte nicht wirklich. Dabbur versuchte alles – also viel zu viel –, in die eigenen Füsse zu nehmen, und verschoss dann selbst den Elfmeter. Sein Kumpan Caio spielte so, dass man sich lange Zeit fragte, ob es nicht ein Fehler auf dem Matchblatt war, dass sein Name dort stand. Auf dem Platz kam er nämlich nicht vor. Pickel eben fiel aus. Und es halfen auch zwei Systemumstellungen nichts: vom anfänglichen 4-4-1-1 zu einem 4-3-3 nach der Pause zu einem 4-2-4 nach der Einwechslung Nicolas Hunzikers als viertem Stürmer.

Hasler «hocherfreut»

Klarer wurde das Spiel nicht, klarer spielten von Anfang an die Vaduzer. Deren Interimstrainer Daniel Hasler hatte es bei den Strukturen seines langjährigen Vorgesetzten Giorgio Contini belassen. Einzig Grippo kehrte nach verbüsster Sperre zurück, und Nicolas Hasler ersetzte den erkrankten Dejan Janjatovic. Damit spielte – im Match 1 nach Contini – wenigstens ein Liechtensteiner . . .

Hasler war «hocherfreut über diese Leistung». Die Mannschaft habe umgesetzt, «was wir wollten». Genau das hatten eben Tamis Grasshoppers nicht. «Angst essen Seele auf» könnte man es nennen, diesem Druck des Abstiegskampfs offensichtlich nicht gewachsen zu sein. Und eben nicht annähernd gebracht zu haben, was man ohne jegliche Übertreibung der Erwartungen hatte voraussetzen dürfen.

Anliker hätte einfach nie und nimmer sagen dürfen, was er in diesem NZZ-Interview sagte. Aber dass sie bei GC nach dieser Vorstellung zum Schluss kamen, es helfe ihnen nur ein Trainer-wechsel, um dem (Abstiegs-)Schicksal des FCZ 2016 zu ent­gehen – das war nachvollziehbar. Dass es überhaupt so weit kommen konnte – das wiederum macht deutlich, in welch schwieriger Situation der Rekordmeister steckt. Finanziell und auch sonst. Mit noch drei Pünktchen Vorsprung aufs Tabellenende.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 12.03.2017, 22:29 Uhr

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